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MontePiottino

Tiefe Schlucht, welche die mittlere von der oberen Leventina trennt und das grösste natürl. Hindernis für den transalpinen Verkehr durch die Leventina ist. 1357 in Monte Platino, dt. 1351 Platifer. Wiederholt und v.a. nach der Erschliessung des Gotthards für den Warenverkehr zu Beginn des 13. Jh. sahen sich die lokalen Behörden gezwungen, nach neuen Lösungen zur Überwindung des P. zu suchen. Zuerst wurde der Fussweg zwischen Faido und Prato genutzt. Dabei passierten die Säumer das Maiensäss Piana Selva, wo die älteste Zollstelle, der dazio antico stand. Auf Druck der Mailänder Gesellschaft der Kaufleute wurde am rechten Hang der Schlucht ein neuer, leichter passierbarer Saumpfad gebaut, an dessen höchstem Punkt die Zollstelle stand. 1351 wurde unter Berücksichtigung der Urner Interessen am Gotthard der P. in den sog. Hilfskreis des Zürcher Bundes aufgenommen.

Nachdem die Leventina 1441 an Uri gekommen war, wurde nahe der höchsten Stelle der Schlucht ein grösseres Zollgebäude, der dazio vecchio errichtet, der auch als Sust und Hospiz diente. Die Verwaltung lag vermutlich bei Antonio de Monte Platino, der 1457 als Statthalter des Urner Vikars erwähnt wird. Kurz nach 1550 finanzierte Uri den Bau einer Strasse, die neu direkt durch die Schlucht führte. Am nördl. Ausgang des P. in Rodi, einer Fraktion der Gem. Prato, kam die neue Zollstelle, der dazio grande zu stehen. Die kant. Fahrstrasse von 1819 folgte dem Verlauf dieser sog. Urnerstrasse. Obschon sie durch Überschwemmungen häufig zerstört worden war, wurde sie erst 1935 nach der Eröffnung der neuen Kantonsstrasse entlang der linken Talseite nicht mehr benutzt. Nach der 1882 eröffneten Gotthardbahn und dem 1982-83 erstellten Abschnitts der Autobahn A2 bietet die Schlucht einen einmaligen verkehrsgeschichtl. Überblick über 700 Jahre techn. Lösungen zur Überwindung natürl. Hindernisse beim Bau von Transitwegen durch die Alpen.

Quellen und Literatur

  • MDT, Ser. 1
  • G. Bellini, «La strada cantonale nella gola del Piottino», in Bull. IVS 1993, Nr. 2, 36-42
  • M. Fransioli, Dalpe, 2002, 87-97