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Niklaus vonDiesbach

Wappen von Niklaus von Diesbach. Relief am Diesbachhaus an der Münstergasse 2 in Bern, um 1470 (Bernisches Historisches Museum) © Fotografie Stefan Rebsamen.
Wappen von Niklaus von Diesbach. Relief am Diesbachhaus an der Münstergasse 2 in Bern, um 1470 (Bernisches Historisches Museum) © Fotografie Stefan Rebsamen. […]

1430, 7.8.1475 Pruntrut, von Bern. Sohn des Kleinrats Loy, der durch Heirat mit Klara von Büren Herr zu Signau geworden war. 1) 1449 Anna von Rüssegg, Tochter des Junkers Henmann II., Herrn zu Büren und Bürgers von Luzern, 2) 1467 Barbara von Scharnachtal, Tochter des Kaspar von Scharnachtal. Von 1439 an erhielt Niklaus von Diesbach in Basel bei Wernlin von Kilchen, Vorsteher der Halbisen-Gesellschaft, eine kaufmännische Ausbildung, die ihn befähigte, sich 1444-1449 auf verschiedenen Reisen nach Spanien (u.a. nach Barcelona) in die Geschäfte der Diesbach-Watt-Gesellschaft einzuarbeiten. Nach seinem Einstieg in die Politik blieb er an der Gesellschaft nur noch finanziell beteiligt. Dank der Mitgliedschaft in der adligen Gesellschaft zum Distelzwang, seiner Freigebigkeit und Redegewandtheit gelang Diesbach ein rascher politischer Aufstieg: 1450 wurde er Grossrat, 1452 Kleinrat anstelle seines verstorbenen Vaters, 1465-1466 und 1474-1475 war er Schultheiss der Stadt Bern. Der ehrgeizige, neuadlige Diesbach versuchte den altadligen Adrian I. von Bubenberg durch eine Wallfahrt zu übertreffen, die ihn nach Jerusalem und zum Katharinenkloster im Sinai führte. Dort wurde er mit seinem Vetter Wilhelm (->) zum Ritter des Ordens der heiligen Katharina vom Berg Sinai geschlagen. 1469 hatte Diesbach die letzten Anteile an den Herrschaften Diessbach und Worb aus der Erbschaft der Geschlechter Kilchen und Bokess an sich gebracht, als im Landgericht Konolfingen der Twingherrenstreit ausgelöst wurde. Diesbach und sein späterer Gegner Adrian I. von Bubenberg kämpften für die Bewahrung der freiherrlichen Rechte gegen die Gruppe um den bürgerlichen Schultheissen Peter Kistler (ca. 1480).

Durch seine Tätigkeit in der Diesbach-Watt-Gesellschaft war Diesbach die wirtschaftliche Bedeutung bewusst geworden, welche die Handelsstrasse durch das Mittelland nach Italien und Spanien für Bern hatte. Durch alte Freundschaftsverträge mit den Nachbarn im Westen sicherte sich Bern die Kontrolle dieser Achse. Von 1471 an war dieses Schutzsystem von Burgund bedroht, was Diesbach frühzeitig erkannte. Graf Jakob von Romont, dem die savoyischen Domänen in der Waadt gehörten, befreundete sich mit Herzog Karl dem Kühnen und wurde 1473 Oberbefehlshaber über ein Drittel der burgundischen Streitkräfte. Seine Schwägerin Herzogin Jolanda setzte wie der Graf von Neuenburg und der Herr von Valangin auf die burgundische Karte. Deshalb versuchte der seit 1463 am Hof des französischen Königs Ludwig XI. verkehrende Diesbach den von ihm 1470 erzielten Neutralitätsvertrag in eine französisch-eidgenössische Offensivallianz zu verwandeln. Aus Enttäuschung, dass Herzog Karl der Kühne zwar die Pfandlande im Sundgau übernommen hatte, nicht aber die Eidgenossenschaft angriff, wandte sich der österreichische Herzog Sigismund gegen Burgund. In Gesprächen am französischen Hof bereitete Diesbach die Ewige Richtung (1474), den Ausgleich mit Österreich, vor. Ludwig XI. kam bei den strittigen Einwendungen der Parteien zum Entwurf von 1472 eine Schiedsrichterfunktion zu. Damit erhielt der Frieden mit Österreich die abschliessende Form, die zugunsten der Eidgenossenschaft ausfiel. Diesbach setzte seinen antiburgundischen Kurs fort, indem er im gleichen Jahr mit Ludwig XI. ein französisch-eidgenössisches Bündnis aushandelte, das den Eidgenossen jährlich 20'000 Gulden Pension und Diesbach persönlich den Titel "Kammerherr des französischen Königs" eintrug. Er setzte sein diplomatisches Geschick auch für das Zustandekommen eines Bündnisses der acht Orte samt Solothurn mit den Mächten der Niederen Vereinigung am Oberrhein und mit Herzog Sigismund ein. Nach dem Erfolg dieses Bündnisses bei Héricourt verlangte Diesbach an der Jahreswende 1474/1475 – erneut gegen den Willen Adrians I. von Bubenberg – die gemeinsame Aktion der französisch-eidgenössischen Offensivallianz. Der Erfolg von Diesbachs politischem Handeln stellte sich für Bern und die Eidgenossenschaft erst nach dessen Tod ein. Niklaus von Diesbachs Bedeutung bestand darin, dass er der bernischen Eroberungspolitik den Weg nach Westen wies, der 1536 erfolgreich weitergeführt wurde.

Quellen und Literatur

  • K. Bittmann, Ludwig XI. und Karl der Kühne, 1970
  • A. Gasser, «Ewige Richtung und Burgunderkriege», in SZG 23, 1973, 697-749
Weblinks
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Zitiervorschlag

Ulrich Moser: "Diesbach, Niklaus von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.06.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016669/2009-06-25/, konsultiert am 29.01.2023.