de fr it

MichelRoset

Porträt des Magistraten. Öl auf Leinwand eines unbekannten Künstlers, 16. Jahrhundert (Bibliothèque de Genève).
Porträt des Magistraten. Öl auf Leinwand eines unbekannten Künstlers, 16. Jahrhundert (Bibliothèque de Genève).

15.6.1534, 26.8.1613 Genf, ref., Bürger von Genf. Sohn des Claude (->). 1) 1553 Philippa de la Mer, Tochter des Pierre, 2) Claude de Roches, Tochter des François. Schwager des Nicolas Lefer. Mit 13 Jahren wurde R. mit Empfehlung zu Heinrich Bullinger nach Zürich geschickt, wo er Deutsch lernte und mit der städt. Elite bekannt wurde. Diese damals seltenen Kenntnisse machten ihn später zum Spezialisten für die Genfer Beziehungen zu den eidg. Orten. Wieder in Genf unterstützte er wie sein Vater die Reformationsbestrebungen Johannes Calvins. R. durchlief - auch bedingt durch sein langes Leben - eine einzigartige polit. Karriere mit verschiedenen öffentl. Ämtern. Beim Sieg der Calvinisten 1555 wurde er in den Rat der Zweihundert gewählt und folgte im selben Jahr seinem Vater als Staatsschreiber nach. Bis zu seinem Tod reiste er während 57 Jahren unermüdlich nach Bern, Zürich, Solothurn, Turin und Chambéry und amtierte 1560-1612 abwechselnd alle vier Jahre als Syndic bzw. als Erster Syndic. 1562 verfasste R. für den Rat "Les chroniques de Genève": In der für seine Zeit üblichen, schicksalsgläubigen Art beschrieb er die Freiheiten, die Genf auf Kosten der Savoyer und der "Papisten" erreicht hatte, als ein Werk der göttl. Vorsehung. Sein Mitwirken an der Charta der Stadt Genf stellte wahrscheinlich einen weiteren Faktor seines diplomat. Erfolgs dar. R. war einer der wichtigsten Baumeister der Abkommen, die Genf im 16. Jh. zur Wahrung seiner Sicherheit und seiner Unabhängigkeit schloss: 1557 die Erneuerung des Burgrechts mit Bern, 1579 den Solothurner Vertrag, der Genf den Schutz des franz. Königs sicherte, 1584 das Burgrecht mit Bern und Zürich sowie 1603 den Frieden von Saint-Julien. R. war Theodor Beza eng verbunden und war mit diesem eine der einflussreichsten Genfer Persönlichkeiten der 2. Hälfte des 16. Jh. Seine Grabinschrift nennt ihn "Landesvater".

Quellen und Literatur

  • Les Chroniques de Genève, hg. von H. Fazy, 1894, (mit Biogr.)
  • J.-A. Gautier, Histoire de Genève des origines à l'année 1691, 3-6, 1896-1903
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Nicollier, Béatrice: "Roset, Michel", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.05.2012, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/018703/2012-05-25/, konsultiert am 23.10.2020.