de fr it

Jeanne deJussie

1503 Jussy, 7.11.1561 Annecy, von Jussy. Tochter des Louis, Junkers, und der Jeanne (Nachname unbekannt). J. besuchte die Töchterschule in Genf, trat 1521 in das Genfer Klarissenkloster ein und wurde bald zu dessen Schreiberin. Im Aug. 1535 flüchteten die Nonnen aus der Stadt ins Kloster Sainte-Croix in Annecy. 1548 wurde J. zur siebten Äbtissin der Gemeinschaft ernannt. Dieses Amt übte sie bis zu ihrem Tode aus. Wahrscheinlich begann sie 1535 mit der Niederschrift der "Kleinen Chronik", die sie zwischen 1541 und 1546 beendete. Der in Form und Inhalt überarbeitete Text erschien erstmals 1611 in Chambéry unter dem Titel "Le Levain du calvinisme ou commencement de l'hérésie de Genève".

Die Chronik setzt mit dem Burgrechtsvertrag ein, den Genf 1526 mit Bern und Freiburg schloss. J. berichtet danach über die Ereignisse von 1530, dann über die Anfänge der Reformation in der Stadt, über die wachsenden Spannungen zwischen Katholiken und Reformierten, die zu Gewalt führten und in den Bildersturm mündeten, sowie über den Druck Berns auf die Genfer Behörden, zum neuen Glauben überzutreten. Trotz der Klausur war J. gut informiert. Im Aug. 1535 war sie Zeugin des Überfalls des Volkes auf ihr Kloster. Sie erzählt von den Drohungen gegen die Schwestern, von den angsterfüllten Wochen, bis die Syndics der Gemeinschaft erlaubten, die Stadt zu verlassen, und schliesslich von der Reise von Genf nach Annecy. Die "Häretikerinnen" (darunter die von ihr verabscheute Marie Dentière) drängten J., das Klosterleben aufzugeben, doch sie weigerte sich heftig. Sie war entsetzt über die Praktiken der Reformierten und blieb ihrem Glauben treu. So schrieb sie Ihre Genesung 1535 dem hl. Romanus zu. Die Chronik schildert eine für Genf entscheidende Epoche und gibt einen guten Einblick in die kath. und savoyenfreundl. Partei.

Quellen und Literatur

  • Kleine Chronik, hg. von H. Feld, 1996 (altfranz. Text, dt. Einleitung und Kommentar)
  • L. Mottu-Weber, «Jeanne de J.», in Les Femmes dans la mémoire de Genève, hg. von E. Deuber Ziegler, N. Tikhonov, 2005, 42 f.
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF