de fr it

Livineraufstand

Die Spannungen in der Landvogtei der Leventina ab Mitte des 17. Jh. (Ländliche Unruhen) brachten die Talleute des Untertanengebiets immer stärker in Opposition zur Urner Herrschaft. Sie spitzten sich 1754 zu, als sich die Talschaftsversammlung (parlamento) gegen eine von Uri angeordnete Überprüfung der Verwaltung der Mündelgüter zur Wehr setzte und die Bestätigung der alten Rechte und Freiheiten (Statut von 1713) verlangte, die ihrer Ansicht nach mehrfach missachtet oder widerrufen worden waren. Der Widerstand gipfelte am 8.5.1755 in der Verhaftung des Urner Landvogts. Die Urner besetzten daraufhin mit Hilfe von eidg. Truppen umgehend das Tal und unterdrückten den Aufstand mit harter Hand. Sie führten ein neues, restriktiveres Statut ein, schafften die Talschaftsversammlung ab und stärkten die Macht des Landvogts. Die für den Aufruhr verantwortlich gemachten Anführer Giovan Antonio Forni, Lorenzo Orsi und Giuseppe Sartore wurden am 2.6.1755 öffentlich hingerichtet. Die Niederschlagung des Aufstands - bereits Zeitgenossen hielten die Urner Reaktion als unverhältnismässig - führte zu einer polit. und ökonom. Verschlechterung der Lage in der Leventina und blieb in der Erinnerung der Leventiner sehr präsent.

Quellen und Literatur

  • P. Felder, «Ansätze zu einer Typologie der polit. Unruhen im schweiz. Ancien Régime 1712-1789», in SZG 26, 1976, 324-389
  • M. Fransioli, «Documenti inediti sulla rivolta leventinese del 1755», in Carte che vivono, hg. von D. Jauch, F. Panzera, 1997, 145-158
  • La rivolta della Leventina, hg. von M. Fransioli, F. Viscontini, 2006