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Warenumsatzsteuer (Wust)

Warenumsatzsteuer und Mehrwertsteuer in der Schweiz 1941-2012
Warenumsatzsteuer und Mehrwertsteuer in der Schweiz 1941-2012 […]

Verbrauchssteuer des Bundes, die durch den Bundesratsbeschluss vom 29. Juli 1941 eingeführt und im Wesentlichen auf der entgeltlichen Lieferung von Waren – nicht aber auf Dienstleistungen – erhoben wurde. Als steuerpflichtige Lieferungen galten auch die werkvertragliche Lieferung und die Herstellung von Bauwerken. Gegenstand der Wust bildete ferner die Einfuhr von Waren. Das für die Steuererhebung geltende Einphasenprinzip erforderte zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen eine Unterscheidung zwischen Engros- und Detaillieferungen sowie eine Staffelung der Steuersätze. Eine zusätzliche Belastung in Form der als Taxe occulte bezeichneten Abgabe ergab sich daraus, dass Anlagegüter und Betriebsmittel bei den steuerpflichtigen Unternehmen (sogenannte Grossisten) ebenfalls besteuert wurden. In den 1930er Jahren regte sich vonseiten der Linken wegen des degressiven und unsozialen Charakters einer Verbrauchssteuer noch Widerstand gegen die Idee einer Warenumsatzsteuer. Die stark rückläufigen Zolleinnahmen während des Weltkriegs führten dann aber zu deren Einführung, um das Gleichgewicht im ordentlichen Finanzhaushalt des Bundes wiederherzustellen. Zur Abfederung der unsozialen Auswirkungen wurden schon in den ersten Monaten Güter des Grundbedarfs von der Steuer ausgenommen, insbesondere Gas, Wasser und Elektrizität, Lebensmittel, Medikamente, Zeitungen sowie Zeitschriften und Bücher. Die 1941 festgelegten Steuersätze von 3% für Engroslieferungen und 2% für Detaillieferungen wurden in der Folge mehrmals erhöht; ab dem 1. Oktober 1982 machte die auf dem Entgelt berechnete Warenumsatzsteuer 9,3% bzw. 6,2% aus. Auf den 1. Januar 1995 wurde die Warenumsatzsteuer durch die Mehrwertsteuer (MWSt) abgelöst. Nach dem Muster der Warenumsatzsteuer wurde 1942-1958 ferner die Luxussteuer erhoben. Diese erfasste die Einfuhr und den Inlandumsatz von Schaumweinen, Filmen, kosmetischen Artikeln, Teppichen, Pelzen, Schmuck, Uhren, Fotoapparaten, Plattenspielern, Schallplatten sowie Radios und warf insgesamt einen Ertrag von 285 Mio. Franken ab.

Quellen und Literatur

  • W. Wellauer, Die eidg. Warenumsatzsteuer, 1959
  • H. Oechslin, Die Entwicklung des Bundessteuersystems der Schweiz von 1848 bis 1966, 1967
  • D. Metzger, Hb. der Warenumsatzsteuer, 1983
Weblinks

Zitiervorschlag

Conrad Stockar: "Warenumsatzsteuer (Wust)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 23.08.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/013770/2013-08-23/, konsultiert am 13.04.2024.