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Tuotilo

Im Rückdeckel des Evangelium longum eingelassene Elfenbeintafel, geschnitzt von Tuotilo um 895 (Stiftsbibliothek St. Gallen, Cod. Sang. 53, e-codices).
Im Rückdeckel des Evangelium longum eingelassene Elfenbeintafel, geschnitzt von Tuotilo um 895 (Stiftsbibliothek St. Gallen, Cod. Sang. 53, e-codices).

um 855, an einem 27. Mai nach 912 . T. wurde noch in der Amtszeit von Abt Grimald (872) im Kloster St. Gallen ausgebildet. Er legte ca. 873 die Profess ab und gehörte unter den Äbten Hartmut, Bernhard und Salomo III. zu den massgebl. Gestaltern der Blütezeit des Klosters im späten 9. Jh. Bezeugt ist er als Cellerar und als Hospitar, betätigte sich folglich sowohl in der Wirtschaftsführung des Klosters wie in der Betreuung der Klosterschüler, der Pilger und Armen. Nach Ekkehards IV. Klostergeschichte beherrschte T. Saiten- und Blasinstrumente, besass eine helle Stimme, erteilte Adelssöhnen Musikunterricht und verfügte über ausserordentliche handwerkl. Talente. So schnitzte er u.a. die Elfenbeintafeln zum "Evangelium longum" (Cod. Sang. 53), gravierte bzw. ziselierte (heute verlorene) Metallarbeiten für die Kirchen in Konstanz, Mainz sowie Metz und wirkte auch als Maler. Die Forschung wies anhand der erhaltenen Elfenbeinschnitzereien T.s die Zuverlässigkeit der entsprechenden Angaben Ekkehards IV. nach. Berühmt wurde T. auch als Schöpfer von Tropen und Hymnen nach bibl. Texten. Sechs der von ihm komponierten lat. Tropen sind erhalten und wurden offenbar breit rezipiert, so der berühmte Weihnachtstropus "Hodie cantandus est nobis puer". Von seinen nicht näher bezeichneten dt. Dichtungen hat sich nichts erhalten. Da T. eloquent und von robuster Natur war, übernahm er auch Gesandtschafts- und Geschäftsreisen für sein Kloster. Nach Ekkehard IV. war er zusammen mit Ratpert Opponent und Kritiker von Abtbischof Salomo III. und gehörte als solcher zu den langfristig erfolgreichen Verteidigern der klösterl. Unabhängigkeit gegenüber dem Bistum Konstanz.

Quellen und Literatur

  • LThK 10, 306
  • VL 9, 1149-1151
  • LexMA 8, 1095 f.
  • J.-M. Sansterre, «Le moine ciseleur, la Vierge Marie et son image», in Revue bénédictine 106, 1996, 185-191
  • R. Schaab, Mönch in St. Gallen, 2003
  • A. von Euw, Die St. Galler Buchkunst vom 8. bis zum Ende des 11. Jh., 2008, 154-167
  • C. Hospenthal, Tropen zum Ordinarium missae in St. Gallen, 2010
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Lebensdaten ∗︎ um 855 ✝︎ an einem 27. Mai nach 912