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EtienneDumont

Um 1829 in England entstandener Stich, nach einer Zeichnung von Amélie Munier-Romilly (Bibliothèque de Genève).
Um 1829 in England entstandener Stich, nach einer Zeichnung von Amélie Munier-Romilly (Bibliothèque de Genève).

18.1.1759 Genf, 29.9.1829 Mailand, ref., von Genf. Sohn des Abraham-David, Juweliers (1762), und der Louise Esther d'Illens, Leiterin eines Pensionats. Ledig. Stud. der Theologie an der Akad. Genf, 1783 Ordination. Im März 1784 wurde D. von der patrizischen Regierung das Misstrauen ausgesprochen, worauf er Genf verliess. 1784-85 war er Pfarrer der Franz. Kirche in Sankt Petersburg, 1786-89 Privatlehrer in London. Als enger Freund des Earl of Shelburne, eines ehemaligen Ministers der Whig-Partei, bekam er eine Stelle in der Schatzkanzlei (Clerk of the Pells), wodurch er zu einem einflussreichen Agenten Englands werden konnte. D. war bereits zu Beginn der Revolution in Frankreich, trat Mirabeaus "Atelier genevois" bei und verfasste weiterhin detaillierte Berichte für die engl. Regierung. Für kurze Zeit nach Genf zurückgekehrt, wurde er nach der Genfer Revolution im Febr. 1793 in die Nationalversammlung gewählt. Er gehörte zu den Gemässigten und wurde mit den Aussenbeziehungen betraut. Doch schon im Juni gleichen Jahres schickte er aus London seine Demission. D. begann daraufhin, die meist noch unveröffentlichten Manuskripte des Philosophen und Publizisten Jeremy Bentham auf Französisch herauszugeben. Er übersetzte oder bearbeitete beispielsweise die Werke "Panoptique" (1791), "Traités de législation civile et pénale" (1802), "Théorie des peines et des récompenses" (1811), "Tactique des assemblées législatives" (1816), "Traité des preuves judiciaires" (1823) und "De l'organisation judiciaire et de la codification" (1828). D. war ein Vertreter der Wirtschaftsfreiheit, setzte sich aber 1820 für die obligator. Brandversicherung ein. 1814 liess er sich wieder in Genf nieder und wurde als Liberaler in den Repräsentierenden Rat gewählt, dessen Statuten er 1815 verfasste. Es gelang ihm nicht, den napoleon. Code pénal durch ein Strafgesetz mit utilitarist. Ansatz zu ersetzen. Hingegen verdankt ihm die Stadt Genf den Bau eines panoptisch angelegten Gefängnisses (1825-62). D. trug dazu bei, utilitarist. Ideengut in der ganzen Welt zu verbreiten.

Quellen und Literatur

  • Letters containing an Account of the late Revolution in France, 1792
  • Souvenirs sur Mirabeau et sur les deux premières assemblées législatives, hg. von J. Bénétruy, 1951 (11823)
  • BPUG, Nachlass
  • J. Bénétruy, L'atelier de Mirabeau, 1962
  • R. Roth, La prison pénitentiaire de Genéve, 1981
  • H. Schneider, Schweizer Theologen im Zarenreich (1700-1917), 1994
  • J.P. Selth, Firm Heart and Capacious Mind, 1997
  • C. Blamires, «Etienne D.», in SZG 50, 2000, 372-387
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 18.1.1759 ✝︎ 29.9.1829