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Pensionäre

Der Begriff P. bezeichnet grundsätzlich Personen, die in einem Privathaushalt oder einer Institution leben, wo sie gegen Bezahlung verköstigt und meist auch beherbergt werden. Zu den P.n gehörten im Spital untergebrachte Alte und Bedürftige, für deren Versorgung die Gem. ein Kostgeld bezahlte. Im MA und in der frühen Neuzeit schickten Eltern ihre Söhne und Töchter im Kindesalter oder als Jugendliche oft in andere Fam., manchmal im Tausch gegen deren Kinder. Hauspersonal und ländl. Bedienstete zählten nie zu den P.n, auch wenn sie einen Teil ihres Lohns in Form von Kost und Logis bezogen (Gesinde), ebensowenig wie die Lehrlinge und Gesellen, die von ihrem Meister Essen und Unterkunft erhielten und zu dessen Ganzem Haus gehörten. Die Volkszählung der Stadt Bern von 1764 und jene des Kt. Léman von 1798 unterschieden streng zwischen Lehrlingen, Gesellen und P.n.

Eine Bildseite aus Excursion dans les Alpes von Rodolphe Töpffer, Genf 1832 (Zentralbibliothek Zürich).
Eine Bildseite aus Excursion dans les Alpes von Rodolphe Töpffer, Genf 1832 (Zentralbibliothek Zürich). […]

In gewissen Berufsgattungen war es bis Ende des 19. Jh. üblich, sich eine Unterkunft zu teilen. Immer häufiger wurde der Lohn jedoch vollständig in Bargeld ausbezahlt und die Angestellten wohnten nicht mehr bei ihrem Meister. Im 19. und 20. Jh. suchten sich Lehrlinge und ledige junge Männer, sofern sie nicht bei ihren Eltern wohnen konnten, einen Platz in einer Familienpension. Diese wurde meist von einer Witwe oder Arbeiterfamilie betrieben, um ein zusätzl. Einkommen zu erzielen. Noch in den 1970er Jahren gab es in Basel solche grossen "Kostgängereien". Eine Pension in Vevey beherbergte bis zum Zeitpunkt ihrer Schliessung 2007 noch 15 P. Eine andere Art Kundschaft bildeten bejahrte Frauen, die noch ledig oder schon verwitwet waren, sowie Arme, für deren Kostgeld die Gem. aufkam.

Die Schüler einer Klosterschule oder eines städt. Kollegiums waren gewöhnlich P. Ausgestattet von Mäzenen (Legate) oder der Stadt (das Kollegium St. Michael in Freiburg erhielt die Einkünfte aufgegebener Klöster), entwickelte sich das Kollegium zur wichtigsten Pension: Die Studenten lebten mit bedeutenden Gelehrten unter einem Dach und profitierten von deren Wissen. In ref. Gebieten wurden die Studenten meist in Pfarrers- oder Professorenfamilien aufgenommen, v.a. wenn sie vom Land oder von weit her kamen. Thomas Platter beherbergte in Basel rund 40 Studenten, was - wenn auch nicht in so grosser Zahl - üblich war. Diese Lebensweise hielt sich bis in die 1950er Jahre.

Ab dem 17. Jh. eröffneten Ordensfrauen, insbesondere die Ursulinen in Pruntrut, Luzern, Brig, Sitten und Freiburg, Pensionen für Töchter. In Freiburg lebten Mitte des 17. Jh. in einer Gemeinschaft von ca. 30 Schwestern ebenso viele P., nämlich etwa 20 der insgesamt 350 bis 400 jungen Schülerinnen, und ein Dutzend erwachsene, oftmals verwitwete Frauen. Die Stadt hatte den Ursulinen diese Art von Erwerbstätigkeit 1634 gestattet, um nicht für den Unterhalt der Gemeinschaft aufkommen zu müssen. Der Unterricht wurde kostenlos erteilt. In wohlhabenden Kreisen gehörte es zum guten Ton, die Töchter einige Monate in ein Pensionat zu schicken, wo sie auf den Ehestand vorbereitet wurden. Ab dem 19. Jh. entstand den geistl. Instituten Konkurrenz durch Pensionate ohne kirchl. Bindung, die v.a. junge Ausländerinnen beherbergten. Wegen der erhöhten Mobilität und staatl. Subventionen an Gymnasien ging die Zahl der Internate Ende des 20. Jh. zurück. Im Kollegium Saint-Maurice z.B. wohnten 2008 noch 44 Internatsschüler, 1990 waren es noch 180 gewesen. Zu Beginn des 21. Jh. sind die Internate fast verschwunden. Studierende suchen sich eher ein Zimmer in einem Studentenheim oder bei Privaten, ohne an deren Familienleben teilzunehmen, oder leben in Wohngemeinschaften. Obwohl der Pensionatsaufenthalt früher sehr verbreitet war, liegt bis heute keine Studie über diese Lebensform vor.