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vonBubenberg

Der Bau der Stadt Bern 1191. Zeichnung aus der Amtlichen Berner Chronik (1483) von Diebold Schilling (Burgerbibliothek Bern, Mss.h.h.I.1, S. 11).
Der Bau der Stadt Bern 1191. Zeichnung aus der Amtlichen Berner Chronik (1483) von Diebold Schilling (Burgerbibliothek Bern, Mss.h.h.I.1, S. 11). […]

Die ritterliche Ministerialenfamilie von Bubenberg, die mit den ersten Jahrhunderten bernischer Geschichte aufs engste verknüpft ist, erscheint in den Quellen von den 1230er Jahren an; das Geschlecht gelangte aber wohl schon früher (mit den Zähringern?) ins Bernbiet und stammte möglicherweise von den Herren von Jegenstorf ab. Nach Konrad Justinger war ein Cuno von Bubenberg bereits an der Gründung Berns (1191) massgeblich beteiligt; die als einzige ungeteilt erhaltene Bubenberg-Hofstätte (heute Erlacherhof) an der Junkerngasse könnte auf diese Tradition hindeuten. Im Gegensatz zu den meisten Adelsgeschlechtern im Umkreis der Stadt schlossen sich die von Bubenberg auch in den schweren Konflikten während des beginnenden Territorialisierungsprozesses nicht den grossen Dynasten an (Habsburger, Kyburger), sondern hielten zu Bern; im 14. Jahrhundert erlangten sie deshalb eine überragende Stellung in der Stadt. Fast alle männlichen Vertreter der Familie waren Ritter, Burger und Ratsmitglieder von Bern; deren elf wurden zudem Schultheissen: Peter I. 1235-1241 (1246?), Heinrich I. 1257-1263 (1266?), Kuno I. 1269-1271, Ulrich I. 1284-1293, Johann I. der Ältere 1323-1224 und 1326-1227, Johann II. (->), Johann III. (->), Ulrich II. 1367-1381, Otto 1383-1393, Heinrich IV. mehrmals 1447-1463 und Adrian I. (->). Geistlichen Standes waren Ulrich I. (Chorherr in Moutier-Grandval und Kirchherr in Schüpfen 1267, im Laienstand 1282), Peter III. (Kirchherr in Schüpfen und Balm 1292 bzw. 1336), Hartmann (->) und Johann VI. (Kirchherr in Gerzensee und Spiez sowie Chorherr in Solothurn 1420). Enge Beziehungen unterhielt das Geschlecht zu den geistlichen Ritterorden: Vinzenz wurde 1365 Deutschordenskomtur in Köniz und 1379 Landkomtur von Elsass und Burgund. Ulrich III. war Johanniter, sein Bruder Markwart 1371-1398 Deutschordenskomtur in Sumiswald. Mehrere Töchter der Familie traten in bernische Klöster ein, in Frauenkappelen Agnes (um 1360), Johanna und Elisabeth (1370) sowie Anna (1401), in Fraubrunnen Margret (1356?). In beiden Klöstern und im Berner Stift St. Vinzenz wurden Familienjahrzeiten gehalten. Trotz der engen Bindung zu Bern suchten die von Bubenberg Heiratsverbindungen stets ausserhalb der Stadt, meist mit edelfreien, mehrfach auch mit gräflichen Familien (u.a. Buchegg, Neuenburg, Weissenburg, Ringgenberg, Grünenberg, Strättligen, Ligerz, Rosenegg, La Sarraz). Von mehreren von Bubenberg sind längere Ritterfahrten nachzuweisen; Adrian I. (->) und Adrian II. (->) waren Ritter vom Heiligen Grab. Das ausgeprägte Familien- und Standesbewusstsein der von Bubenberg zeigt sich auch in den Wappentafeln in Bern (Kopie von 1740 aus Bubenberghaus) und Spiez (Schlosskirche) sowie im Kinderbüchlein Jacobeas von Neuenburg (erste Gattin Adrians I.).

Zum ältesten Besitz der Familie zählten die Burgen Alt-Bubenberg (bei Frauenkappelen) und Neu-Bubenberg (bei Schliern, Gemeinde Köniz), die Häuser auf der Hofstätte an der Junkerngasse in Bern und verschiedene Reichslehen, unter anderem der Stadtbach, die Mühlen und Aareschwellen in Bern (1360 der Stadt verkauft). Zudem besassen sie Güter und Herrschaftsrechte in Schüpfen, auf dem Schüpberg, in Oberbalm, Alprechte im Hasli- und Diemtigtal, die Kirchensätze unter anderem von Oberbalm (1282), Schüpfen (1293), Spiez und Einigen (1338) sowie Gerzensee (1427), Reben in Tüscherz (1411), vor allem aber die Herrschaften Spiez (1338), Mannenberg und Schadau (1348), Ringgenberg (1391), Wartenfels (1456), Strättligen mit Reutigen, Thierachern und Wattenwil (1466) und Radelfingen. Trotz dieses ausgedehnten Besitzes gerieten die von Bubenberg in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts angesichts der tief greifenden ökonomischen und sozialen Umschichtungen, wohl auch wegen ihres Aufwands im Dienst der Stadt, zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten und mussten Teile ihrer Güter veräussern. Die überschuldete Hinterlassenschaft des letzten legitimen Familiensprosses Adrian II. (->) schlugen mehrere Erben aus; über Ludwig von Diesbach gelangte 1516 ein Grossteil der Erbschaft an die von Erlach.

Quellen und Literatur

  • GHS 3, 1-16 (mit Stammtaf.)
  • R. Oehler, «Zur Genealogie Bubenberg», in BZGH 38, 1976, 58-66, (mit Stammtaf.)
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Zitiervorschlag

Martin Zahnd, Urs: "Bubenberg, von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 26.08.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/019534/2004-08-26/, konsultiert am 19.01.2022.