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Körperbau

Phänotyp

Seit dem 19. Jahrhundert wird in der Anthropologie und ihren spezialisierten Gebieten die menschliche Natur erforscht. Den Phänotyp des Menschen bestimmen körperliche Merkmale wie beispielsweise Körpergrösse, Proportionen der Gliedmassen, Kopfform, Hautfarbe, Augenfarbe, Behaarung, aber auch die Anpassung, Milch zu verdauen. Der Phänotyp wiederum ist Ausdruck des Genotyps, der durch das individuell variierende Erbgut determiniert wird; andere Faktoren wie der Lebensraum und das soziokulturelle Umfeld spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle (Körpergeschichte). Durch evolutiven Druck werden alternative Phänotypen ausgebildet, der menschliche Körper passt sich den Bedingungen an. In der biologischen Anthropologie gibt das Skelett Auskunft über einige Aspekte des Phänotyps. In der Vergangenheit bemühte sich die Anthropologie mittels kraniometrischer Untersuchungen typologische Kategorisierungen vorzunehmen; dieser Ansatz ist überholt. Heute wird mit Regressionsgleichungen die Körpergrösse aus Massen von Langknochen, mit bestimmten Fehlerspannen, berechnet. Die Körpergrösse lässt Aussagen über die Lebensbedingungen von Bevölkerungen zu. Sie ist stark beeinflusst durch den Ernährungsstatus, die Gesundheit und andere Umweltfaktoren. Auf der individuellen Ebene spielen jedoch genetische Faktoren mit Abstand die wichtigste Rolle. Ebenso können sich epigenetische Effekte im Phänotyp niederschlagen. Die epigenetischen Faktoren spielen bei der Realisierung des in jeder Zelle vorhandenen genetischen Programms eine wichtige Rolle, sind aber nicht von diesem gesteuert.

Zwei rechte Oberschenkelknochen männlicher Bestatteter aus dem Kanton Bern (Universität Bern, Institut für Rechtsmedizin, Abteilung Anthropologie; Fotografie Sandra Lösch, 2022).
Zwei rechte Oberschenkelknochen männlicher Bestatteter aus dem Kanton Bern (Universität Bern, Institut für Rechtsmedizin, Abteilung Anthropologie; Fotografie Sandra Lösch, 2022). […]

Auf Populationsebene ist die durchschnittliche Körpergrösse ein Wohlstandsindikator, der beispielsweise bessere Ernährung, weniger Infektionskrankheiten (Krankheit, Paläopathologie) und gesündere Wohn- und Arbeitsverhältnisse (Wohnen, Siedlung) widerspiegelt. Das Forschungsfeld der historischen Anthropometrie zieht archivierte Messdaten von lebenden Menschen heran, um Veränderungen der Körpermasse ab dem 19. Jahrhundert nachzuvollziehen. Anthropologische Vergleiche der Körpergrössen von Skelettkollektiven aus Zeiträumen vor 1800 und deren Interpretationen sind herausfordernd, weil in Publikationen die zugrundeliegenden Fundorte, Individuenzahlen und Berechnungsmethoden häufig unerwähnt bleiben. Dieser Vorbehalt gilt auch für untenstehende Ausführungen. In jüngerer Zeit gewinnen molekulargenetische Methoden an Bedeutung, die nebst Aussagen zum Genotyp auch solche zum Phänotyp ermöglichen.

Urgeschichte und römische Zeit

Die eiszeitlichen Gletscher haben die paläolithischen anthropologischen Zeugnisse auf dem Gebiet der heutigen Schweiz beseitigt (Eiszeiten, Paläolithikum). Aus der mittleren und jüngeren Steinzeit, insbesondere dem Neolithikum, sind dagegen mehrere Körperbestattungen belegt (Bestattung). Die ältesten bekannten Skelette stammen wahrscheinlich aus dem Mesolithikum. In der Grotte du Bichon wurden die Gebeine eines jungen Mannes von eher kleiner Statur (165 cm) entdeckt, die wohl um 9000 vor Chr. datieren. Das Skelett ist nicht robust, weist aber starke Muskelansätze auf. Beim Skelett von Nenzlingen-Birsmatten-Basisgrotte (7500 bis 7000 v.Chr.) handelt es sich um eine ca. 160 cm grosse Frau.

Modellbüste des Cheddar Man, hergestellt auf Grundlage von DNA-Analysen des 1903 in einer Höhle der Cheddar Gorge in Somerset, England, ausgegrabenen Skeletts © 2018 The Trustees of The Natural History Museum, London.
Modellbüste des Cheddar Man, hergestellt auf Grundlage von DNA-Analysen des 1903 in einer Höhle der Cheddar Gorge in Somerset, England, ausgegrabenen Skeletts © 2018 The Trustees of The Natural History Museum, London. […]

Menschliche Überreste des 5./4. Jahrtausends v.Chr. (frühes/mittleres keramisches Neolithikum) finden sich besonders zahlreich an den Ufern des Genfersees und im oberen Rhonetal. Die Individuen waren von kleinem Wuchs (Männer 159 cm, Frauen 150 cm). Im endneolithischen Dolmen (Megalithen) von Oberbipp betrug die mittlere Körperhöhe der Bestatteten 154 bis 157 cm; im jüngeren Kollektivgrab von Spreitenbach (um 2500 v.Chr.) fanden sich für Männer Werte von 165-167 cm, eine Frau war ca. 157 cm gross. Mit der Sesshaftwerdung im Neolithikum vergrösserte sich der Dimorphismus in der Körpergrösse von Frauen und Männern, wohl aufgrund einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung. Molekulargenetische Untersuchungen an Individuen aus Oberbipp zeigen, dass die Haut der hier bestatteten Menschen hell war. Im Vergleich dazu hatten die Jäger (Jagd) und Sammler (Sammelwirtschaft) des Paläolithikums und des Mesolithikums in Europa eine dunkle Hautpigmentierung. Die Bestatteten aus Oberbipp wiesen bereits Mutationen an Genorten auf, die mit heller Hautpigmentierung assoziiert sind (31% am Genort SLC45A2, 100% am Genort SLC24A5). Dies kann als Anpassung an das Leben als sesshafte Ackerbauern verstanden werden. Im Gegensatz zu Jägern und Sammlern, deren Nahrung zu grossen Teilen aus Fleisch bestand, war bei den sich überwiegend pflanzlich ernährenden Ackerbauern die Menge an aufgenommenem Vitamin D nicht ausreichend. Eine hellere Haut war in höheren Breitengraden mit geringerer Sonneneinstrahlung vorteilhaft, um selbst genügend Vitamin D über die Haut zu produzieren. Allerdings war noch niemand von den in Oberbipp Bestatteten genetisch an die Verdauung von Milchprodukten angepasst (Käse). Der erste Nachweis hierfür stammt aus dem bereits oben erwähnten Kollektivgrab in Spreitenbach. Die Hälfte der Bestatteten in Oberbipp wies das Allel HERC2 auf, das im veränderten Fall mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu blauen Augen führt. Weil es sich um ein rezessives Allel handelt, entspricht dies einer Frequenz von 25% hellen Augen. Genetisch sind die in Oberbipp Bestatteten Nachfahren von neolithischen eingewanderten Ackerbauern aus Anatolien (60-90% Übereinstimmung) und von lokalen mesolithischen Jägern und Sammlern (10-40% des Genoms). Ähnliche genetische Profile finden sich bei mittelneolithischen Populationen in ganz Europa. In der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends v.Chr. erreichten Menschen aus der sich von der Donau bis zum Ural erstreckenden pontischen Steppe Mitteleuropa und brachten damit eine dritte Komponente ins Genom. Genetisch gesehen gleichen diese prähistorischen Populationen ab diesem Zeitpunkt den modernen Europäern. Die momentane Datenlage deutet darauf hin, dass sich die genetische Komponente aus der pontischen Steppe im Gebiet der heutigen Schweiz langsamer ausgebreitet hat als in den benachbarten Regionen. So sind besonders bei den prähistorischen Frauen noch hunderte Jahre später keine Hinweise auf die Steppenkomponente auszumachen. Als hypothetische Erklärung für diese Beobachtung werden von der Forschung die naturräumlichen Gegebenheiten der Schweiz vorgebracht, die zu einer langsameren genetischen Durchmischung der lokalen Bevölkerung geführt hätten.

Einige Skelette aus der frühen Bronzezeit (2200-1550 v.Chr.) wurden in der Westschweiz gefunden, so zum Beispiel in Steinkistengräbern von Collombey-Muraz-Barmaz I und in Vufflens-le-Château. Die beigesetzten Personen waren von kleiner Statur (Männer 165 cm, Frauen 153 cm). Frühbronzezeitliche Skelette aus der Thunerseeregion weisen höhere Werte auf (Männer 168 cm, Frau 162 cm). Da die Feuerbestattung in der mittleren und späten Bronzezeit (1500-800 v.Chr.) üblich wurde, sind für diese Epochen sinnvolle Aussagen zur mittleren Körpergrösse kaum möglich.

Im Verlauf der Eisenzeit (Hallstattzeit, Latènezeit) werden die chronologischen Anhaltspunkte präziser; erste Schriftquellen sind jetzt tradiert. Da die Toten aber weiterhin meist kremiert wurden, sind nur sehr wenige Überreste vorhanden. Aus der Hallstattzeit (800-450 v.Chr.) sind einzelne in Grabhügeln bestattete Skelette überliefert. Die jüngere Eisenzeit (450-15 v.Chr) ist besser dokumentiert, wobei die meisten Zeugnisse aus der Region Bern und aus Neuenburg stammen. Die Männer waren etwa 165 cm gross, die Frauen 154 cm. Das grösste bekannte keltische Gräberfeld Münsingen-Rain ist in dieser Auswertung allerdings nicht einbezogen, weil nach der Ausgrabung Anfang des 20. Jahrhunderts lediglich die Schädel aufbewahrt wurden.

Das Datenmaterial aus der römischen Zeit ist ebenfalls wenig umfangreich (Römisches Reich), da auch in dieser Epoche zumindest bis in die Spätantike durch die Sitte der Kremation die meisten Gebeine zerstört wurden. Die vereinzelt überlieferten Körperbestattungen stammen im Wesentlichen aus der Westschweiz, vor allem aus Aventicum-En Chaplix und Payerne-Route de Bussy), sowie aus dem Kanton Bern. Die Körpergrösse der Männer lag bei 168 cm, jene der Frauen bei 155 cm.

Die analysierten Skelette aus den verschiedenen prähistorischen Zeitabschnitten und der römischen Epoche bilden jeweils nur einen winzigen Teil der Bevölkerung ab, sodass sich die Frage stellt, in welchem Mass sie als repräsentativ gelten können. Eine Herausforderung für die anthropologische Forschung stellt in diesem Zusammenhang auch die Vergleichbarkeit der Daten dar, weil in den geisteswissenschaftlichen Publikationsorganen die Methodik und die Rohdaten oft nicht detailliert beschrieben werden.

Mittelalter und frühe Neuzeit

Bei einer rituellen Handlung deformierter Schädel aus der frühmittelalterlichen Nekropole Saint-Prex (Grab 187) bei Sur le Vieux Moulin (Musée cantonal d'archéologie et d'histoire, Lausanne).
Bei einer rituellen Handlung deformierter Schädel aus der frühmittelalterlichen Nekropole Saint-Prex (Grab 187) bei Sur le Vieux Moulin (Musée cantonal d'archéologie et d'histoire, Lausanne).

Für das Mittelalter liegt mit Tausenden von Skeletten – meist aus Kirchengrabungen – im Gegensatz zu früheren Epochen eine umfangreiche Datengrundlage für die Schweiz vor. Schon in der römischen Zeit hatte die hiesige Bevölkerung keine Einheit gebildet; die Heterogenität nahm infolge der Migrationen und Mobilität seit der Spätantike noch zu. Das Grundsubstrat stellte die ansässige romanisierte, ehemals keltische Bevölkerung dar (Kelten, Galloromanen), die Körperhöhen von meist unter 170 cm bei den Männern und von rund 160 cm bei den Frauen aufwies. Die Alemannen bildeten ein Konglomerat aus verschiedenen germanischen Gruppen. Sie drangen ab dem 6., vermehrt dann im 7. und 8. Jahrhundert in Teilgebiete des Juras und ins Mittelland sowie im späten 8. und 9. Jahrhundert auch in den Voralpenraum vor. Die mittlere Körperhöhe der Männer variierte zwischen 170 und 173 cm, erreichte aber gelegentlich 175 cm. Bei Angehörigen der oberen sozialen Schichten traten sogar Werte von 180 cm und mehr auf. In den ersten Jahrhunderten des Frühmittelalters lebten in den Kontaktzonen, etwa im bernischen und solothurnischen Aaretal und in der Westschweiz, zugewanderte Alemannen und Burgunder oft in geografischer Nachbarschaft von Eingesessenen; später kam es zur Vermischung. Über den Körperbau der alpinen Menschen geben vor allem die Skelette Aufschluss, die in der 700 Gräber umfassenden spätrömisch-frühmittelalterlichen Nekropole von Bonaduz gefunden wurden. Vom 4. bis ins 7. Jahrhundert betrug die durchschnittliche Körpergrösse der Männer ca. 170 cm, diejenige der Frauen ca. 160 cm.

Von den Menschen südlich der Alpen sind wenige anthropologische Daten überliefert. Die Auswertung einzelner Skelettreste von Fundstellen im Tessin, die vom 6. bis ins 15. Jahrhundert datieren, ergab für Männer eine durchschnittliche Grösse von 167 cm, für Frauen eine von 155 cm.

Vom Frühmittelalter bis zur frühen Neuzeit vollzog sich ein Wandel zu tendenziell kleineren Menschen. Bei lange genutzten Bestattungsplätzen (z.B. Tomils, Schaffhausen, Stans) zeigt sich eine Verringerung der Körperhöhe um 1-3 cm zwischen Hoch- und Spätmittelalter. Ab dem 19. Jahrhundert kehrte sich diese Tendenz um, die Menschen wurden wieder grösser. Als Ursachen werden genetische Gründe, Veränderungen des Klimas, Enkulturationseffekte und vor allem Änderungen in den Ernährungs- und Arbeitsbedingungen (Arbeit) angenommen. Die Verlagerung von der frühmittelalterlichen Milch- und Viehwirtschaft zu vermehrtem Ackerbau führte zu einem höheren Getreideanteil respektive zu einer Abnahme der hochwertigen tierischen Eiweisse in der menschlichen Kost, was zusammen mit einer gesteigerten körperlichen Belastung in der Wachstumsphase den Rückgang der Körpergrösse erklären könnte. In der frühen Neuzeit scheint die Körpergrösse einen Tiefpunkt erreicht zu haben. Die Männer massen – natürlich mit sozial und geografisch bedingten Differenzen – 165-172 cm, die Frauen 158-161 cm.

19. bis 21. Jahrhundert

Sanitarische Musterung bei der Aushebung in Liestal. Fotografie von Lothar Jeck, 1938 (Staatsarchiv Basel-Stadt).
Sanitarische Musterung bei der Aushebung in Liestal. Fotografie von Lothar Jeck, 1938 (Staatsarchiv Basel-Stadt). […]

Mitte des 19. Jahrhunderts war die mittlere Körperhöhe in der Schweiz vergleichsweise gering, vor allem kleine Männer im Bereich 130-150 cm waren übervertreten. Die Hauptgründe waren der niedrige Lebensstandard sowie der weit verbreitete Jodmangel, besonders in den alpinen Regionen. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte die sogenannte säkulare Akzeleration ein, die sich in beschleunigtem Wachstum, früherer sexueller Reifung und zunehmender mittlerer Körpergrösse äusserte. Zwischen 1870 und 1920 verbesserten sich im Zuge der Internationalisierung der Eisenbahn die Versorgungslage und damit einhergehend die Ernährung sowie das Krankheits- und Hygieneumfeld. Zeitgleich wurde für Heranwachsende die Belastung durch Kinderarbeit schrittweise reduziert. In diesem verbesserten Lebensumfeld passte sich der Phänotyp an und die mittlere Körperhöhe der Männer stieg innerhalb von rund 100 Jahren um bis zu 15 cm. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts liegt die Durchschnittsgrösse der Schweizer Männer bei 178 cm, die der Frauen bei 166 cm. Die regionalen Unterschiede haben sich zwar verkleinert, aber die Menschen in der Nordschweiz sind durchschnittlich immer noch grösser als in der Südschweiz. Für das 20. Jahrhundert sind auch sozioökonomisch bedingte Unterschiede nachweisbar, Studenten waren rund 5 cm grösser als ungelernte Arbeiter.

In der Schweiz verringerte sich das zunehmende Grössenwachstum ab den 1970er Geburtsjahrgängen deutlich. Dies war auch in anderen Ländern Nord- und Mitteleuropas sowie in den USA zu beobachten, was vermuten lässt, dass das genetische Maximum der Körpergrösse erreicht sein dürfte. Dafür wuchsen die Menschen seit den 1990er Jahren immer mehr in die Breite, und die Volkskrankheit Übergewicht nahm schweizweit aufgrund des Überflusses an Ressourcen zu.

Körpermasse der Schweizer Stellungspflichtigen der Jahre 1884-2020

 Durchschnittswerte
 Körpergrösse (cm)Gewicht (kg)Brustumfang (cm)Oberarmumfang (cm)
1884163,5 83,824,3
1890163,5 84,624,4
1944169,7 87,2 
1952171,363,189,526,2
1962173,164,590,5 
1972174,765,988,0 
1982176,167,489,027,9
1987176,868,690,3 
2000177,769,2  
2020178,675,1  
 Verteilung nach Körpergrösse
 -159 cm160-169 cm170-179 cm180 cm-
1888/9026%54%19%1%
1908/1016%55%27%2%
19523%35%52%10%
19621%27%57%15%
19721%20%57%22%
Körpermasse der Schweizer Stellungspflichtigen der Jahre 1884-2000 -  Jorio, Marco: «Zur "Veredlung des Menschengeschlechts"», in: Offiziersgesellschaft des Kantons Zug (Hg.): «Eilet dann, o Söhne». Beiträge zur zugerischen Militärgeschichte, 1994, S. 156-175; Bundesamt für Statistik; Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport.

Generell ist für Mitteleuropa zu konstatieren, dass die Körpergrösse der Menschen vom Neolithikum bis zur Bronzezeit um ca. 2 cm angestiegen und dann bis zum Ende der römischen Epoche annähernd konstant geblieben ist. Im Frühmittelalter erreichte sie ein vorneuzeitliches Maximum, um dann im Laufe des Mittelalters bis zum Einsetzen der säkularen Akzeleration wieder um etwa 1,5 cm abzusinken.

Genetische Untersuchungen von humaner ancient DNA (aDNA) zum Phänotyp stehen für fast alle Epochen der Schweiz (bis auf das Neolithikum) noch aus, wohingegen einige Publikationen zu archivierten Daten von Körpermassen ab dem 19. Jahrhundert existieren. Mehrere paläogenetische Analysen an menschlichen Überresten blieben ohne Erfolg, was wahrscheinlich an den Lagerungs- und Konservierungsbedingungen der Knochen lag. Diese stammten in vielen Fällen von Altgrabungen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Zukünftige Untersuchungen von humaner aDNA von Populationen auf schweizerischem Gebiet werden Aussagen zum Phänotyp und zu seinen Veränderungen für die prähistorischen und historischen Epochen liefern.

Quellen und Literatur

Allgemeines
  • Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter, 8 Bde., 1993-2020.
Von der Urgeschichte bis ins Frühmittelalter
  • Brunner, John André: Die frühmittelalterliche Bevölkerung von Bonaduz. Eine anthropologische Untersuchung, 1972.
  • Siegmund, Frank: Die Körpergrösse der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas und ein Vergleich ihrer anthropologischen Schätzmethoden, 2010.
  • Cooper, Christine; Ulrich-Bochsler, Susi et al.: «Spiez-Einigen, Holleeweg 3. Naturwissenschaftliche Untersuchungen zu den bronzezeitlichen Bestattungen», in: Archäologie Bern, 2010, S. 175-198, v.a. 184-191.
  • Pichler, Sandra: Ein revolutionärer Wandel. Langfristige Auswirkungen der neolithischen Lebensweise auf den Menschen, in: Röder, Brigitte; Bolliger Schreyer, Sabine; Schreyer, Stefan (Hg.): Lebensweisen in der Steinzeit. Archäologie in der Schweiz, 2017, S. 114-115.
  • Lösch, Sandra; Siebke, Inga; Furtwängler, Anna: «Bioarchäologische Untersuchungen der Knochen aus dem Dolmen von Oberbipp, Steingasse», in: Archäologie Bern, 2020, S. 202-230.
19. bis 21. Jahrhundert
Weblinks

Zitiervorschlag

Christine Cooper; Sandra Lösch: "Körperbau", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 02.06.2023. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016307/2023-06-02/, konsultiert am 28.02.2024.