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Management

Die Entwicklung des modernen M. (auch Unternehmensführung genannt) war bedingt durch die tiefgreifenden Veränderungen in den Industrie- und Handelsunternehmen der westl. Welt an der Wende vom 19. zum 20. Jh. Die theoret. und prakt. Neuerungen in den unterschiedlichsten Bereichen wie Verwaltung und Organisation der Unternehmen oder Schulung und Betreuung des Personals wurden in den USA und in Europa gleichzeitig entwickelt.

Praktiken, die sich im Lauf der Bürokratisierung der Unternehmensführung in Deutschland durchgesetzt hatten und hauptsächlich die Modernisierung der Buchhaltung betrafen, verbreitete sich in der Schweiz ab den 1880er Jahren. In der Zwischenkriegszeit befolgten die Schweizer Unternehmen zunehmend die Maximen des in den USA entstandenen Taylorismus. Mit dieser ersten Amerikanisierungswelle im Bereich der Produktionsmethoden bürgerte sich der Begriff der wissenschaftl. Betriebsführung (scientific management) ein, der demjenigen des M. vorausging. In einer ersten, rund zehnjährigen Experimentierphase machten sich die Schweizer Unternehmen mit der Theorie der modernen Leitung von Produktionsstätten vertraut, während neu gegr. Vereine sich zum Ziel setzten, die prakt. Anwendung der Prinzipien von Taylorismus und Fordismus zu verbreiten und zu fördern. Den Siegeszug des Taylorismus in der Schweiz belegt auch die Eröffnung des betriebswirtschaftl. Instituts der ETH Zürich 1929. Das Institut genoss von Beginn weg die Unterstützung der grossen Unternehmen und behauptete sich als dynam. Ort der Forschung und der Anwendung von Methoden der Unternehmensführung. Zudem ist die Entwicklung des M. in der Schweiz eng mit der Verbreitung der Methoden der sog. Psychotechnik, der angewandten Psychologie zur Schulung, Auswahl und Betreuung der Arbeitskräfte, verknüpft.

Das Werk des Waadtländer Ingenieurs Alfred Carrard (1889-1948), Initiant der Schweiz. Stiftung für Psychotechnik (1927) und Leiter des 1930 gegr. Institut psychotechnique de Lausanne, bildet eine Synthese der versch. Strömungen, die auf eine wissenschaftl. Betriebsführung abzielen. In "Le chef, sa formation et sa tâche" (1932, zahlreiche Neuauflagen; dt. "Die Erziehung zum Führer" 1935) entwickelte er eine Methode der Kaderschulung, die von einem charismat. Bild des Chefs geprägt und von korporatist. Idealen durchdrungen ist. Seine auf Hierarchie und Autorität basierende "Psychologie der Führung" setzte die Lenkung eines Unternehmens mit jener der Familie, der Armee oder der Nation gleich. Diese Methode fand nicht nur in der Schweiz beträchtl. Echo, sondern auch in Frankreich, wo Carrard als einer der Wegbereiter der Arbeitspsychologie gilt. Der Begriff des M. setzte sich nach dem 2. Weltkrieg, im Zug einer Welle der Rezeption weiterer amerikan. Führungsmodelle, durch. Gleichzeitig fand eine breitere Fächerung der Managementmethoden statt. Unternehmensführung und Kaderschulung fanden ihren festen Platz im Betriebswirtschaftsstudium der Hochschulen während in Genf (Centre d'études industrielles, 1946) sowie in Lausanne (Institut pour l'étude des méthodes de direction de l'entreprise, 1957) auf Initiative von schweiz. und ausländ. multinationalen Unternehmen (Alcan, Nestlé) die ersten business schools nach amerikan. Vorbild gegründet wurden. Diese beiden Institutionen fusionierten 1990 zum heutigen International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne, einer Kaderschmiede von weltweitem Renommee. Auf internat. Ebene profilierte sich auch die Hochschule St. Gallen (ab 1995 Univ.). Hier entwickelten Hans Ulrich und Walter Krieg ihr von der Systemtheorie ausgehendes, berühmtes Managementmodell ("Das St. Galler Management-Modell" 1972). Dieses zwischen 1998 und 2002 vollständig erneuerte Modell findet vorwiegend im Bereich der Weiterbildung, hauptsächlich im deutschsprachigen Raum Verwendung. Das 1973 auf Ulrichs Initiative hin gegr. Management Zentrum wurde 1984 von der Hochschule abgetrennt und privatisiert (seit 2004 Malik Management Zentrum St. Gallen).

Quellen und Literatur

  • R. Jaun, M. und Arbeiterschaft, 1986
  • A. Pförtner, Unternehmenskultur und Amerikanisierung, Liz. Bern, 1996
  • M. Leimgruber, Taylorisme et m. en Suisse romande: (1917-1950), 2001