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FranchinoRusca

Erstmals erwähnt 1419, März 1466, aus Como. Sohn des Giovanni. Graf. Beatrice Casati, Tochter des Francesco, aus Mailand. 1419 erbte Franchino Rusca nach dem Tod des mit ihm verwandten Loterio (->) einen Teil der Grafschaft Lugano und die Pieven Riva San Vitale und Balerna. Diese Lehen wurden 1434 jedoch von Filippo Maria Visconti eingezogen und Aloisio Sanseverino als Lehensträger eingesetzt, während Rusca nur den Grafentitel beibehielt. Als Ersatz für den Landverlust im Sottoceneri belehnte ihn Visconti mit der Pieve Valtravaglia und 1438 mit Arona. Im Tausch mit dem Lehen Arona erhielt Rusca vom Herzog im September 1439 die Pieve Locarno, die bis zum Beginn der eidgenössischen Herrschaft 1513 von der einflussreichen Familie Rusca kontrolliert wurde.

Nach dem Tod von Aloisio Sanseverino und Filippo Maria Visconti und der Ausrufung der ambrosianischen Republik 1447 versuchte Rusca, die Staatsumwälzung und die Schwäche der republikanischen Regierung auszunutzen, um die Lehen im Sottoceneri und die Herrschaft über die seiner Familie 1416 entzogene Stadt Como zurückzuerlangen. Rusca sicherte sich ab, indem er sich am 5. Oktober 1448 von Kaiser Friedrich III. die Herrschaft über das Locarnese, Brissago, das Valtravaglia, das Luganese, Riva San Vitale, Mendrisio und Balerna als Reichslehen bestätigen liess, und drang darauf im November 1448 mit seinen Truppen ins Sottoceneri ein. Trotz seiner Bündnisse mit dem Grafen Heinrich von Sax, Herrn von Misox, und den Urnern, die er als Söldner angeworben hatte, um die Festung Bellinzona einzunehmen, scheiterten seine ehrgeizigen Rückeroberungspläne. Bellinzona schlug den Angriff zurück, und Rusca, dem es nicht gelang, nach Como vorzustossen, traf auf die Gegenoffensive der von Giovanni della Noce angeführten republikanischen Truppen. Nach einem Gefecht mit Ruscas Truppen in Chiasso eroberte della Noce die südlich des Monte Ceneri gelegenen Gebiete und Festungen zurück und erreichte Locarno. Hier nahm er dank der Unterstützung einiger Capitanei, die sich der Herrschaft der Rusca entledigen wollten, blutige Vergeltung. Die Urner Söldnertruppen erlitten schliesslich am 6. Juli 1449 in der Schlacht bei Castione eine vernichtende Niederlage. Der militärische Umschwung trieb Rusca ins Lager von Francesco Sforza, der sich einige Monate später in Mailand durchsetzte und nun Ruscas Lehen im Locarnese, im Val d'Intelvi und am Luganersee (Osteno, Cima), nicht aber in den anderen Gebieten des Luganese bestätigte. Dem draufgängerischen Condottiere Rusca gelang es mit wechselndem militärischen und politischen Glück, die Macht seines Geschlechts, die im Comaskischen schon im Niedergang begriffen war, in grossen Teilen der Gebiete südlich der Alpen, die im Einflussbereich des Herzogtum Mailands lagen, zeitweise zu festigen, bevor auch dort ihr Einfluss schwand.

Quellen und Literatur

  • BSSI, 1895, 1-7, 33-41, 65-70, 97-101, 153-159; 1979, 153-202
  • Il Medioevo nelle carte, hg. von G. Chiesi, 1991, 222-224
  • Ticino ducale I/1-3
Weblinks
Kurzinformationen
Familiäre Zugehörigkeit
Lebensdaten Ersterwähnung 1419 ✝︎ März 1466

Zitiervorschlag

Giuseppe Chiesi: "Rusca, Franchino", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.05.2010, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/015416/2010-05-20/, konsultiert am 06.02.2023.