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vonLenzburg

Unter dem Namen von Lenzburg ab 1077 bezeugtes ostschweizerisches Grafengeschlecht, als dessen Sitz ebenfalls 1077 die Lenzburg erwähnt ist. Die in der älteren Forschung postulierte Abstammung des Geschlechts von den Westschweizer Grafen von Fenis kann als widerlegt gelten. Auszugehen ist jedoch von einer Abstammung vom karolingischen Grafen Hunfrid von Rätien über eine weibliche Erbfolge zu den Herren von Schänis, den Kastvögten der Abtei Schänis. Daher ist Ulrich (972) gewöhnlich als erstes Mitglied in den Stammtafeln der von Lenzburg aufgeführt.

Schloss Lenzburg von Norden. Kolorierte Umrissradierung, gezeichnet von Caspar Wolf, gestochen von Caspar Wyss, 1770er Jahre (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
Schloss Lenzburg von Norden. Kolorierte Umrissradierung, gezeichnet von Caspar Wolf, gestochen von Caspar Wyss, 1770er Jahre (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). […]

Die Genealogie ist über sieben Generationen für den Zeitraum zwischen dem Ende des 10. Jahrhunderts bis zum Aussterben des Geschlechts 1173 einigermassen gesichert. Verwandtschaftsbeziehungen lassen sich zu den Grafen von Habsburg, den Landgrafen von Steffling (Regensburg) und den Grafen von Kyburg nachweisen. Die ältesten Besitzungen müssen aus späteren Quellen rückerschlossen werden und sind zum Teil schwierig zu unterscheiden von altem zähringischen und habsburgischen Besitz. Im Hinterrheintal sowie als Kastvögte von Schänis im Gastergebiet hatten die von Lenzburg frühen Allodialbesitz. Arnold, Sohn des Ulrich, ist 976 als Inhaber der Reichsvogtei über die beiden Zürcher Klöster Grossmünster und Fraumünster und deren Besitzungen in Uri fassbar. Auffällig ist eine Überlieferungslücke in der Genealogie zwischen 976 und 1036. Ulrich I. (->) gilt als eigentlicher Stammvater der von Lenzburg. Zu den alten Rechten muss die Familie in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts noch die Kastvogtei des Stiftes Beromünster und das Grafenamt im Aargau erworben haben, das Besitz und Rechte vom Aargau südlich der Aare bis in die Innerschweiz umfasste. Diese Verschiebung des Machtschwerpunktes von der Ostschweiz in den Aargau und den westlichen Zürichgau wird traditionell auf die Verwandtschaft über die weibliche Linie mit dem Aargaugrafen Bero zurückgeführt, eine These, die nicht schlüssig zu beweisen ist.

Die Unterstützung des Salierkönigs Heinrich IV. im Investiturstreit durch Ulrich II. (->) gegen den Gegenkönig Herzog Rudolf von Schwaben, der wegen der Aufteilung des Schweizer Mittellands ohnehin zu den Rivalen der von Lenzburg zählte, wurde mit der Verleihung der Grafenwürde im Zürichgau honoriert. Der Haupterbe der Familie, Arnold I., Bruder von Ulrich II., der 1064 als Graf im Frickgau sowie 1073 als Vogt des Klosters Säckingen erwähnt ist, starb kinderlos. In den folgenden 130 Jahren lassen sich kaum noch Veränderungen im Besitz feststellen. Rudolf, Sohn von Ulrich II., übernahm die Grafschaftsrechte im Aargau mit den Rechten in den Waldstätten und in Schwyz und war ab ca. 1125 Vogt des Klosters Rheinau. Dessen Bruder Arnold II. hatte die Reichsvogtei in Zürich sowie die Grafschaft Zürichgau inne.

Im frühen 12. Jahrhundert kam es zu einer Herrschaftsteilung, die in Zusammenhang mit einer versuchten Herrschaftsintensivierung mittels Territorialisierungspolitik steht. Die Söhne Arnolds II. nannten sich Grafen von Baden. Sie verfügten über die Burg in Baden und die Burg Baldern und hatten die Rechte im östlichen Teil des Lenzburger Herrschaftsbereichs inne. Die Söhne Rudolfs nannten sich Grafen von Lenzburg. Die enge Verbindung zum Reich wurde unter den staufischen Herrschern fortgesetzt. Einige Familienmitglieder der letzten Generation befanden sich in herausragender Position im Gefolge Friedrichs I. Barbarossa, der einzelne von ihnen im Zusammenhang mit seiner Italien- und Passpolitik mit den Grafschaftsrechten in den Tessiner Tälern belieh. Obschon es unter der letzten Generation der von Lenzburg zahlreiche männliche Mitglieder gab, starben beide Linien 1173 mit Ulrich IV. (->) aus.

Quellen und Literatur

  • GHS 1, 56-62, 407; 3, 405
  • H. Weis, Die Gf. von Lenzburg in ihren Beziehungen zum Reich und zur adligen Umwelt, 1959
  • H. Weis, «Die Gf. von Lenzburg in ihren Beziehungen zum Königtum und zum Reich», in Alemann. Jb. 12, 1966/67, 148-159
  • NDB 14, 237
  • LexMA 5, 1874
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Franziska Hälg-Steffen: "Lenzburg, von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.12.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/019522/2008-12-04/, konsultiert am 14.07.2024.