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DieboldSchilling

Der Chronist überreicht dem Rat von Luzern sein Werk. Miniatur auf den ersten Seiten der Luzerner Chronik, die 1513 beendet wurde (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Eigentum Korporation Luzern).
Der Chronist überreicht dem Rat von Luzern sein Werk. Miniatur auf den ersten Seiten der Luzerner Chronik, die 1513 beendet wurde (Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Sondersammlung, Eigentum Korporation Luzern). […]

vor 1460 vermutlich Hagenau (Elsass), 3.11.1515 (?) Luzern. Aus einer nordwestschweizerischen Schreiber- und Chronistendynastie. Sohn des Johannes (->). Neffe des Diebold (->). Seine erste Schulbildung erhielt Diebold Schilling wohl in Hagenau, wo sein Vater noch 1467 tätig war. Vermutlich studierte er in Pavia. 1476-1477 beteiligte er sich am Kriegszug nach Nancy. Seine ungezügelte Lebensweise trug Schilling in Luzern Gefangennahme und Prozesse ein. Spätestens 1481 wurde er Priester. Auch ist er als öffentlicher Notar bezeugt. An der Stanser Tagsatzung von 1481 nahm Schilling als Begleiter seines Vaters teil. Die Räte übertrugen ihm 1483 und 1496 Pfründen an der Peterskapelle und 1483 die Laienpfründe am Stift im Hof. Daraus hatte Schilling den Unterhalt der elterlichen Familie zu bestreiten. Ab 1497 stand er als Dolmetscher, dann als Agent und Geheimberichterstatter im Dienst des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza. 1507 lud der spätere Kaiser Maximilian I. den kaiserlichen Parteigänger Schilling an den Reichstag in Konstanz ein. 1512-1515 agierte Schilling erneut für die Sforza in Mailand.

Schilling schuf eine 1513 vollendete Luzerner Bilderchronik. Sie bietet die Luzerner Frühgeschichte und vom Sempacherkrieg (1386) an die Bundesgeschichte. Von den Burgunderkriegen (1474-1477) an erzählt sie vom zeitweise hochgehenden Gewoge zwischen den eidgenössischen Parteien, die sich an den Interessen der Nachbarstaaten orientierten. Nach einer Hypothese von Peter Rück ist die Chronik ein unvollendetes Werk, d.h. der zweite Band einer von Schilling ursprünglich auf drei Bände angelegten Chronik der Eidgenossenschaft, die wesentlich durch Maximilian I. geprägt wurde. Sie sei aus zwei Arbeiten Schillings zusammengesetzt, nämlich einem Erfahrungsbericht als kaiserlicher Agent und einer 1509 vom Luzerner Rat und eventuell von Maximilian I. in Auftrag gegebenen eidgenössischen Bilderchronik. Mit ihr habe Schilling die Chronik Petermann Etterlins revidieren, die Zentralschweiz gegenüber der burgundischen Schweiz aufwerten und die Eidgenossenschaft wieder in den habsburgisch-kaiserlichen Einflussbereich einbinden wollen.

Schilling zeichnete einen grossen Teil der Bilder selbst (Hand A). Diese gelten im Vergleich mit den von einer bisher nicht identifizierten Hand B geschaffenen als die qualitätsvolleren. Sie zeichnen sich aus durch eine lebendige und unmittelbare Bildaussage und sind als Einblick in das Leben wie auch als Zeugnis ihrer Zeit einmalig.

Quellen und Literatur

  • Trutzgedicht gegen Sebastian Brandts Angriff auf die Eidgenossenschaft, 1502, (nicht erhalten)
  • Die Schweizer Bilderchronik des Luzerners Diebold Schilling, 1513 (hg. von A.A. Schmid, 1981)
  • Luzerner Bilderchronik 1513 (bearb. von R. Durrer, P. Hilber, 1932)
  • Feller/Bonjour, Geschichtsschreibung 1, 66-71
  • P. Rück, «Kanzlei und Chronistik in der spätma. Schweiz», in Cancelleria e cultura nel Medio Evo, hg. von G. Gualdo, 1990, 129-136
  • VL 8, 673-675
  • K. Wanner, «Schreiber, Chronisten und Frühhumanisten in der Luzerner Stadtkanzlei des 15. Jh.», in JHGL 18, 2000, 2-44
Weblinks
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GND
VIAF

Zitiervorschlag

Fritz Glauser: "Schilling, Diebold", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.08.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/014484/2011-08-03/, konsultiert am 03.12.2022.