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Bagnes

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Wallis, Bezirk Entremont, 2021 mit Vollèges zur Gemeinde Val de Bagnes fusioniert, die an das Aostatal angrenzt. Bagnes umfasste den Hauptort Le Châble sowie mehrere Dörfer und Weiler, darunter Villette, Bruson und Verbier. Mit 28'221 ha war Bagnes lange Zeit flächenmässig die grösste Gemeinde der Schweiz. Ihr Name bezeichnete das in etwa dem Val de Bagnes entsprechende Gemeindegebiet, nicht aber eine Ortschaft. 1150 Banie, deutsch früher Bangis. 1850 4278 Einwohner; 1900 4127; 1950 3609; 2000 6536; 2010 7726; 2020 8238.

Bagnes: Situationskarte 2020 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2021 HLS.
Bagnes: Situationskarte 2020 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2021 HLS.

Bagnes war vor 1150 Besitz der Savoyer, kam dann zur Abtei Saint-Maurice und gehört seit 1798 zum Bezirk Entremont. Die erstmals 1287 erwähnte, vermutlich 1476 zerstörte Burg Verbier schützte Bagnes. Politisch war die Gemeinde bis 1957 ein Verband von Dörfern, die Quartiere oder Sektionen genannt wurden; die Gemeinderäte vertraten bis 1971 ihre Sektionen.

Verbier und der Mont Gelé. Luftaufnahme vom Sommer 1985 (Michel Darbellay, Mediathek Wallis, Martigny).
Verbier und der Mont Gelé. Luftaufnahme vom Sommer 1985 (Michel Darbellay, Mediathek Wallis, Martigny). […]

Im gesamten 19. Jahrhundert befehdeten sich die Radikalen und Konservativen heftig. So kam es 1844 zum blutigen Konflikt von Corberaye, wo drei Konservative getötet wurden. Die Radikalen von Bagnes hatten zwar gesiegt, doch kamen die Konservativen des Bezirks ihren Parteifreunden zu Hilfe und diese dadurch wieder an die Macht. Eine Folge dieser politischen Zwietracht war 1900 die Gründung der liberal-radikalen Freien Schule, an der es keinen Religionsunterricht gab; sie blieb bis 1943 bestehen. Die Pfarrei ist erstmals 1178 erwähnt (Kirche Saint-Maurice in Le Châble). Die 1686 errichtete Kaplanei Verbier wurde 1915 Rektorat, 1962 Pfarrei. Weitere Kapellen stehen in Montagnier (14. Jh.), Sarreyer (nach 1639), Lourtier (1659), Vernays (1661), Médières (1679), Champsec und Versegères (1684). Die Gemeinde litt unter häufigen Naturkatastrophen, vor allem unter den Überschwemmungen der Dranse, so 1469, 1595 und besonders verheerend 1818 (Katastrophe von Giétro). Einige Silberbergwerke wurden zeitweise zwischen 1344 und 1723, dann wieder 1852-1855 ausgebeutet. Der Lac de Mauvoisin (Stausee, 1958) und der Massentourismus haben Bagnes seit der Mitte des 20. Jahrhunderts entscheidend verändert. Während früher vor allem Land- und Alpwirtschaft betrieben wurde, dominiert heute der Dienstleistungssektor.

Quellen und Literatur

  • Berthoud, Gérald: «Anthropologie de la marginalité. Bagnes au 19e siècle», in: Alliance culturelle romande (Hg.): La parole est aux historiens. La Suisse romande de 1900 à nos jours, 1977, S. 80-86 (Cahier / Alliance culturelle romande, 23).
  • Fellay, Christine: La commune de Bagnes (1814-1857), Lizentiatsarbeit, Universität Genf, 1980.
  • Guindani, Silvio; Kessler, Nicole; Gautschi, Sébastien: Espace, société et territoire. La commune de Bagnes, 1992.
  • Deslarzes-May, Sandra: L'Ecole libre de Bagnes, 1900-1943, 1998.
  • Deslarzes-May, Sandra; Payot, Christine; Deslarzes, Bertrand: Bagnes imaginée, Bagnes vécue, 1150-2000, 2000 (Ausstellungskatalog).
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1150: Banie
Endonyme/Exonyme
Bangis (deutsch nicht mehr gebräuchlich)

Zitiervorschlag

Gabbud, Jean-Yves: "Bagnes", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21.07.2021, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/015036/2021-07-21/, konsultiert am 24.10.2021.