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Konsumentenpreisindex

Als K. wird ein statist. Messwert bezeichnet, der die Preisentwicklung der von privaten Haushalten konsumierten bedeutsamen Waren und Dienstleistungen auf übersichtl. Art verdichtet. Er beruht auf den drei Elementen Warenkorb, Erhebungssystem und Berechnungsmethode.

Lokale Preisnotierungen sind seit Jahrhunderten bekannt; auf schweiz. Ebene werden Preise aber erst seit Anfang des 20. Jh. nach einheitl. Grundsätzen regelmässig veröffentlicht. Weil eine überzeugende Zusammenfassung fehlte, führte die Interpretation der Reihen dauernd zu Konflikten. Angesichts der ausserordentl. Teuerung im 1. Weltkrieg (Inflation) veröffentlichte der Verband Schweiz. Konsumvereine (VSK, heute Coop) im April 1915 erstmals einen von Jacob Lorenz eingerichteten period. K. Dieser wies die Teuerung als "Verbrauchskostenmasse einer Normalfamilie in Franken" aus. Dem VSK folgten die statist. Ämter Bern (1918), Zürich (1921) und Basel (1921), der Zentralverband schweiz. Arbeitgeber-Organisationen (1920) sowie das Eidg. Arbeitsamt (1922). Wegen unterschiedl. Basisjahre, Warenkörbe, geogr. Reichweiten, Methoden usw. wichen diese Konsumentenpreisindizes erheblich voneinander ab, so dass die Konflikte um die Interpretation anhielten.

Landesindex der Konsumentenpreise 1914-2005 (Jahresdurchschnitte)
Landesindex der Konsumentenpreise 1914-2005 (Jahresdurchschnitte) […]

Der sog. Indexkrieg erschwerte v.a. die Beilegung von Lohnkonflikten, weshalb das Eidg. Arbeitsamt Unternehmerverbände, Gewerkschaften, statist. Ämter, Bundesorgane und Experten 1923 und 1925 zu Konferenzen versammelte, die den sog. Verständigungsindex, den heutigen Landesindex der Konsumentenpreise (LIK), verabschiedeten. Dieser wurde ab Jan. 1926 monatlich publiziert, zuerst unter Verantwortung des Eidg. Arbeitsamts bzw. des Bundesamts für Industrie, Gewerbe und Arbeit, dann seit 1987 des Bundesamts für Statistik. Obwohl er bis 1955 Landesindex der Kosten der Lebenshaltung hiess, war er immer ein Preis-, nie ein Lebenshaltungskostenindex.

Als Grundlage des LIK dient ein Warenkorb, basierend auf zuerst gelegentlich, seit 1942 auf kontinuierlich durchgeführten Haushaltungsrechnungen. Veränderte Markt-, Sortiments- und Konsumstrukturen erforderten mehrere Anpassungen. Seit 2000 wird der K. bei jährl. Anpassung und Neugewichtung des Warenkorbs bei 4'000 Haushalten erhoben. Die Preisnotierungen kamen ursprünglich aus 34 Städten und grösseren Orten, heute aus 16 Erhebungsregionen mit ca. 3'000 Verkaufsstellen. Massgebend sind gängige Produkte, die in Qualität, Ausführung und Ausstattung eine gewisse Kontinuität aufweisen. Monatlich erfasst werden Endverkaufspreise und Tarife. 1926 fanden 28 Positionen bei den Nahrungsmitteln, acht bei Brennstoffen und Seife sowie ca. 30 bei den methodisch anders behandelten Kleidern Berücksichtigung. Für Mieten galten anfänglich mehrstufige Verfahren, heute eine Zufallsstichprobe von 5'000 Wohnungen. Der LIK 2000 basierte auf über 1'000 Erhebungspositionen.

Der LIK findet in unterschiedlichsten Bereichen Anwendung: Beurteilung der Wirtschaftslage (z.B. Inflation), Indexierung von Löhnen (Preis- und Lohnpolitik), Renten und anderen Geldwerten, Bestimmung des realen Wirtschaftswachstums, der realen Umsatz- und Lohnentwicklung, usw. Weil dabei erhebl. Interessen (z.B. Teuerungsausgleich) auf dem Spiel stehen, war der LIK v.a. in Zeiten starken Anstiegs oder Rückgangs heftig umstritten.

Quellen und Literatur

  • Sozialstatist. Mitt., 1926-27
  • Wirtschaftl. und sozialstatist. Mitt., 1928-31
  • Die Volkswirtschaft, 1932-
  • Reallöhne schweiz. Industriearbeiter von 1890-1914, Bd. 4, Ms., 1981
  • S. Barmettler, Der Landesindex der Konsumentenpreise als Gegenstand und Ausdruck sozialer Verständigung im Zeitalter des Ersten Weltkrieges, Liz. Zürich, 1985
  • P. Balastèr, Konsumentenpreisindizes, 1990