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Jean de Liège

Zwischen 1383 und 1393 in Savoyen und in der Waadt erwähnt, wahrscheinlich fläm. Abstammung. Jeannette de Beaujeu, Zimmermädchen der Bonne de Bourbon, Gräfin von Savoyen. J. darf nicht mit gleichnamigen, in Frankreich und im Burgund tätigen Bildhauern verwechselt werden. Der ausgebildete Zimmermann stand ab 1383 im Dienste des Hauses Savoyen, war Bauleiter der Grafschaft und mit der Errichtung der befestigten Kartause Pierre-Châtel (Ain) beauftragt. Vor 1387 vergrösserte er die Franziskanerkirche Lausanne und schuf deren Chorgestühl, das er mit einem Verstext signierte. Seine Tätigkeit als Bildhauer ist gut belegt (Statue des Hl. Geistes, 1385-88). In der gleichen Zeit schuf J. wahrscheinlich das Gewölbe des Kirchenschiffs La Madeleine in Genf. Er war oberster Zimmermann und Maurer aller savoyischen Burgen (Montorge im Wallis 1384, Chillon 1388, Bonneville in Hochsavoyen und Les Clées in Morges 1389, Verrue im Piemont 1387) und widmete sich v.a. den Arbeiten an der Burg Ripaille bei Thonon. 1383-91 plante und schuf er dort versch. Ausbauarbeiten, so eine Holzkapelle und - nach einem Pariser Modell - einen grossen quadrat. Turm. Der vielseitig begabte J. gehörte zum engeren Kreis der Bonne de Bourbon. Vermutlich musste er Savoyen verlassen, als die Gräfin 1393 gezwungen wurde, ihre Macht abzugeben.

Quellen und Literatur

  • M. Bruchet, Le château de Ripaille, 1907, 26, 337-361, 365-371, 386
  • Kdm VD 1, 1965, 239; 4, 1981, 396
  • La maison de Savoie en Pays de Vaud, Ausstellungskat. Lausanne, 1990, 80
  • M. Grandjean, «Les architectes "genevois" hors des frontières suisses à la fin de l'époque gothique», in UKdm 43, 1992, Nr. 1, 90 f.
  • P. Broillet, N. Schätti, «J.», in L'histoire en Savoie 6, 1994, 2-7
  • Kdm GE 2, 2001, 107 f.
  • M. Grandjean, «La chapelle des Macchabées à Genève (1397-1405), le maître d'oeuvre Colin Thomas et les débuts de l'architecture gothique flamboyante», in Genava, NF 52, 2004, 29f.
Kurzinformationen
Lebensdaten Ersterwähnung 1383 Letzterwähnung 1393