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Honoratioren

Als analyt. Kategorie geht der Begriff der H. auf die Herrschaftssoziologie Max Webers zurück. Er bezieht sich auf Personen, die kraft ihrer ökonom. Situation in der Lage sind, kontinuierlich nebenberufl. Herrschaftspositionen einzunehmen. Zudem geniessen H. eine solche soziale Wertschätzung (Prestige), dass sie bei formal unmittelbarer, d.h. im Wesentlichen direkter, Demokratie dank des Vertrauens ihrer Genossen bzw. Mitbürger zuerst freiwillig und dann traditional die Ämter besetzen können.

H.-Herrschaft ist im Raum der Schweiz v.a. ein Phänomen des 15. bis 18. Jh., wobei sich im Verlauf des 16. und 17. Jh. eine zunehmende Abschliessung und Kontinuität der H. als Herrschaftselite (Eliten) beobachten lässt (Aristokratisierung). Im 19. und 20. Jh. wirkte die H.-Herrschaft v.a. in Milizstrukturen der Verwaltung fort. Die Abschliessung der H. im 16. und 17. Jh. ist weniger auf formale Beschränkungen von Regimentsfähigkeit und Bürgerrecht zurückzuführen, als auf das Erfordernis der Abkömmlichkeit, das sich mit der Herrschaftsintensivierung der Frühneuzeit verstärkte. Zudem ist sie bedingt durch die zunehmende Konzentration krit. Ressourcen wie Zugang zu Offiziersstellen im Solddienst oder protoindustrielles Unternehmertum, welche sich über Klientelismus, Patronage und Netze der Verwandtschaft in polit. Macht umsetzen liessen. Ökonom. Grundlagen der Abkömmlichkeit und Strategien des Zugangs zu Machtpositionen führten bei H. zu einem spezifischen sozialen Habitus.

Quellen und Literatur

  • M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 51972
  • H.C. Peyer, «Die Anfänge der schweiz. Aristokratien», in Luzerner Patriziat, hg. von K. Messmer, P. Hoppe, 1976, 3-28
  • U. Kälin, Die Urner Magistratenfam., 1991