de fr it

Waschen

Waschen war bereits im Mittelalter Frauenarbeit und stellte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die kraft- und zeitaufwendigste Hausarbeit dar. Wegen des Wasserverbrauchs wurde das Waschen durch Ordnungen und Satzungen geregelt. Aus Angst vor Verschmutzung und nicht selten aus magischen Motiven wurde das Waschen am Brunnen häufig nur eingeschränkt erlaubt oder gar verboten wie etwa in vielen Walliser Dörfern und ab 1672 in Genf. Das Waschen von Windeln oder blutigen Tüchern, die von Menstruation und Wochenbett herrührten, war untersagt, oft auch der Gebrauch von Asche, die als Waschmittel diente. Vielerorts wurden Frauen zum Waschen an Bach, Fluss oder See verwiesen. Die dörflichen Waschhäuser, in denen oft auch geschlachtet wurde, waren in gemeinsamem, meist genossenschaftlichem Besitz mehrerer Familien, die über bestimmte Waschrechte verfügten.

Wäscherinnen am Läuferbrunnen in Bern, um 1900 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Wehrli).
Wäscherinnen am Läuferbrunnen in Bern, um 1900 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Wehrli). […]

Die vor allem bei der zweimal jährlich stattfindenden grossen Wäsche verwendete Lauge setzte sich aus Buchenasche und Wermutsstauden oder Lavendel zusammen. Die sogenannte Bucherin überschüttete die Betttücher und andere Wäschestücke in einem Holzbottich mehrmals mit der kochend heissen Aschenlauge. In kleineren Zubern wurde die Wäsche dann mit kaltem Wasser gerieben, geklatscht und von Hand ausgewrungen. Während auf dem Land Mägde, Verwandte und Bekannte bei der grossen Wäsche halfen, wurden in der Stadt aus Platzmangel gewerbsmässig tätige Waschfrauen mit dem Waschen beauftragt.

Da nur ganz wenige Häuser über Waschküchen verfügten, blieb das Waschen auch im 19. Jahrhundert eine öffentlich verrichtete Arbeit an Fluss- oder Seeufern, auf Waschschiffen (so in Zürich), in Waschhäusern und Waschhütten oder am Brunnen. Diese Arbeitsplätze waren für die meisten Frauen auch als sozialer Treffpunkt von Bedeutung. Eine ordentliche und saubere Wäsche symbolisierte zunehmend die hausfraulichen Tugenden Fleiss, Pflichterfüllung, Ordnung und Reinlichkeit (Hygiene). Menge und Qualität der Wäsche, die einen grossen Teil der Aussteuer ausmachte, bezeugten den sozialen Stand der Ehegattin. Je umfangreicher die Aussteuer war und je mehr Kleidung zur Verfügung stand, desto seltener musste gewaschen werden. Kinder- und Alltagskleider wurden jedoch auch zwischendurch gewaschen.

Eine Frau wäscht in Eggiwil im Emmental mit einer sogenannten Couleuse, einem Dampfwaschherd. Fotografie von Ernst Brunner, 1944 (Schweizerisches Institut für Volkskunde, Basel).
Eine Frau wäscht in Eggiwil im Emmental mit einer sogenannten Couleuse, einem Dampfwaschherd. Fotografie von Ernst Brunner, 1944 (Schweizerisches Institut für Volkskunde, Basel). […]

Frauen aus der Unterschicht wuschen ihre Wäsche selbst, während bürgerliche Frauen die Arbeit an Mägde und professionelle Wäscherinnen vergaben (Haushalt). Die grosse Wäsche konnte bis zu einer Woche dauern und setzte sich aus mehreren Arbeitsschritten zusammen: Einweichen der Wäsche, Bedecken mit Pottasche, Überbrühen mit Sodalauge, Schlagen, Bürsten, Reiben, Spülen, Bleuen, Bleichen, Stärken, Wringen, Aufhängen, Ausbessern, Strecken, Mangen und Bügeln. Nach dem Waschen wurde die nasse Wäsche in Zainen geschichtet und zum Trocknen zu den im Freien aufgestellten Wäschestangen oder auf den Estrich getragen. In ärmeren Milieus wurde die Leibwäsche oft in der Küche aufgehängt, was die Wohnverhältnisse in feuchten und kalten Jahreszeiten zusätzlich beengte. Im 19. Jahrhundert ergänzten Kupfer- und Messingkessel für heisses Wasser die bisher gebräuchlichen Holzbottiche. Um 1850 wurde das Waschbrett eingeführt, fast zeitgleich mit den ersten Versuchen, den Waschvorgang zu mechanisieren. Die von Hand betätigten Waschmaschinen – die Rührflügel-, die Schwing- sowie die kraftaufwendige Wringmaschine, die mit zwei am Holzbottich befestigten Gummiwalzen versehen war –, ersetzten allerdings weder die Vorbereitungsarbeiten noch das eigentliche Waschen. Grosse Wäschestücke wurden mit Mangen aus Holzzylindern geplättet, kleinere und feinere mit Eisen, die auf Bügelöfen geheizt oder mit heisser Kohle gefüllt wurden.

Um 1900 trat Seife an die Stelle der Pottasche (Seifensiederei). Nach dem Ersten Weltkrieg verbreitete sich das industriell hergestellte Waschpulver. Trotzdem wurde die Kernseife weiterhin verwendet. Die ab 1913 mit einem Elektromotor angetriebenen Waschmaschinen kamen wie andere Haushaltsmaschinen vorerst nur in begüterten Haushalten zur Anwendung. Grosse Modelle fanden sich in den neuen Waschanstalten oder in einigen wenigen genossenschaftlichen und städtischen Siedlungen. Mit dem Ausbau der Wasserversorgung und der Verbreitung von Anschlüssen für fliessendes Wasser wurden auch in einfachen Mietshäusern Waschküchen mit Steinbecken und grossen Heizkesseln eingerichtet. In der Zwischenkriegszeit schleuderten mit Wasser angetriebene Zentrifugen die Wäsche; die Elektrifizierung ermöglichte den einfachen Gebrauch des Bügeleisens.

Werbeplakat von Jacques Bänninger, 1962 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
Werbeplakat von Jacques Bänninger, 1962 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).

Erst in der Hochkonjunktur der Nachkriegszeit wurde das Waschen im Privathaushalt durch die Verbreitung der elektrischen Trommelwaschmaschine mit Auswringvorrichtung und separater Schleuder allmählich modernisiert. In den 1960er Jahren setzten vollautomatische Waschmaschinen der Zürcher Firma Schulthess oder der Verzinkerei Zug AG ihren Siegeszug an. Zudem ermöglichten Waschsalons die Benutzung von Waschmaschinen zu günstigen Preisen. Allzu stark schäumende Waschpulver wurden durch phosphathaltige Pulver ersetzt, die ihrerseits in den 1980er Jahren wegen der Umweltbelastung bekämpft wurden. Mit den neuesten Automaten mit Stossdämpfern und integriertem Tumbler bleiben beim Waschen gar die Hände trocken.

Waschsalon in Genf im November 1981 (Interfoto, Genf).
Waschsalon in Genf im November 1981 (Interfoto, Genf). […]

Quellen und Literatur

  • G. Heller, "Propre en ordre", 1979
  • Waschtag, Ausstellungskat. Biel, 1988
  • Blanchisseuse, laveuse, repasseuse, Ausstellungskat. Fresnes, 1989
  • B. Orland, Wäsche waschen, 1991
  • B. Schuhmacher, «"Hesch Wösch?" Waschen im Dorf», in Alles was recht ist!, hg. von P. Meyer, S. Kubli, 1992, 69-81
  • La lessive, hg. von A. de Giorgi, J. Berenstein-Wavre, 1994
  • C. Lipp, «Der Brunnen», in Orte des Alltags, hg. von H.-G. Haupt, 1994, 119-130
  • D. Rippmann, «Grosse Wäsche», in Arbeit-Liebe-Streit, hg. von D. Rippmann et al., 1996, 151-159
Weblinks

Zitiervorschlag

Elisabeth Joris: "Waschen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27.01.2015. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016237/2015-01-27/, konsultiert am 29.06.2022.