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Medaillen

M. sind münzähnl. Erinnerungsstücke ohne Geldfunktion. Die Bezeichnung kommt vom ital. medaglia, lat. metallum, das im MA zunächst eine Kleinmünze, später eine nicht mehr kursfähige Münze bezeichnete. Die gegossenen oder geprägten M. (Münzprägung) bestehen meist aus Silber oder Bronze, seltener aus Gold.

Die M. wurden in der ital. Renaissance erfunden. Als Bildnismedaillen verkörperten sie den für die Renaissance typ. Individualismus. Fürsten, später auch reiche Bürger und Gelehrte, liessen sich auf ihnen abbilden. Beliebte Motive waren neben Porträtdarstellungen religiöse, allegor. und herald. Bilder sowie Stadtansichten. Auch Ereignisse von hist. Tragweite wurden auf M. festgehalten.

Die Kunst der Medaillenherstellung breitete sich um die Wende zum 16. Jh. in Deutschland und von dort in der Schweiz aus (Metallverarbeitende Handwerke, Gold- und Silberschmiedekunst). 1531 nahm der Zürcher Goldschmied und spätere Münzwardein Jakob Stampfer, der das Handwerk vermutlich in Nürnberg erlernt hatte, seine Tätigkeit in Zürich auf. Seine wohl berühmtesten Werke sind die Bildnismedaillen der Gelehrten und Reformatoren seiner Zeit sowie der Patenpfennig der Eidgenossenschaft für Prinzessin Claudia von Frankreich, Tochter Heinrichs II., von 1547.

Im 17. Jh. gewann die Medaille in der Schweiz weiter an Beliebtheit. Verbreitet waren städt. Verdienstmedaillen, Schulprämien in Medaillenform sowie Ehe- und Taufpfennige im familiären Bereich. Bildnismedaillen gab es in der Schweiz im 17. Jh. nur vereinzelt, denn die Meister dieses Genres arbeiteten eher für Fürsten im Ausland als für das heim. Bürgertum, wie z.B. der Luzerner Peter Paul Borner, der in den 1690er Jahren in Rom im päpstl. Auftrag Münzen und M. fertigte.

Eine der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten unter den europ. Medailleuren im 18. Jh. war der Schwyzer Johann Carl Hedlinger, an den in der Schweiz nur der Genfer Medailleur Jacques Antoine Dassier herankam. Auch auf jüngere Schweizer Medailleure wie den Thurgauer Johann Melchior Mörikofer oder den Luzerner Johann Kaspar Schwendimann übte Hedlinger einen grossen Einfluss aus.

Am Ende des 18. Jh. bildete sich eine neue Künstlergeneration aus, die sich verstärkt an der klass. Antike orientierte. Die beiden Neuenburger Medailleure Jean-Pierre Droz und Henri-François Brandt waren zu Beginn des 19. Jh. hervorragende Vertreter des Klassizismus. Der wohl letzte international tätige Schweizer Medailleur war der aus einer Genfer Stempelschneiderdynastie stammende Antoine Bovy. Die Eidgenossenschaft beauftragte ihn 1850 mit dem Entwurf für die ersten Bundesmünzen. Das vereinfachte Prägeverfahren dank der Reliefkopier- und Reduziermaschine und die zunehmende Kommerzialisierung brachten im Lauf des 19. Jh. Kostensenkungen und Massenprägungen mit sich und eröffneten damit einer neuen Kundschaft Zugang zu M. als Kunst- und Sammelobjekte. Zum bürgerl. Alltag gehörten nun Prämienmedaillen aller Art sowie Bildnismedaillen zur Ehrung von Vereinspräsidenten und Unternehmern. Künstlerisch wertvolle M. fanden sich allerdings nur selten darunter. Einzig die Arbeiten des Basler Medailleurs Hans Frei sowie jene von Henri Huguenin, einem Spross der Stempelschneiderdynastie Huguenin aus Le Locle, stechen hervor.

Im Laufe des 20. Jh. fanden die M. wieder vielfache Verwendung, büssten jedoch ihre Funktion als Kunstform ein. Im modernen Sport hat sich bei Olymp. Spielen, Weltmeisterschaften und anderen Wettkämpfen durchgesetzt, den Sieger mit einer goldenen, den Zweiten mit einer silbernen und den Drittplatzierten mit einer bronzenen Medaille auszuzeichnen. Die M. etablierten sich auch als Auszeichnung für hervorragende intellektuelle und künstler. Leistungen. Weiter werden häufig M. produziert, um über deren Verkauf Feierlichkeiten, Vereins- oder offizielle Anlässe (z.B. Fasnachtsplaketten) zu finanzieren. Unabhängig von der Auftragsmedaille entwickelte sich im 20. Jh. die "freie" Kunstmedaille, die jedoch als Kunstform in der Schweiz zu Beginn des 21. Jh. einen schweren Stand hat.

Quellen und Literatur

  • U. Friedländer, Schweizer M. aus altem Privatbesitz, 1989
  • M. Spoerri, «Aperçu de la littérature consacrée à la médaille suisse entre 1972 et 1996», in Schweizer Münzbl. 47, 1997, 87-91
  • S. Delbarre-Bärtschi et al., L'art au creux de la main, 2007