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Tabak

Der Tabak, ein Nachtschattengewächs, wurde nach 1492 von Kolumbus aus Amerika nach Europa gebracht. In der Schweiz 1560 als Zierpflanze erwähnt, wurde der Tabak durch Zucht dem Klima des schweizerischen Flachlands angepasst und um 1680 bei Basel und im Tessin angepflanzt. Das Tabakrauchen und -schnupfen verbreitete sich allmählich in der Schweiz. Bern, das den Tabakkonsum 1659 erfolglos verboten hatte, entschied sich 1719, den Tabakanbau in der Broyeebene zu fördern, und 1723, den Tabak durch ein obligatorisches Patent der Tabakkammer vor Importen zu schützen. 1726 gründeten Bürger von Payerne die ersten Tabakbetriebe, -fabriken und -läden, um den Inlandmarkt zu versorgen und Schweizer Tabak zu exportieren.

Frauen und Kinder erlesen in einem Walliser Unternehmen im Rhonetal Tabakblätter, 1941 (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne, Foto Presse-Diffusion).
Frauen und Kinder erlesen in einem Walliser Unternehmen im Rhonetal Tabakblätter, 1941 (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne, Foto Presse-Diffusion).

Kleinen Bauernbetrieben bot der arbeitsintensive Tabakanbau dank des Einsatzes sämtlicher Familienmitglieder anfänglich ein Auskommen, ohne dass grosse Infrastrukturen und Maschinen angeschafft werden mussten. Nach zwei Jahren mit Überproduktion (1926 und 1929) und wegen der ungenügenden Trocknung der Tabakblätter schlossen sich die Tabakabnehmer 1930 zur Einkaufsgenossenschaft für Inlandtabak (Société coopérative pour l'achat du tabac indigène, Sota) zusammen. Die Sota, der 1937 65 Fabrikanten aus der ganzen Schweiz angehörten, kontrollierte die Produktion, die Trocknung und den Preis des Tabaks. Sie finanzierte den Bau von Tabakscheunen zum Trocknen der Blätter, investierte in die Forschung, insbesondere durch die Schaffung eines Lehrstuhls für Botanik an der ETH Zürich 1937, und arbeitete mit der eidgenössischen Forschungsstation Mont-Calme in Lausanne sowie mit regionalen Fachkommissionen zusammen. 4075 Tabakbauern vereinigten sich 1937 im Verband schweizerischer Tabakpflanzer. Die Sota und der Verband schweizerischer Tabakpflanzer trafen 1938 ein seither mehrmals erneuertes Übereinkommen, das die beiden Gesellschaften als alleinige Handelspartner festlegte. Verkäufer und Produzenten kontrollierten so den Markt, die Erträge entsprachen der Nachfrage der Fabrikanten. Während des Zweiten Weltkriegs stützte ein Kartellvertrag die Preise und sicherte den Warenfluss. Das Bundesamt für Landwirtschaft schloss den Tabak wegen der hohen Einkünfte, die er den Kleinbauern brachte, in den Plan Wahlen ein. Zwischen 1939 und 1946 verdoppelte sich die Anbaufläche von 770 ha auf 1472 ha, die von über 6000 Pflanzern bewirtschaftet wurden. Aus dem dunklen Tabak wurden 1944 40% des in der Schweiz konsumierten Pfeifentabaks und über 1,3 Mrd. Zigaretten hergestellt. 1945 deckte die einheimische Produktion 24% des Bedarfs der Schweizer Raucher. Nach dem Krieg nahmen die Importe wieder zu und der Schweizer Tabak verlor zugunsten von leichteren ausländischen Tabaksorten an Boden.

In der Schweiz wird der luftgetrocknete Burley und seit 1992 auch der im Ofen heissluftgetrocknete Virginia hergestellt. Beide Tabake machten 2010 weniger als ein Prozent des landesweiten Konsums aus. Im Verband schweizerischer Tabakpflanzer, der seit 2001 SwissTabac heisst, waren 2012 fünf Pflanzervereinigungen aus den Hauptanbaugebieten (Waadtländer und Freiburger Broyetal, wo 2012 zwei Drittel des Schweizer Tabaks wuchsen, Rhoneebene, Jura, Ostschweiz und die Region Luzern-Aargau) zusammengeschlossen. Im Mendrisiotto wird nicht mehr produziert.

Aus dem Tabakgeschäft flossen 1922 12 Mio. Franken, 1945 rund 58 Mio. Franken in die Staatskasse. Die Erträge aus der Tabaksteuer, die der Finanzierung von AHV und IV dienen, beliefen sich 2010 auf 2,25 Mrd. Franken. Die Anbaufläche nahm von 1100 ha 1960 auf 653 ha 2001 ab; 2011 betrug sie 517 ha. Zählte die Schweiz 1978 rund 1200 Tabakbauern, waren es 2001 noch 357 und 2011 noch 209. Gründe dafür waren die sinkende Beliebtheit des dunklen Tabaks, die Abschaffung der Zollgebühren auf importierten Tabak 1969 und die Streichung der Subventionen 1992, die aber durch einen privaten, von den Importeuren und Fabrikanten gespeisten und von der Sota verwalteten Fonds ersetzt wurden. Ferner trugen dazu die seit den 1990er Jahren geführten Antitabakkampagnen bei. Seit 1998 besteht eine eidgenössische Kommission für Tabakprävention, 2008 wurde das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen angenommen. Die Zigarren-, Stumpen- und Zigarettenfabriken wie Fivaz, Frossard, Burrus, Vautier, Rinsoz, Ormond, Wuhrmann und Brissago wurden grösstenteils aufgekauft, nur Burger Söhne und Villiger sind eigenständig geblieben.

Quellen und Literatur

  • Chuard, Jean-Pierre: Le 250e anniversaire de la culture du tabac en pays romand, 1719-1969, 1972.
  • Merz, Susi (Hg.): Tabak- und Zigarrenmuseum aargauSüd, 2002.
  • Steigmeier, Andreas: Blauer Dunst: Zigarren aus der Schweiz, gestern und heute, 2002.
  • Heege, Andreas: «„Pipe de fer et de letton“ – Tabakpfeifen aus Eisen und Buntmetall. Zum Stand der Forschung in der Schweiz», in: Knasterkopf. Fachzeitschrift für Tonpfeifen und historischen Tabakgenuss, 20, 2009, S. 19-55.
  • Croci, Andrea: L'industrie du tabac dans le Mendrisiotto, Masterarbeit, Freiburg, 2011.
  • Heege, Andreas: «Rauchzeichen über Helvetien. Zum Stand der Tonpfeifenforschung in der Schweiz unter besonderer Berücksichtigung des Kantons Bern», in: Journal of the Academie internationale de la Pipe, 4, 2011, S. 45-68.
  • Duruz, Céline: La tabaculture dans la vallée de la Broye (1937-1946), 2011.
Weblinks

Zitiervorschlag

Céline Duruz: "Tabak", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.02.2014, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/014001/2014-02-18/, konsultiert am 29.06.2022.