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Tamponnement

Der Entscheid der beiden engeren Räte Genfs, des Rats der Zweihundert und des Kl. Rats, den Bau einer neuen Stadtmauer ohne vorherige Konsultation des Generalrats durch eine Reihe indirekter Steuern zu finanzieren (1714-15), löste mit einiger Verzögerung die zweite Episode der Genfer Revolutionen aus, die 1734-38 in der T.-Affäre gipfelte. Auf einer feierl. Kundgebung forderte die Mehrheit der Genfer Alt- und Neubürger am 4.3.1734, dass die Steuerhoheit des Generalrats wiederhergestellt werde. Im Wissen, dass eine Weigerung heftige Reaktionen nach sich ziehen würde, und eingedenk der mögl. Folgen für den Fortbestand des polit. Systems, das auf der Konzentration der Macht in den Händen einer minoritären Oligarchie basierte, beauftragte die Regierung einige Magistraten, darunter Jean Trembley, Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen. Eine davon bestand darin, einen Teil der Festungsartillerie für eine eventuelle Verwendung durch die protestierenden Alt- und Neubürger unbrauchbar zu machen, indem die Kanonenrohre mit Hilfe von zylinderförmigen Holzstücken (franz. tampons) verstopft wurden. Dieser bald aufgedeckte und am 2. Juli publik gemachte Sabotageakt wurde zum Sinnbild der erneuten polit. Krise und liess die Gefahr einer Kraftprobe bedrohlich ansteigen. Die Stadt lebte lange in wachsender Spannung; sie bewahrte zwar den Schein der Legalität, doch die Drohung eines Staatstreichs durch Bernard de Budé schwebte ständig über ihr. Nachdem die Genfer Regierung während des eintägigen Bürgerkriegs vom 21.8 bis 22.8.1737 sich ihrer Ohnmacht bewusst geworden war, ersuchte sie Bern, Zürich und das benachbarte Frankreich um Vermittlung. Erst das von diesen vorgelegte "Réglement […] pour la pacification des troubles [...]", das der Generalrat am 8.5.1738 verabschiedete, brachte eine Entspannung der Lage.

Quellen und Literatur

  • Histoire de Genève des origines à 1798, 1951, 414-442
  • J. Sautier, La Médiation de 1737-1738, 2 Bde., 1979
  • A. Gür, «Les lettres "séditieuses" anonymes de 1718, étude et textes», in BHG 17, 1981, 129-205
  • G. Silvestrini, Alle radici del pensiero di Rousseau, 1993
  • Kdm GE 3, 2010, 231-249