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Union de Fribourg

Vereinigung europäischer katholischer Notabeln zur Vorbereitung einer Enzyklika über soziale und wirtschaftliche Fragen des späten 19. Jahrhunderts. Die Auswirkungen der industriellen Revolution auf die Gesellschaft regten auch in der katholischen Kirche eine grundsätzliche Reflexion über Wirtschaftskapitalismus und Arbeiterschaft an. In Deutschland, Österreich-Ungarn und Frankreich bildeten sich dazu Studienzirkel, die sich vor allem aus Vertretern des Hochadels zusammensetzten. Ihnen gemein war die Ablehnung des Wirtschaftsliberalismus und des Sozialismus, verbunden mit der Hochschätzung des antiliberalen Papsttums. 1884 schlug der sozial sensible Gaspard Mermillod, Bischof von Lausanne und Genf, die Gründung eines Kontaktorgans der nationalen Studienkreise vor, das im katholisch-konservativen Kanton Freiburg tagen sollte. In diesem Union de Fribourg genannten Gremium dominierten unter den Franzosen Louis Milcent und René de la Tour du Pin, in der deutsch-österreichischen Sektion traten Fürst Karl von Löwenstein, Prinz Aloys von Liechtenstein und die Grafen Gustav von Blome und Franz von Kuefstein hervor. Die 15 Schweizer im Komitee waren nur Nominalmitglieder, einzig Caspar Decurtins spielte eine aktive Rolle. Unter den Forderungen, welche die Union de Fribourg erhob und die langfristig Erfolg hatten, ist besonders jene nach Selbsthilfe der Arbeiter und internationalem Arbeiterschutz hervorzuheben. Auf die Enzyklika "Rerum novarum" zur Arbeiterfrage 1891 übte die Union de Fribourg einen bedeutenden, aber keineswegs exklusiven Einfluss aus. Die Redaktoren der Enzyklika gingen auf die korporatistischen Vorstellungen der Union de Fribourg nicht ein. Diese fanden erst 1931 Eingang in die Enzyklika "Quadragesimo anno" von Pius XI. Nach dem Erscheinen der Enzyklika und dem Tod Mermillods 1892 trat die Union de Fribourg in den Hintergrund. Die Freiburger Erinnerungskultur hat ihre Bedeutung zeitweilig überschätzt.

Quellen und Literatur

  • P. Chenaux, «Les origines de l'Union de Fribourg», in "Rerum Novarum", 1997, 255-266
  • L'internationale noire 1870-1878, hg. von E. Lamberts, 2002
  • M. Botos, «La postérité de l'Union de Fribourg dans la mémoire catholique», in SZRKG 100, 2006, 305-314
Weblinks

Zitiervorschlag

Victor Conzemius: "Union de Fribourg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.05.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/017380/2012-05-15/, konsultiert am 16.06.2024.