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PhilippLotmar

8.9.1850 Frankfurt am Main, 29.5.1922 Bern, Freidenker, dt. Staatsangehöriger. Sohn des Heinrich, Kaufmanns. 1876 Paula Bacher, Tochter des Isaak, Kaufmanns in Mannheim. Nach Rechtsstudium in Heidelberg, Göttingen und München 1875 Promotion und 1876 Habilitation in München für röm. Recht. Aus Protest gegen die Bismarck'sche Sozialistengesetzgebung trat L. 1878 der Sozialdemokrat. Partei bei, was eine ordentl. Professur im Dt. Reich verunmöglichte. Im Herbst 1888 übernahm er als Nachfolger des Kathedersozialisten Julius Baron den Lehrstuhl für röm. Recht an der Univ. Bern. Dort verlagerte sich seine Forschungs- und Publikationstätigkeit vom röm. Recht (u.a. Fortführung des berühmten Pandektenlehrbuchs seines Lehrers Alois Brinz) auf das geltende Recht; mit seiner Abhandlung über "Die Tarifverträge zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer" (1900) sowie dem späteren zweibändigen Handbuch über den Arbeitsvertrag wurde L. zum Begründer der Arbeitsrechtswissenschaft. 1921 wurde er als "theoret. Vorkämpfer des Arbeitsrechts" von der Univ. Köln mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Seit seinem Gutachten für die Jahresversammlung 1902 des Schweiz. Juristenvereins über die künftige Regelung des Dienstvertragsrechts setzte er sich für eine moderne Gesetzgebung im Arbeitsrecht ein. Als Wesensmerkmal dieses Rechtsgebiets stellte er im Zug einer Kritik des traditionellen Privatrechts dessen kompensatorischen (d.h. den sozial Schwächeren schützenden) Charakter heraus. Im Obligationenrecht von 1911 wurden viele seiner Postulate verwirklicht und weltweit zum ersten Mal die normative Wirkung von Gesamtarbeitsverträgen gesetzlich anerkannt. Wenn vor dem 1. Weltkrieg die Schweiz im Arbeitsrecht die Führungsrolle in Europa innehatte, so verdankte sie dies wesentlich L.s Arbeiten.

Quellen und Literatur

  • Schweiz. Arbeitsvertragsrecht, hg. von M. Rehbinder, 1991
  • Schr. zu Arbeitsrecht, Zivilrecht und Rechtsphilosophie, hg. von J. Rückert, 1992
  • Der Arbeitsvertrag [nach dem Privatrecht des Dt. Reiches, 2 Bde., 1902-08], hg. von M. Rehbinder, 22001
  • Forschungsbd. Philipp L. (1850-1922), hg. von P. Caroni, 2003
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Lebensdaten ∗︎ 8.9.1850 ✝︎ 29.5.1922