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JosephineFallscheer-Zürcher

Josephine Fallscheer-Zürcher im Spital in Urfa, 1897 (Zentralbibliothek Zürich, Ms. Z II 124).
Josephine Fallscheer-Zürcher im Spital in Urfa, 1897 (Zentralbibliothek Zürich, Ms. Z II 124). […]

1.10.1866 Zürich, 10.7.1932 Stuttgart, reformiert, bis 1899 von Zürich. Tochter des Eduard Zürcher, Reisläufers und Hauswarts am Zürcher Polytechnikum, und der Barbara geborene Hirt. 1899 Heinrich Fallscheer, Deutscher. Als Halbwaise vier Jahre im Zürcher Waisenhaus. Lehrerinnenseminar (spätere Höhere Töchterschule), ab 1886-1891 Studium der Medizin an der Universität Zürich, 1894 Doktorat beim Psychiater Auguste Forel über Jeanne d'Arc. Ab 1895 arbeitete Josephine Fallscheer bei Dresden in der Dr.-Lahmann-Klinik. Hier engagierte sie der Theologe Johannes Lepsius für sein Armenierhilfswerk (spätere Deutsche Orient-Mission). In seinem Auftrag gründete sie 1897 – als eine der ersten Ärztinnen im osmanischen Reich – ein von Schweizer Personal bis 1922 weitergeführtes Spital in Urfa (heute Türkei). Mangels Bewilligung musste sie diese Tätigkeit aufgeben und arbeitete dann als Ärztin im Auftrag der Missionsgesellschaft American Board. 1899 liess sie sich zusammen mit ihrem Mann in Aleppo (heute Syrien) nieder, wo sie die Clinique et Pharmacie Allemande eröffneten, die 1904 wegen fehlender Erlaubnis geschlossen werden musste. Nach einem Zwischenjahr im Missionsspital des deutschen Hülfsbundes für christliches Liebeswerk in Marasch (heute Türkei) zog Fallscheer-Zürcher nach Haifa. Ihr Mann war hier in der Deutschen Palästina-Bank tätig. Fallscheer-Zürcher arbeitete als Ärztin in den Dörfern rund um Haifa, als Hausärztin der Bahai-Gemeinde in Haifa und als Tierärztin. Sie verfasste Aufsätze zu medizinischen, ethnologischen und weltanschaulichen Themen, unter anderem eine Entgegnung auf einen biologistischen Artikel Forels. Mit Ausnahme der Jahre 1917-1921 und 1930-1932 lebte Fallscheer-Zürcher in Palästina.

Quellen und Literatur

  • «Die türk. Provinzialhebamme», in Ergänzungsh. zur Allg. Dt. Hebammen-Ztg., 1910
  • «Reiseerinnerungen einer Schweizer Ärztin», in Hygieiea 3-5, 1932
  • ZBZ, Nachlass
  • U. Frutiger, Ärztin im Orient, auch wenn's dem Sultan nicht gefällt, 1987
  • G. Sdun-Fallscheer, Jahre des Lebens, 1989
  • H.-L. Kieser, Der verpasste Friede, 2000, 164, 191-193, 235 f., 238, 250
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Kurzinformationen
Variante(n)
Josephine Fallscheer (Ehename)
Josephine Zürcher (Taufname)
Lebensdaten ∗︎ 1.10.1866 ✝︎ 10.7.1932

Zitiervorschlag

Hans-Lukas Kieser: "Fallscheer-Zürcher, Josephine", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.11.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/014351/2004-11-15/, konsultiert am 29.11.2022.