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Johann Gaudenz vonSalisSeewis

Gipsmodell der von Ludwig Keiser in klassizistischem Stil gefertigten Grabbüste, 1866 (Rätisches Museum, Chur).
Gipsmodell der von Ludwig Keiser in klassizistischem Stil gefertigten Grabbüste, 1866 (Rätisches Museum, Chur). […]

20.12.1762 Malans, 29.1.1834 Malans, reformiert, von Seewis im Prättigau, Malans und Chur, ab Dezember 1798 Bürger der Helvetischen Republik. Sohn des Johann Ulrich (->). Bruder des Johann Ulrich (->). Schwager von Daniel (->), Karl Ulysses (->) und Vincenz (->). Französischer Graf. 1793 Ursina von Pestalozzi, Tochter des Johann Jakob, Solddienstoffiziers. Erziehung durch Hauslehrer, 1778-1779 Institut Bugnon in Lausanne. 1779 Fähnrich im französischen Schweizergarderegiment, 1786 Erster Unterleutnant, 1786-1792 Hauptmann im Schweizerregiment von Salis-Samedan, 1792-1793 Adjutant im Generalstab der französischen Südarmee, danach Rückkehr nach Graubünden. 1793-1798 Anhänger der Patriotenpartei. 1794 arbeitete Johann Gaudenz von Salis einen Plan zur Verbesserung des Schulwesens und eine Kriegsverfassung für Graubünden aus. 1796 und 1797 war er Mitglied des Zuzugs (erweiterte Regierung). 1798 wurde er vom Strafgericht zu einer Geldbusse verurteilt; im Oktober floh er in die Helvetische Republik. 1798-1799 fungierte er als Generalinspektor der Miliz des Kantons Zürich, 1799 als Generaladjutant und Chef des helvetischen Generalstabs und 1799-1801 wieder als Milizinspektor des Kantons Zürichs. 1801 war er Mitglied des Gesetzgebenden Rats und der helvetischen Tagsatzung, 1802-1803 Mitglied des helvetischen Obersten Gerichtshofs.

Dem Kanton Graubünden diente er 1803-1809 und 1821-1824 als ordentliches Mitglied des Oberappellationsgerichts. 1805-1809 und 1812-1814 vertrat er als Grossrat die Hochgerichte Maienfeld bzw. Schiers/Seewis. 1806-1807, 1813-1816 und 1819-1820 war er Mitglied der Standeskommission, 1807-1808 und 1814-1815 Bundsstatthalter, 1808-1809 sowie 1818-1819 Bundslandammann des Zehngerichtenbundes und als solcher Mitglied der Kantonsregierung, ausserdem 1814 Mitglied der Verfassungskommission. 1805-1834 gehörte er der Militärkommission an (1814-1834 Präsident). Als Kantonsoberst (1814-1834), eidgenössischer Oberst (1818-1834) und Mitglied der eidgenössischen Militäraufsichtsbehörde (1822) erwarb er sich grosse Verdienste um das bündnerische und das eidgenössische Militärwesen. 1820-1830 nahm er im Churer Kleinen Rat Einsitz, 1822-1830 amtierte er abwechselnd als Amtsstadtvogt und ruhender Stadtvogt von Chur. 1786 wurde er in die Pariser Freimaurerloge Bienfaisance aufgenommen, 1817 zählte er zu den Gründern der Churer Freimaurerloge Libertas et Concordia. 1789 trat er der Helvetischen Gesellschaft bei, 1811 wurde er Ehrenmitglied der Schweizerischen Musikgesellschaft. Als Lyriker war er dem Umfeld des Göttinger Hainbunds zuzurechnen und von Friedrich Gottlieb Klopstock, Ludwig Christoph Heinrich Hölty und Friedrich von Matthisson beeinflusst. Ab 1783 veröffentlichte Salis lyrische Beiträge in deutschen und schweizerischen Musenalmanachen und Literaturzeitungen. Seine Stimmungsdichtung zu Themen wie Natur, Heimweh oder Vaterland wurde teilweise vertont, unter anderem von Franz Schubert. Salis behielt den Göttinger Stil über die Romantik hinaus bis ins Biedermeier bei.

Quellen und Literatur

  • Gedichte / Gesammelt durch seinen Freund Friedrich Matthisson, 1793 (mehrere Aufl.)
  • Gesammelte Gedichte, hg. von C. Erni, 1964
  • StAGR
  • A. Frey, J. Gaudenz von Salis-Seewis, 1889
  • A. Rufer, Johann Gaudenz v. Salis-Seewis als Bündner Patriot und Helvet. Generalstabschef, 1938
  • Kosch, Deutsches Literatur-Lex. 13, 727 f.
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Zitiervorschlag

Andreas Fankhauser: "Salis, Johann Gaudenz von (Seewis)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 12.01.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016949/2012-01-12/, konsultiert am 14.08.2022.