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Jean Daniel AbrahamDavel

Major Davel. Öl auf Leinwand von Charles Gleyre, um 1850. Reproduktion des Werks, bevor es 1980 von einem Vandalen beschädigt wurde (Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne).
Major Davel. Öl auf Leinwand von Charles Gleyre, um 1850. Reproduktion des Werks, bevor es 1980 von einem Vandalen beschädigt wurde (Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne). […]

20.10.1670 Morrens (VD), 24.4.1723 Vidy (Gemeinde Lausanne), reformiert, von Riex. Sohn des François (1676), Pfarrers, und der Marie Langin. Ledig. Ab 1676 lebte Jean Daniel Abraham Davel in Lausanne, wo er das Collège besuchte. Ab 1688 war er als Notar des Vogts und Vermessungskommissar in Cully tätig. 1692 trat er in die Dienste Wilhelms III., des Statthalters der Niederlande und König von England; 1708-1711 diente er dem französischen König. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war er ab 1712 wieder Notar in Cully. Im selben Jahr nahm er am Zweiten Villmergerkrieg teil, in dem er sich durch seine kühle Gelassenheit auszeichnete. Bern ernannte ihn 1717 zum grand-major (daher sein Name Major Davel) und zum Kommandanten des Kreises Lavaux. Die Unzufriedenheit der Waadtländer, die vor allem in den Auseinandersetzungen um die Formula Consensus zum Ausdruck kam, und der Glaube, von Gott berufen zu sein (eine junge Frau, die sogenannte schöne Unbekannte, hatte ihm während der Weinlese 1691 sein Schicksal vorausgesagt), bewogen Davel, die Befreiung der Waadt zu planen. Am 31. März 1723, als alle Vögte zur Neuverteilung der Regierungsämter in Bern weilten, mobilisierte der Major 600 Mann und marschierte mit ihnen nach Lausanne. Im Rathaus sprach er zu den Ratsherren der Stadt, die vortäuschten, ihm zuzustimmen. Sie benachrichtigten jedoch die bernische Obrigkeit, die Davel am nächsten Morgen verhaften liess. Sein mehrere Seiten umfassendes Manifest, in dem er die Berner Herrschaft heftig anklagte, wurde als Akt der Rebellion beurteilt. Das Lausanner Gericht der Bürger der Rue de Bourg verurteilte ihn zum Tode durch Enthauptung.

Die bernische Obrigkeit versuchte, die politische Botschaft Davels zu entkräften, indem sie den Major als Aussenseiter und Erleuchteten diskreditierte. Sie konnte aber nicht verhindern, dass Berichte über das Ereignis zirkulierten. Man achtete Davels Mut und seine Seelengrösse. Später wurde Davel zum waadtländischen Freiheitshelden, jedoch noch nicht während der waadtländischen Revolution 1798, sondern erst ab 1840, als der freie Zugang zu den Archivdokumenten ein besseres Verständnis des Aufstandes gestattete. Juste Olivier war der Erste, der 1842 diese Quellen auswertete. Frédéric-César de la Harpe, der die offizielle Einschätzung von Davels Handlungen zunächst geteilt hatte, verteidigte schliesslich dessen Andenken. 1839 wurde in der Lausanner Kathedrale eine Gedenktafel angebracht. Denkmäler, literarische Darstellungen, Dramen, Gemälde (v.a. jenes von Charles Gleyre, 1850), historische Arbeiten und Gedenkfeiern machten den Major endgültig zum Freiheitshelden des waadtländischen Volkes und zum Märtyrer, der es gewagt hatte, Bern die Stirn zu bieten.

Quellen und Literatur

  • BCUL, Nachlass
  • M. Mercier-Campiche, L'affaire Davel, 1970
  • Encycl.VD 4, 149-153
  • G. Coutaz, «Etude historiographique et archivistique des documents de l'affaire Davel», in RHV, 1989, 21-56
Von der Redaktion ergänzt
  • Coutaz, Gilbert: Le Major Davel. Naissance du premier patriote vaudois, 2022.
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Zitiervorschlag

Gilbert Coutaz: "Davel, Jean Daniel Abraham", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.08.2005, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/017814/2005-08-22/, konsultiert am 05.12.2022.