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ThomasMassner

Fuhrmannsbrief von 1755 für das Haus Massner in Chur (Staatsarchiv Graubünden, Chur, Wirtschaftsarchiv Salis-Massner, A Sp III/9a).
Fuhrmannsbrief von 1755 für das Haus Massner in Chur (Staatsarchiv Graubünden, Chur, Wirtschaftsarchiv Salis-Massner, A Sp III/9a). […]

30.9.1663 Chur, 3.9.1712 Feldkirch, ref., von Chur. Sohn des Johannes. Ursina Stampa, Tochter eines Speditors in Chiavenna. M. wird 1696 als Transportunternehmer erwähnt. Seine Firma Thomas Massner & Sohn in Chur erlangte bald eine führende Stellung. Als Kaufmann engagierte sich M. im Reis-, Wein-, Textil- und Metallhandel, als Bankier im Wechsel- und Kreditgeschäft. Im Dienst fremder Mächte versuchte er, seine Verbindungen für polit. Zwecke zu nutzen, so als Agent für die franz. Botschafter in Solothurn und die Gesandten in Chur. Nachdem Pläne zur Bildung eines Bataillon M. gescheitert waren, wechselte er 1702 ins österr. Lager und war bis 1704 kaiserl. Contrebande-Kommissar (zur Verhinderung des feindl. Waffenschmuggels). Diese Stellung machte er für seine Firma nutzbar und betätigte sich im Pferdehandel, im Soldgeschäft und wahrscheinlich auch in der Falschmünzerei. 1706 agitierte M. für eine Allianz der Drei Bünde mit Venedig, 1707 im Dienste des engl. Gesandten für das Passtraktat mit den Seemächten. 1684 wurde er in die Churer Schneiderzunft aufgenommen, 1686 zum Zunftmeister, 1688 zum Fähnrich, 1699 zum Oberzunftmeister und 1703 zum Ratsherrn gewählt. 1704 ersteigerte er mit Otto Schwarz die Zollpacht der Drei Bünde, ab 1707 amtierte er als Truppenkommissär beim Durchmarsch fremder Heere, ab 1708 als Inspektor für die von ihm angeregte Wegverbesserung an der Südseite des Splügenpasses. Die bereits gekauften Ämter des Podestà von Traona und des Maienfelder Landvogts konnte er nicht mehr antreten. 1710 wurde sein einziger Sohn bei Genf als Pfand für angebl. Geldforderungen nach Frankreich entführt, was M. mit der Gefangennahme des Prinzen von Vendôme beantwortete. Der daraus entstandene Massnerhandel fand europaweit Echo und wurde als Konflikt zwischen Frankreich und Österreich interpretiert. Das Ilanzer Strafgericht verurteilte M. 1711 in Abwesenheit zum Tod und zog sein Vermögen ein. M., der als Kaufmann und Unternehmer Karriere machte, konnte seine polit. Ambitionen nicht verwirklichen.

Quellen und Literatur

  • M. Hilfiker, Thomas M. 1663-1712, 1978
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