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vonThierstein

Glasgemälde aus Basel mit dem Wappen der Grafenfamilie, um 1500 (Historisches Museum Basel, Inv. 1947.17).
Glasgemälde aus Basel mit dem Wappen der Grafenfamilie, um 1500 (Historisches Museum Basel, Inv. 1947.17). […]

Grafenfamilie in der Nordwestschweiz, die im 11. und 12. Jahrhundert stammesgleich mit den Grafen von Homberg war und sich wechselnd nach Homberg, Thierstein und Frick nannte, was auf Mobilität deutet. Die Burg Alt-Thierstein oberhalb von Oberfrick diente vermutlich vom 11. Jahrhundert an als Sitz. Als erster Namensträger wird Rudolfus de Dierstein in den Acta Murensia (um die Mitte des 12. Jh.) zum Jahr 1082 erwähnt. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts waren die von Thierstein Kastvögte des Basler Klosters St. Alban für den linksrheinischen Besitz und Hochvögte des Bistums Basel. Diese Rechte gingen bei der Teilung, die vermutlich zwischen den Brüdern Rudolf IV. und Werner I. von Thierstein erfolgte, an die von Homberg. Die teilweise Beerbung der Grafen von Saugern brachte den von Thierstein Güter und Rechte im Birstal, im Schwarzbubenland und im Berner Seeland ein, so die Kastvogtei über die Klöster Beinwil, Frienisberg und Kleinlützel, ferner die Burgen Pfeffingen, Dorneck und Bello (später Neu-Thierstein). Die Belehnung mit Burg und Herrschaft Pfeffingen durch den Basler Bischof in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verstärkte die Position im unteren Birstal und das damit verbundene Pfalzgrafenamt des Domstifts Basel führte zugleich zu engeren Beziehungen mit der Stadt. Nördlich von Gelterkinden entstand um 1330 zur Verwaltung der neuhombergischen Erbschaft die Farnsburg.

Die thiersteinische Hausteilung in die Linien Farnsburg und Pfeffingen muss zwischen 1300 und 1350 stattgefunden haben. Der Linie auf Farnsburg mit ihrem Besitz im Sisgau und im Fricktal gelang in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, unter anderem dank des bischöflichen Lehens der Landgrafschaft Sisgau, die Ausbildung einer geschlossenen Landesherrschaft. Durch Konnubium kamen die Grafen von Thierstein-Farnsburg 1376 in den Lehensbesitz der Landgrafschaft Buchsgau. Mit Otto II. von Thierstein (erwähnt ab 1367), der als habsburgischer Landrichter 1396 im Thurgau und 1399 im Aargau amtierte, starb diese Linie indes bereits 1418 aus.

In der Linie der Grafen von Thierstein-Pfeffingen sind bis gegen Mitte des 14. Jahrhunderts die engen Beziehungen zum Domstift Strassburg auffällig, dem bei der Versorgung der nachgeborenen Söhne grosse Bedeutung zukam. Einen Höhepunkt bezüglich des politischen Einflusses und der wirtschaftlichen Potenz erreichte sie mit Oswald von Thierstein in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In den Wirren nach der Schlacht bei St. Jakob an der Birs von 1444 geschädigt, verschuldete sich die Familie; 1510 wurden die Sisgauer Grafschaftsrechte endgültig an die Stadt Basel übertragen. Mit Oswalds Söhnen erlosch das Geschlecht, als Letzter starb Heinrich II. von Thierstein 1519.

Quellen und Literatur

  • Genealogisches Handbuch zur Schweizer Geschichte, Bd. 1, 1900-1908, S. 127-144, 407-409; Bd. 3, 1908-1916, S. 406 (mit Stammtafel).
  • Roth, Carl: Die Auflösung der Tiersteinischen Herrschaft, 1906.
  • Schneider, Jürg: Die Grafen von Homberg. Genealogische, gütergeschichtliche und politische Aspekte einer süddeutschen Dynastie (11. bis 14. Jahrhundert), 1977, S. 17-28, 36-37, 185-189, 271-273.
  • Schwennicke, Detlev (Hg.): Europäische Stammtafeln. Neue Folge, 11, 1986, Tafeln 132-133.
  • Christ, Dorothea A.: Zwischen Kooperation und Konkurrenz. Die Grafen von Thierstein, ihre Standesgenossen und die Eidgenossenschaft im Spätmittelalter, 1998.
Kurzinformationen
Variante(n)
von Tierstein

Zitiervorschlag

Franziska Hälg-Steffen: "Thierstein, von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.09.2023. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/019544/2023-09-11/, konsultiert am 20.04.2024.