de fr it

Kiosk

Der Zeitungskiosk von 1900, der architektonisch gesehen zu diesem Zeitpunkt als meist hölzerner, orientalisierender Jugendstil-Pavillon mit der typisch grünen Zwiebelkuppel zur vollen Blüte gelangte, weist - mit seinen späteren baulichen Varianten - zwei Traditionslinien auf. Zum einen geht der K. (der Begriff stammt aus dem Türkischen) auf den gleichnamigen, allseitig offenen Pavillon zurück, wie er schon im osman. Reich zu finden war. Ein Beispiel dafür war der nur bildlich überlieferte Teepavillon des Württemberger Hofes in Basel. Eine andere Wurzel des K.s bilden europäische, funktionale Bauten wie Devotionalienstände vor Wallfahrtskirchen und Kaufbuden auf städt. Plätzen oder polit. und patriot. Monumente (Polizeiwachen und Gabentempel der Schützenfeste im 19. Jh.). Ab dem 19. Jh. entwickelte sich der K. zum Verkaufsstand für Zeitungen, Tabakwaren oder Blumen.

Zusammen mit anderen Kleinbauten wie Denkmälern, Musikpavillons, Wetterstationen, Panoramatafeln, Plakatsäulen und Telefonkabinen gehört der K. zu den städt. Platz- und Grünanlagen. Er ist, mit Brunnenstuben, Transformatorentürmchen und Telefonkabinen, das architekton. Zeichen unsichtbarer Nachrichten- und Versorgungsnetze. Fast alle diese Kleinstbauten wurden durch grössere Funktionskombinationen ersetzt, 1910-60 besonders durch Tramwartehallen mit Fahrkartenverkauf und Toiletten (etwa die Place Saint-François in Lausanne und das Bellevue in Zürich). Während um 1900 der Jugendstil mit Eisen- und Glaskonstruktionen vorherrschend war, kamen 1910-30 neoklassizist. Steintempelchen auf, die später mit ausladenden, den Tramgleisen folgenden Betondächern versehen wurden. Der Andenkenkiosk des Alpentourismus wurde bis zum 2. Weltkrieg oft in Gestalt von Schweizer Chalets errichtet. Seit 1950 entwickeln sich die K.e zunehmend zu Selbstbedienungsläden, die in Einkaufszentren von Bahnhöfen, Flughäfen und Tankstellen integriert sind.

Quellen und Literatur

  • INSA
  • C. Bauer, J. Capol, Kleinbauten der Stadt Zürich, 1995