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RodolpheTöpffer

31.1.1799 Genf, 8.6.1846 Genf, reformiert, von Genf. Sohn des Wolfgang-Adam (->). 1823 Anne Françoise Moulinié, Tochter des Jacques Dauphin, Kaufmanns. Schwager des Jean-François Moulinié. Studium an der Akademie Genf. Schon früh zeigte Rodolphe Töpffer zeichnerisches Talent, musste aber nach einem Bildungsaufenthalt in Paris 1819-1820 wegen eines Augenleidens auf eine Karriere als Maler verzichten. Er wurde Hilfslehrer im Pensionat des Pfarrers Jean Heyer in Genf, zeichnete aber weiterhin. Mit dem Pensionat Heyer unternahm er 1823 seine erste Schweizerreise. 1824 eröffnete er eine eigene Privatschule, die rasch Erfolg hatte. Bis 1842 machte er Reisen in der Schweiz, in Savoyen und Italien, über die er einzigartige handgeschriebene und illustrierte Alben anfertigte. Zwischen 1825 und 1832 publizierte er Rezensionen über Gemäldeausstellungen in Genf sowie die drei ersten kleinen Schriften der "Réflexions et menus propos d'un peintre genevois" (1848 gesammelt erschienen). Parallel zu den Berichten über die Pensionatsausflüge schrieb er possenhafte Theaterstücke, die in seiner Schule aufgeführt wurden. Zudem schuf er seine ersten Bildergeschichten, so 1827 die "Histoire de M. Vieux-Bois", 1829 "Le Docteur Festus" und als Entwurf "M. Cryptogame" sowie 1831 die "Histoire de M. Jabot" und "Monsieur Pencil", alles Werke, die als handgefertigte Einzelexemplare in einem stets grösseren Kreis zirkulierten.

1832 markierte einen Wendepunkt, als Töpffer Professor für Rhetorik und Literatur an der Akademie Genf wurde und seine ersten Novellen "La Bibliothèque de mon oncle" sowie "Le presbytère" in der Bibliothèque universelle erschienen. Ermutigt durch die positiven Reaktionen Johann Wolfgang von Goethes, dem Frédéric Soret 1831 zwei Bildergeschichten gezeigt hatte, veröffentlichte er 1833 die "Histoire de M. Jabot", aber auch – dank der neuen Technik des lithografischen Umdruckverfahrens (Autografie) – die "Excursion dans les Alpes". 1834 kam Töpffer als Vertreter der Konservativen in den Repräsentierenden Rat des Kantons Genf. 1835-1841 publizierte er komische Bildergeschichten, Reiseberichte, Novellen, einen Roman ("Le presbytère" 1839) sowie zahlreiche engagierte und zunehmend polemische Artikel. Ein zweiter Wendepunkt war 1841, als in der "Revue des deux mondes" ein Aufsatz von Charles-Augustin Sainte-Beuve über Töpffer erschien, der ihn als Schriftsteller pries. Im selben Jahr erschütterte eine radikale Revolution Genf, in deren Verlauf Töpffer gegen den Verfassungsrat votierte und 1842-1843 im "Courrier de Genève" als gefürchteter Pamphletist in Erscheinung trat. Mit seinem Cousin, dem Pariser Verleger Jacques-Julien Dubochet, arbeitete er an der Herausgabe der "Voyages en zigzag […]" (1844), die zu einem grossen Erfolg der illustrierten Reisebeschreibung im Buchhandel wurden – 1854 erschienen die "Nouveaux voyages en zigzag […]". Töpffer verfasste die beiden programmatischen Texte "Du paysage alpestre" (1843) und den "Essai de physiognomonie" (1845), beendete die "Histoire d'Albert" (1845) sowie das Manuskript seines letzten Romans "Rosa et Gertrude" (1847). 1845 erschien auch die "Histoire de Monsieur Cryptogame" in der Pariser Zeitschrift "L'Illustration". Schwer krank gab er seine Vorlesungen an der Akademie auf, übergab sein im Niedergang begriffenes Pensionat und begann wieder, kleine Landschaftsbilder in Öl zu malen.

Rodolphe Töpffer ist für Genf, die Schweiz und Europa eine kulturgeschichtlich bedeutende Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts. Sein Werk hat die "nationale" Alpenmalerei gefördert – mit Alexandre Calame als Leitfigur – und Generationen von Schriftstellern und Künstlern beeinflusst, während seine Aufwertung der populären Bildsprache zahlreiche Autoren prägte. Seine Bildergeschichten – sowohl deren praktische Realisierung wie die theoretischen Ausführungen darüber – machten ihn rückblickend zu einem der Gründerväter des Comics.

Quellen und Literatur

  • Œuvres complètes, hg. von P. Cailler, H. Darel, 26 Bde., 1942-58
  • Théâtre, 1981
  • Correspondance complète, hg. von J. Droin 1-, 2002-
  • Nachlässe in: BGE und MAHG
  • A. Blondel, Rodolphe Töpffer, 1886 (mit Werkverz.)
  • Bull. de la Société des études töpfferiennes 1-, 1976-
  • L'invention de la bande dessinée, hg. von T. Groensteen, 1996
  • P. Kaenel, Le métier d'illustrateur, 1830-1880, 1996 (22005)
  • Töpffer, hg. von D. Maggetti, 1996
  • D. Kunzle, Father of the Comic Strip, 2007
Weblinks
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 31.1.1799 ✝︎ 8.6.1846

Zitiervorschlag

Philippe Kaenel: "Töpffer, Rodolphe", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 07.06.2022, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016191/2022-06-07/, konsultiert am 26.09.2022.