de fr it

vonToggenburgSG

Totenschild mit dem Wappen der Grafen von Toggenburg. Aus der Klosterkirche Rüti, um 1485 (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich).
Totenschild mit dem Wappen der Grafen von Toggenburg. Aus der Klosterkirche Rüti, um 1485 (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich). […]

Ab ca. 1200 fassbares Freiherrengeschlecht (ab 1209 Grafen), das erstmals als Toccanburg, dann als Tochimburc in den Quellen auftritt. Der genealogische Zusammenhang mit den im 11. und 12. Jahrhundert in teils zweifelhaften Quellen nach den Toggenburg benannten Herren, deren Wirkungsbereich und Verwandtschaftsnetz vom Raum St. Gallen über die Gegend von Wil (SG), das untere Toggenburg, den Zürichgau und Schaffhausen bis weit in den süddeutschen Raum reichte, ist unklar. Eine Herkunft der Familie aus dem Zürichgau oder dem süddeutschen Raum ist denkbar. Die genealogischen Zusammenhänge zwischen Diethelm (erwähnt 1176?-1205/1207) und Diethelm (erwähnt 1210?-ca. 1230), der mit Guta (von Rapperswil?), möglicherweise identisch mit Idda (->), verheiratet gewesen sein soll, bleiben ebenfalls ungeklärt. Die beiden waren um 1200 am Erbe mehrerer Adelsgeschlechter (u.a. der von Alt-Rapperswil) beteiligt und standen unter landesherrlichem Druck des Klosters St. Gallen, des Bischofs von Konstanz und der Grafen von Kyburg. Die Erbkonflikte führten unter anderem zur Stiftung der religiösen Gemeinschaften von Bubikon, Rüti (ZH), Oberbollingen und Wurmsbach. Im Rahmen der Auseinandersetzungen mit St. Gallen – in diesem Zusammenhang geschah 1226 der legendäre Brudermord Diethelms (erwähnt 1209-1236/1247) an Friedrich (erwähnt 1214-1226) –, verloren die Toggenburger Wil und die Festen Alt-Toggenburg, Luterberg, Lütisburg und Uznaberg. Zwischen 1228 und 1292/1299 gingen die Vogteien über St. Johann im Thurtal, Fischingen und Embrach verloren. Die Neu-Toggenburg wurde zum Herrschaftszentrum. Unter dem letztgenannten Diethelm und dessen Erben konnte das Geschlecht seine Position im unteren Toggenburg dank der Verschwägerung mit gräflichen Geschlechtern (von Montfort, von Werdenberg, von Frohburg-Homberg) konsolidieren. Die Familie demonstrierte eine autonome, nicht von Landesherren hergeleitete Fähigkeit zur Gewaltausübung, etwa mit Kraft I. (->), dem Sohn des letztgenannten Diethelm, und seinem Sohn Friedrich (erwähnt 1260-1303/1305). Einzelne Familienmitglieder betrieben eine geschickte Versorgungspolitik, so Diethelms Söhne Berchtold und Rudolf. Ersterer wurde Kanoniker in Embrach, Letzterer erfolgloser Abt in St. Johann. Heinrich, Friedrichs (erwähnt 1214-1226) Sohn, war unter anderem in Bubikon Johannitermeister. Zudem profitierten die Toggenburg von der für Österreich peripheren Lage ihrer wichtigsten Herrschaftsrechte zu jener Zeit. Ab dem späten 13. Jahrhundert intensivierten sie ihre Herrschaft durch Stadtgründungen (Lichtensteig und Uznach), die Einführung dynamischer Abgaben (Vogtsteuer) und durch den Aufbau einer kleinen, schlagkräftigen Dienstmannschaft. Mit Friedrich (erwähnt 1260-1303/1305) und Friedrich (erwähnt 1286-1315) wurden die Toggenburger spätestens ab 1292 zu den wichtigsten Militärunternehmern der Region. In ihre Fussstapfen traten später die Söhne des Letztgenannten, Friedrich (erwähnt 1315-1364), der mit Kunigunde von Vaz verheiratet war, und Diethelm (erwähnt 1319-1337), dessen Frau Adelheid von Griesenberg wurde. Die Familie verfügte dadurch über liquide Mittel und profitierte entsprechend als Kapitalgeber. Sie erwarb pfandweise Herrschaftsrechte und pflegte Beziehungen nach Zürich und Rom.

Der 1286 erstmals erwähnte Kraft III. amtierte als Propst am Grossmünster, unehelich geborene Söhne wurden verpfründet. Kapital, Militärkompetenz und regionales Prestige verschafften Friedrich (erwähnt 1315-1364) entscheidende Vorteile in der Auseinandersetzung um das Vazer Erbe. Gleichzeitig hatten die Toggenburger eine hohe Kompetenz in der Friedenswahrung. Sie wirkten unter anderem für Zürich, Österreich und die Herren von Werdenberg als Schiedsrichter.

Das Herrschaftsgebiet des Grafen Friedrich VII. von Toggenburg 1436
Das Herrschaftsgebiet des Grafen Friedrich VII. von Toggenburg 1436 […]

Im 14. Jahrhundert vergrösserten sich die Herrschaftsrechte der Familie durch den Erwerb von Eigentum und Pfändern markant. Im Südosten erwarben sie das Obere Toggenburg, Besitzungen im Prättigau, im Schanfigg und im Raum Maienfeld, Davos, Belfort und Churwalden, dann am Zürichsee die Vogtei in Erlenbach (ZH), die Burg Grynau, Tuggen und Wangen (SZ), als österreichische Pfänder Alt- und Neu-Rapperswil, ferner die Vogtei Einsiedeln samt Wägital und March, im Norden die Herrschaften Spiegelberg und Tannegg sowie die Vogtei Fischingen. Ab dem späten 14. Jahrhundert gelangten grosse habsburgische Schuldpfänder durch Kauf in den Besitz der Toggenburger, so 1384 Kyburg bei Winterthur, 1406 Sargans, Windegg, Freudenberg und Nidberg, nach 1415 Feldkirch, 1424 Altstätten, Rheineck und Bregenzerwald. 1394 wurde die Herrschaft zwischen Donat (erwähnt 1353-1400), dem Sohn des letztgenannten Friedrich, und Friedrich VII. (->), dem Sohn von Donats Bruder Diethelm (erwähnt 1353-1385), geteilt.

Nach Donats Tod drohte die Zersplitterung des Erbes. Friedrich VII. kaufte jedoch 1401 das gesamte Erbe mit Ausnahme von Tannegg, Lommis und Kyburg von Donats Tochter Kunigunde (erwähnt 1387-1425). Die damit einsetzende Verlagerung der Familienpolitik aus dem zürcherischen Raum hinaus nach Osten verstärkte sich 1436, als Friedrich VII. als letzter Graf von Toggenburg kinderlos starb, nachdem er weitere Rechte im Schanfigg aus dem Erbe der Matsch erworben hatte. Seine Gattin Elisabeth von Matsch sah sich vorerst als Alleinerbin, begab sich dann angesichts der komplexen Erbsituation – Pfandansprüche Österreichs neben oberlehensherrlichen Forderungen des Reiches und diversen Erbansprüchen entfernter Verwandter – unter Zürcher Schutz. Österreich löste verschiedene Pfänder zurück, das Reich verzichtete 1439 auf seine Ansprüche. Die Stammlande der Herren von Toggenburg gelangten an die Herren von Rhäzüns und von Raron, weitere Allode an die Herren von Montfort-Tettnang, von Sax-Misox, von Brandis und von Aarburg. Die genauen Umstände dieser Erbprozesse sind nicht genügend geklärt. Strittige Fragen um einige Pfänder des Letzten der Grafen von Toggenburg trugen zur Entstehung des Alten Zürichkriegs bei.

Quellen und Literatur

  • QSG NF, 1. Abt., VII/10, 8-17
  • GHS 1, 44-53
  • A. Bodmer, «Verwandtschaft und Erbfolge des letzten Gf. von Toggenburg», in SAHer 69, 1955, 1-25
  • E. Eugster, «Die Herren von Toggenburg», in Wirtschaft und Herrschaft, hg. von T. Meier, R. Sablonier, 1999, 311-342
  • SGGesch. 2, 103-128
Weblinks
Weitere Links
e-LIR
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Erwin Eugster: "Toggenburg, von (SG)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.10.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/019545/2012-10-25/, konsultiert am 15.04.2024.