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FrançoisHotman

Porträt des Humanisten auf seinem Totenbett. Um 1650 in der Bibliotheca Chalcographica von Jean-Jacques Boissard veröffentlichter Stich (Privatsammlung).
Porträt des Humanisten auf seinem Totenbett. Um 1650 in der Bibliotheca Chalcographica von Jean-Jacques Boissard veröffentlichter Stich (Privatsammlung).

23.8.1524 Paris, 12.2.1590 Basel. Sohn des Pierre, Herrn zu Villiers Saint-Paul (Picardie), Parlamentsrats in Paris. Claude Aubelin. Rechtsstud. in Orléans, 1542 Lizentiat. Anschliessend war H. Advokat am Parlamentshof und studierte alte Literatur und röm. Recht. Ab 1546 hielt er in Paris jurist. Vorlesungen. 1547 gab er Karriere und Fam. auf und wurde in Genf Sekr. und Übersetzer Johannes Calvins. 1550-55 war H. Prof. für klass. Sprachen an der prot. Akademie von Lausanne und ab 1556 Prof. für röm. Recht in Strassburg. 1558 doktorierte er nachträglich in Basel. Ab Ende der 1550er Jahre griff H. in die polit. und religiösen Auseinandersetzungen Frankreichs ein - als ideolog. Vordenker ("Livret de Strasbourg" 1559), Pamphletist ("Epistre au Tigre de la France"), polit. Agent (Verschwörung von Amboise) und Diplomat (Brief an den Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz, 27.7.1562).

Im ersten Religionskrieg engagierte sich H. zugunsten von Heinrich Condés Kreditanträgen in Basel und Zürich und diente dem Rat von Bern als Informant. 1563 lehrte er Rechtswissenschaft an den Univ. Valence und Bourges. 1567 erklärte er in "L'Antitribonian ou discours sur l'estude des lois" das "Corpus iuris" Justinians für unzeitgemäss und forderte eine einheitl. Kodifikation in der Landessprache, die das Gewohnheitsrecht und das bibl. Naturrecht (Calvin) integriert. 1572, nach dem Hugenottenmassaker in der Bartholomäusnacht, verliess H. Paris und lebte fortan als Rechtsprofessor, polit. Schriftsteller und Liebhaber der Alchemie in Genf und Basel. Seine Spätwerke "Franco-Gallia" (1573) und "Antitribonian" (erst 1603 publiziert) beeinflussten das polit. Denken Europas bzw. die Rechtsreformen des 17. und 18. Jh. stark. Auffallend hart fielen H.s Rechtsgutachten, v.a. bei Hexenprozessen, aus.

Quellen und Literatur

  • R. Dareste, «François H. - Sa vie et correspondance», in Revue historique 2, 1876, 1-59, 367-455
  • J. Pannier, «H. en Suisse (1547-1590)», in Zwingliana 7, 1940, 137-172
  • R.E. Giesey, The Writings of François H., 1971 (mit Werkverz.)
  • D.R. Kelley, François H.: A Revolutionary's Ordeal, 1973
  • NDB 9, 655
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 23.8.1524 ✝︎ 12.2.1590