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CarlBöckli

23.9.1889 St. Gallen, 4.12.1970 Heiden, reformiert, von Waltalingen, ab 1907 von Zürich. Sohn des Johannes, Kaufmanns, und der Berta geborene Bissegger. 1928 Maria Geiger, Tochter des Johannes, Stickers. Schulen in Zürich-Wiedikon, 1906 Kunstgewerbeschule Zürich, 1906-1908 Kunstgewerbeabteilung des Technikums Winterthur. Grafiker in Mailand, Lissabon und Karlsruhe; freier Reklamezeichner in Karlsruhe, 1917-1919 Schalterbeamter der Deutschen Reichspost, 1919-1922 eigenes Grafikstudio in St. Gallen, 1920 Zeichenlehrer am Institut Schmidt in St. Gallen und bis 1928 an der Buchdrucker-Fachschule St. Gallen. Mitarbeiter (1922-1927) und Redaktor (1927-1962) des Nebelspalters. Carl Böckli machte aus dem bislang serbelnden Witzblatt eine renommierte kritisch-satirische Zeitschrift, die zu einer eigentlichen "nationalen Institution" wurde. Seine besten Karikaturen erschienen zwischen 1928-1968 in zahlreichen Publikationen. Verschiedene Ausstellungen seit 1927; mehrere Gedächtnisausstellungen nach 1970. Ehrengabe der Stadt Zürich 1949, Ehrenmitglied Zofingia 1953, Ehrenbürger von Waltalingen 1965, Ehrendoktor der Universität Zürich 1966, Ehrengrabplatte der Gemeinde Heiden 1986.

Karikatur von Carl Böckli aus dem Nebelspalter, 1942, Nr. 3 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, e-periodica).
Karikatur von Carl Böckli aus dem Nebelspalter, 1942, Nr. 3 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, e-periodica). […]

Böcklis Werk steht in der Tradition Wilhelm Buschs. Das Markenzeichen seiner mit "Bö" signierten Karikaturen war die Verbindung von Bild (meist als Linearzeichnung) und satirischem Text im von ihm erfundenen allemand fédéral, einer Vermischung von Dialekt und Hochsprache. Politisches Gewicht erhielten sie besonders in den 1930er Jahren und während des Zweiten Weltkriegs; als Pionier des geistigen Widerstands focht Böckli so seinen persönlichen Kampf gegen totalitäre Ideologien. Sein Schaffen wurde deshalb oft auf diesen Kampf gegen braune und rote Fäuste reduziert. Zu Unrecht, denn Böckli war ein steter Kämpfer gegen Opportunismus, ein umfassender Zeitkritiker mit untrüglichem Urteil. Sein Lieblingsthema war die Reaktion des Schweizers auf drängende Zeitfragen. Trotz aller Kritik hatten seine Zeichnungen stets einen versöhnlichen Charakter. Mit der Gründung der Bö-Stiftung in Heiden 2012, welche die Erinnerung an den Karikaturisten und dessen geistiges Erbe erhalten will, wurde im Museum Heiden auch eine Dauerausstellung über Böckli und sein Werk eröffnet.

Quellen und Literatur

  • Archiv für Zeitgeschichte, ETH Zürich, Zürich, Nachlass (mit Katalog, hg. von F. Brunner, 1975)
  • Museum Heiden, Heiden, Bö-Archiv, Dokumentation
  • Carl Böckli – Seine Zeit – Sein Werk, 1989
  • Grosse Schweizer und Schweizerinnen, hg. von E. Jaeckle, E. Stäuble, 1990, 624-629
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Kurzinformationen
Variante(n)
Bö (Pseudonym)
Lebensdaten ∗︎ 23.9.1889 ✝︎ 4.12.1970