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Patriotische Gesellschaften

Als P. im weiteren Sinne werden alle Gelehrten Gesellschaften bezeichnet, die in der 2. Hälfte des 18. Jh. die Förderung des Gemeinwohls bezweckten und zwischen heimatl. Verbundenheit und weltbürgerl. Offenheit nach Reformen strebten. In der Schweiz organisierte sich der aufgeklärte Patriotismus (Aufklärung) im Umfeld der Helvetischen Gesellschaft. Nach dem jeweiligen Schwerpunkt der gemeinnützigen Tätigkeiten sind die Ökonomischen Gesellschaften zu unterscheiden von den moral. Sozietäten, die bei der Verbesserungsfähigkeit des Individuums ansetzten und durch Sittenkritik, Hebung der Bildung und Linderung von Not die menschl. Gesellschaft zu vervollkommnen trachteten (Moral. Gesellschaft Zürich, 1764-1862). Der Widerstand des Ancien Régime gegen tiefer gehende Veränderungen politisierte die patriot. Bewegung, so in Lesegesellschaften am Zürichsee und in Genfer Zirkeln.

Die P. im engeren Sinne versuchten die Teilnahme des Einzelnen an den öffentl. Angelegenheiten des Staates zu erweitern, indem sie polit. Erziehung und Kenntnis der vaterländ. Geschichte vermittelten. In Bern regte die kosmopolit. Société des citoyens (1762-66), die sich unter Daniel von Fellenberg stark um ausländ. Mitglieder bemühte, den republikan. Diskurs durch Preisausschreiben an. Interventionen der Obrigkeit nahmen in Zürich den Sozietäten der polit. Jugendbewegung um Johann Jakob Bodmer (1698-1783) den revolutionären Schwung. Erfolgreich dank ihren sozialen Werken arbeitet bis heute die 1777 von Isaak Iselin gegr. Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige in Basel. Im 19. Jh. verengte sich der Patriotismus auf Nationalgefühl und eidg. Zusammenhalt. Die zahlreichen gemeinnützigen Tätigkeiten fanden bereits 1810 mit der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft eine dauerhafte nationale Dachorganisation, die vaterländ. Geschichte wurde in Historischen Vereinen verankert.

Quellen und Literatur

  • E. Erne, Die schweiz. Sozietäten, 1988
  • S. Robert, «Les sociétés patriotiques de La Chaux-de-Fonds et du Locle», in Musée neuchâtelois, 1989, 137-150
  • R. Graber, Bürgerl. Öffentlichkeit und spätabsolutist. Staat, 1993