de fr it

Hans RudolfWerdmüller

6.2.1614 Zürich, 16.12.1677 Villingen (Schwarzwald), reformiert, ab ca. 1672 katholisch, von Zürich. Sohn des Hans Rudolf, Seidenkaufmanns, und der Barbara Wydenmann (->). Bruder des Hans Georg (->). 1633 Anna von Reinhard, Tochter des Bernhard, Amtmanns. Sein Stiefvater Hans Caspar Schmid begeisterte Hans Werdmüller für eine militärische Laufbahn. So studierte er in Genf und Lyon unter anderem Militärtechnik, reiste durch Frankreich und trat während des Dreissigjährigen Kriegs 1632 in den Dienst des französischen Königs. 1633-1634 diente er im schwedischen Heer von Gustav Karlsson Horn und 1635-1637 wieder auf französischer Seite als Oberstleutnant im Regiment seines Stiefvaters im Veltlin. Als sich Henri de Rohan aus Graubünden zurückzog, folgte ihm Werdmüller. 1642-1647 stand er erneut in schwedischem Dienst, ab 1643 als Oberst. Daneben beteiligte er sich 1646 an der militärischen Befriedung des Wädenswiler Aufstands. 1648-1650 kommandierte er unter schwierigen Umständen ein zürcherisch-bernisches Regiment im venezianischen Dalmatien, worauf er sich in Zürich für seine Härte verantworten musste. Nach der Rückkehr liess er einen Landsitz auf der Halbinsel Au bauen. 1653 wirkte er als Zürcher Generalstabschef im Bauernkrieg. 1655 folgte die Wahl in den Kleinen Rat von Zürich. Im Ersten Villmergerkrieg von 1656 befehligte Werdmüller die Zürcher Truppen. Nach der gescheiterten Belagerung von Rapperswil (SG) und diversen Gunstbezeugungen des französischen Königs wurde der talentierte, aber eigensinnige und ehrgeizige Offizier wegen Landesverrats und Gotteslästerung angeklagt und 1659 aus dem Rat ausgeschlossen. Er zog nach Frankreich, erhielt dort aber keine befriedigende Stellung. 1663 trat er zu Venedig über und kämpfte als Generalleutnant unter anderem auf Kreta gegen die Türken. 1672 stellte er sich in den Dienst Kaiser Leopolds I., konvertierte und bewährte sich im Krieg gegen Frankreich, vor allem 1673 bei Bonn und 1676 bei Philippsburg (Baden, D). Conrad Ferdinand Meyer setzte ihm mit der Novelle "Der Schuss von der Kanzel" (1877) ein literarisches Denkmal.

Quellen und Literatur

  • L. Weisz, Die Werdmüller 1, 1949
  • A. Pestalozzi, Auf den Spuren von General Johann Rudolf Werdmüller in der Ägäis, 1664-1667, 1973
  • Livre du Recteur 6, 229
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Rainer Henrich: "Werdmüller, Hans Rudolf", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.10.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/018205/2013-10-03/, konsultiert am 03.12.2023.