de fr it

vonRapperswil

Hochadliges Geschlecht des 11. bis 14. Jh., ab 1233 Grafenfamilie. Die R. stellen nach neuerer Forschung nicht eine Abstammungsfamilie männl. Deszendenz dar. So setzten sie die Generationenfolge nach genealog. Brüchen um 1200 und um 1230 höchstens kognatisch fort. Unter dem Namen R. beanspruchten v.a. nach 1200 mehrere Fam. die Rapperswiler Herrschaftsrechte. In der 1. Hälfte des 13. Jh. waren dies vermutlich Vertreter der Frh. von Vaz als Nachfolger der sich aus dem Umfeld der Frh. von Wädenswil rekrutierenden Alt-Rapperswiler des 12. Jh.; nach der Mitte des 13. Jh. scheinen wieder Vertreter aus dem Clan der benachbarten Frh. von Wädenswil die Oberhand gewonnen zu haben. Das gängige Argumentieren mit komplizierten Erbgängen und Linienbildungen, u.a. über die kontrovers diskutierte Frage, ob zwischen 1223 und 1262 ein oder mehrere Vertreter des Vornamens Rudolf mit agnat. oder kognat. Erbfolge anzunehmen seien, greift zu kurz.

Zusammenhänge mit den hochma. Herren von Uster und von Hinwil dürfen angenommen werden. Die R., mit den Brüdern Wetzel und Eppo im 11. Jh. erstmals bezeugt, hatten zwar nur wenig Allodialbesitz, doch verfügten sie als Kastvögte des Klosters Einsiedeln sowie als Lehensträger der Klöster St. Gallen, Reichenau und Pfäfers über Güter und Rechte am oberen Zürichsee, im Zürcher Oberland, im Glattal (mit der Herrschaft Greifensee) sowie in Uri. Als Parteigänger des stauf. Kaiserhauses gelangten sie um 1240 in den Besitz der Reichsvogtei Ursern. Als neues Herrschaftszentrum neben der Burg Alt-R. bei Altendorf begannen die R. spätestens nach 1220 mit dem Bau der Stadt und Burg R. Die Rivalitäten zwischen den versch. Clans manifestieren sich im 13. Jh. in zahlreichen Güterkonflikten, die mittels klösterl. Stiftungen zu regeln gesucht wurden. Heinrich II. (->) stiftete um 1227 das Zisterzienserkloster Wettingen, dem er alle Rapperswiler Rechte in Uri übergab. Zwei versch. Träger des Vornamens Rudolf (-> und ->) gründeten die Klöster Bollingen (1251) und Wurmsbach (1259). Verwandtschaftl. Verbindungen bestanden um die Mitte des 13. Jh. zu den Gf. von Homberg, den Frh. von Wädenswil, von Strättligen, von Schwanden, von Windegg, den Gf. von Kyburg und womöglich zu den Frh. von Attinghausen sowie den Gf. von Toggenburg. Der Niedergang der R. begann in der 2. Hälfte des 13. Jh. unter Rudolf V., der 1283 als Ultimus starb, und setzte sich unter der Erbtochter Elisabeth (->), seiner Schwester, infolge des massiven Zugriffs der erstarkenden habsburg.-österr. Landesherrschaft mit immer weitergehenden Verkäufen fort.

Quellen und Literatur

  • GHS 1, 63-67, (mit Stammtaf.)
  • G. Boner, «Zur Genealogie der Einsiedler Kastvögte, der Herren und Gf. von R., im 13. Jh.», in Fs. Gottfried Boesch, 1980, 57-84
  • R. Sablonier, «Die Gf. von R.», in Gfr. 147, 1994, 5-44