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Turnier

Darstellung eines Turniers im "Hausbuch" der Herren von Hallwyl, um 1581 (Schweizerisches Nationalmuseum).
Darstellung eines Turniers im "Hausbuch" der Herren von Hallwyl, um 1581 (Schweizerisches Nationalmuseum). […]

Das Turnier entstand im 11. Jahrhundert im nordfranzösisch-flandrischen Raum (abgeleitet vom altfranzösischen Begriff tornoier, sich drehen, zu Pferde kämpfen) aus älteren Formen kriegerischer Reiterspiele durch die Reglementierung von Zulassung (Wappenschau, Turnierbücher, Ahnenprobe) und Ablauf. Im 12. Jahrhundert erlebte es im Heiligen Römischen Reich einen Höhepunkt, obwohl wegen Todesfällen wiederholt kirchliche Turnierverbote ausgesprochen wurden. Grössere Turniere fanden in Verbindung mit höfischen Festen auf Einladung eines Fürsten oder spezieller, genossenschaftlich organisierter adliger Gesellschaften wie zum Beispiel der Psitticher und Sterner in Basel statt. Das Turnier war wichtiger Ausdruck des ritterlichen Selbstverständnisses (Rittertum). Die Motive zur Teilnahme reichten von der prunkvollen Selbstdarstellung mit Waffen und Wappen über den möglichen Ruhmerwerb bis zu den finanziellen Interessen an Lösegeld und Turnierpreis. Zu den Formen des Turniers zählte der Turnei, eine Ritterschlacht in zwei Gruppen in voller Rüstung mit Lanze und Schwert, der sich in Einzelkämpfe auflösen konnte, der Buhurt, ein Schaureiten im geschlossenen Verband, und die Tjost, ursprünglich das Eröffnungsmanöver im Massenturnier, ab dem 13. Jahrhundert ein Zweikampf mit eingelegter Lanze (Stechen). Der Adlige kämpfte zu Pferde in voller Ausrüstung mit Schild, Prunkharnisch und Schwert, ab dem 12. Jahrhundert mit der stumpfen Turnierlanze, dem sogenannten Turnierkrönlein. Knappen und Knechte unterstützten ihn. Im Spätmittelalter wurde das Turnier durch nicht adlige Stadtbürger und Bauern nachgeahmt. Das letzte Reichsturnier fand 1487 in Worms statt, fürstliche Turnier wurden noch bis ins 17. Jahrhundert veranstaltet. Bezeugt sind solche bei den Herzögen von Savoyen unter anderem 1422 in Thonon und in Chambéry. Wenn auch im Gebiet der Schweiz fürstliche Höfe als Mittelpunkte ritterlicher Kultur fehlten, sind doch einige regionale Turniere bekannt, zum Beispiel 1270 in St. Gallen, 1319 in Baden, 1361 in Zofingen auf dem Lehenhof Herzog Rudolfs IV. von Habsburg-Österreich, 1368 und 1467 in Zürich, 1381 erneut in Zofingen sowie 1436 in Schaffhausen. In Basel fanden im Spätmittelalter zahlreiche Turniere statt.

Quellen und Literatur

  • W. Schaufelberger, Der Wettkampf in der Alten Eidgenossenschaft, 1972, 45-52
  • W. Paravicini, Die ritterl.-höf. Kultur des MA, 1994, 93-102, 125-127
  • LexMA 8, 1113-1118
  • S. Nadot, Rompez les lances!, 2010
Weblinks

Zitiervorschlag

Franziska Hälg-Steffen: "Turnier", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 30.11.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016329/2012-11-30/, konsultiert am 18.04.2024.