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Johann JacobLeu

26.1.1689 Zürich, 10.11.1768 Zürich, reformiert, von Zürich. Sohn des Hans Jacob, Ratsherrn, Land- und Obervogts, und der Dorothea Heidegger. 1) 1713 Anna Magdalena Hofmeister, Tochter des Johannes Hofmeister, 2) 1749 Dorothea Ott, Witwe des Ratsherrn Hans Caspar Bodmer. Als Schüler Johann Jakob Scheuchzers nahm Johann Jacob Leu 1705 an dessen Alpenreise teil. Es folgte 1707-1709 eine akademische Reise durch Deutschland – mit juristischen, vor allem naturrechtlichen Studien in Marburg – und die Niederlande nach Paris (Winter 1708-1709). Die Reise ist in einem Tagebuch ausführlich dokumentiert. 1709 trat Leu in den zürcherischen Kanzleidienst ein, wurde 1710 Bibliothekar der Bürgerbibliothek (1758-1759 deren Präses), 1713 Ratssubstitut, 1720 Unterschreiber, 1729 Stadtschreiber, 1736-1742 Landvogt zu Kyburg, 1749 Seckelmeister und schliesslich 1759 Bürgermeister der Stadt Zürich. Er präsidierte die 1755 gegründete Zinskommission, die als staatliches Institut, aber unabhängig von der Finanzverwaltung, Gelder von Zürchern im Ausland anlegte und nach aussen als Firma mit dem Namen Leu & Cie. auftrat (später Bank Leu).

Seit früher Jugend richtete sich Leus Interesse auf die Geschichte, Rechts- und Landeskunde der Eidgenossenschaft sowie auf die Genealogie. Aus seiner für die damalige Zeit fortschrittlichen eidgenössischen Gesinnung entstanden im Zuge seiner Ämterlaufbahn verschieden grosse Werke. Bei der Beschaffung der Informationen unterstützten ihn zahlreiche Korrespondenten in der ganzen Eidgenossenschaft. Zustatten kamen Leu das Ansehen seiner Ämter und die damit verbundenen Beziehungen, die das Misstrauen vor allem in den katholischen Orten abbauen halfen. Leus Hauptwerk ist das "Allgemeine Helvetische, Eydgenössische oder Schweitzerische Lexicon", das 1747-1765 in 20 Bänden erschien. Es war das erste abgeschlossene, umfassende Schweizer Lexikon, gedruckt auf Kosten des Verfassers, und stellt das eindrücklichste Zeugnis für den Fleiss, die Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit von Leu dar. Weiter gab er 1722 und 1735 Josias Simmlers "Von dem Regiment der Loblichen Eydgenossschaft" neu heraus und veröffentlichte 1727-1746 sein vierteiliges "Eydgenössisches Stadt- Und Land-Recht". In der mit zahlreichen Ergänzungen versehenen und bis auf die eigene Zeit fortgeführten Simmler-Edition wird das öffentliche Recht der eidgenössischen Orte behandelt; Leus Stadt- und Landrecht ist der erste Versuch einer umfassenden Darstellung des in der alten Eidgenossenschaft geltenden Privatrechts. Obwohl er sein Konzept nicht durchführen konnte und statt der geplanten Sammlung der Rechtsnormen in der Eidgenossenschaft ein System des eidgenössischen Privatrechts entstand, stellt das Werk eine Pionierarbeit dar und verrät deutlich die naturrechtliche Prägung von Leus Rechtsdenken. Die Integrität des persönlich bescheidenen Bürgermeisters wurde nie angezweifelt, als sein Schwiegersohn Felix Grebel, früherer Grüninger Landvogt, von Johann Kaspar Lavater und Johann Heinrich Füssli in der Schrift "Der ungerechte Landvogt oder Klagen eines Patrioten" der Erpressung und des Betrugs beschuldigt und 1763 verbannt wurde.

Quellen und Literatur

  • ZBZ, Nachlass
  • A. Cattani, Johann Jacob Leu, 1955
  • C. Soliva, Das Eidg. Stadt- und Landrecht des Zürcher Bürgermeisters Johann Jakob Leu, 1969
  • M. Vogt, Johann Jacob Leu, 1689-1768, 1976
Weblinks
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VIAF

Zitiervorschlag

Marianne Zelger-Vogt: "Leu, Johann Jacob", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.11.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/015795/2008-11-25/, konsultiert am 27.05.2022.