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Hülsenfrüchte

Unter den artenreichen Hülsenfrüchten (Leguminosen, Hülsenfrüchtler) wurden die heute bekannten zahlreichen Sorten der Busch- und Stangenbohnen spätestens im 16. Jahrhundert aus Amerika nach Europa eingeführt (Welschbohnen 1563) und in der Schweiz auf Pflanzland (Pünten) angebaut (Gartenbau). Ursprünglich waren in Europa nur wenige Arten von Hülsenfrüchten bekannt. Diese aber kamen sogar in alpinen bronzezeitlichen Siedlungen wie Savognin-Padnal vor. Die Sorten der Alten Welt sind – anders als die der Neuen – frostresistent und ab Februar bzw. März anbaubar. Dazu zählen Acker- (Vicia faba minor) bzw. Puffbohnen (Vicia faba maior), besser bekannt unter dem Namen Pferde- oder Saubohnen, und vor allem verschiedene Arten von Erbsen (Pisum sativum), Linsen (Lens culinaris) und Wicken (Vicia sativa).

Werbeplakat für Erbsenkonserven der Firma Hero in Lenzburg, 1958 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
Werbeplakat für Erbsenkonserven der Firma Hero in Lenzburg, 1958 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). […]

Hülsenfrüchte waren als bedeutendste pflanzliche Eiweisslieferanten seit dem Neolithikum eine wichtige Ergänzung zur Getreidenahrung. Sie wurden mittels Dörren lager- und transportfähig gemacht und meist zu Suppen und Brei (Mues) verkocht. In stark bevölkerten Regionen, etwa in den Heimindustrie betreibenden Dörfern am Zürichsee, entwickelten sich die nahrhaften Hülsenfrüchte ab dem 17. Jahrhundert und besonders während Erntekrisen im Getreidebau zunehmend zum Brotersatz. Man baute sie sowohl auf der Brache wie auch auf der Sommerzelg an, wo sie zum Teil den Hafer verdrängten. Da sich Hülsenfrüchte dank stickstoffhaltiger Wurzelknöllchen vorzüglich zur Gründüngung eignen, wurden sie bald in den regulären Fruchtwechsel eingebunden. Meist kamen sie als Mischkorn unter dem Sammelbegriff Fasmus (Schmalsaat) aufs Feld, und zwar als Mischung von Erbsen, Linsen oder Wicken zusammen mit Gerste, Hirse oder Einkorn, seltener auch als Reinsaat. Im 18. Jahrhundert ergänzten als Dünger und Futtermittel verwendete verwandte Kleearten das Anbauprogramm der Brache.

Mit dem Erfolg der Kartoffel im 19. Jahrhundert verloren die Hülsenfrüchte in der Schweiz an Bedeutung. Die Rationierung während des Zweiten Weltkrieges und das spätere Aufkommen gesundheitsbewusster Reformkost brachten aber eine Trendwende. Neue Konservierungsmethoden (Büchsenkonserven, Tiefkühlprodukte) liessen den Anbau von Drescherbsen (ab 1947) und Maschinenbohnen auf durchschnittlich ein Drittel (1969 39%, 1980 28%) des Gemüsebaus anschwellen. Ab den 1980er Jahren wurden vermehrt Ackerbohnen und Erbsen als eiweissreiche Futtermittelzusätze sowie Sojabohnen als Öllieferanten angebaut.

Quellen und Literatur

  • C. Pfister, Klimagesch. der Schweiz 1525-1860, Bd. 2, 1984 (31988)
  • Statist. Erhebungen und Schätzungen über Landwirtschaft und Ernährung, 1985-97
  • S. Jacomet et al., «Ackerbau und Sammelwirtschaft während der Bronze- und Eisenzeit in den östl. Schweizer Alpen – vorläufige Ergebnisse», in Prähist. Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft in den Alpen, hg. von P. Della Casa, 1999, 231-244
Weblinks

Zitiervorschlag

Markus Mattmüller; Stefanie Jacomet: "Hülsenfrüchte", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.02.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/013940/2011-02-03/, konsultiert am 18.07.2024.