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vonStäffis

Hochadelsfamilie der Westschweiz, deren Hauptlinie seit dem HochMA als Besitzerin der Herrschaft Estavayer (dt. Stäffis) am Südufer des Neuenburgersees fassbar wird und sich im SpätMA und in der Neuzeit in mehrere Zweige aufgespaltet hat. Während das Burgergeschlecht von Solothurn den dt. Namen verwendete, nannten sich Vertreter versch. Zweige der Westschweiz d'Estavayer. Aufgrund der komplizierten Besitzverhältnisse sind die Zweige nicht immer eindeutig auseinanderzuhalten. Die Familie erscheint als Besitzerin u.a. der Herrschaften Estavayer, Chenaux (Cully), Gorgier, Font, Saint-Martin-du-Chêne, Rueyres-les-Prés, Villargiroud, Molondin, Montet (Broye), Lully (FR), Cugy (FR) sowie von Herrschaften in Frankreich. Ihre Geschichte ist bis in die frühe Neuzeit eng mit jener der savoyisch beherrschten Westschweiz verknüpft. Alle Linien der Familie sind ausgestorben.

Als erste Vertreter der Hauptlinie, die zunächst Vasallen der Bf. von Lausanne, ab der Mitte des 13. Jh. Gefolgsleute der Gf. von Savoyen waren, werden 1090 Robert, sein Bruder Ulrich und sein Sohn Rainald genannt. Die Angehörigen dieser Linie teilten ihre Rechte an der Herrschaft Estavayer und an anderen Herrschaften meist unter sich als Mitherren auf. Zur selben, 1632 ausgestorbenen Linie gehörten der Lausanner Dompropst Cono (->), Jakob I. (nach 1280) und Rainald IV. (vor 1291), die sich Peter II. von Savoyen anschlossen. Ebenfalls zu dieser Linie gehörten Anna, 1314-15 Äbtissin von La Maigrauge, Heinrich II. (1335), Aymo I. (1350) und Johann (->), die sich in savoy. Dienste begaben.

Die Linie der Herren von Estavayer, von Rueyres-les-Prés und Villargiroud stammt von Heinrich III. ab (erw. 1340-86). Zu ihr gehörte Katharina (1527), 1505-27 Priorin des Dominikanerinnenklosters Estavayer, und Claudius (->), Abt des Klosters Lac de Joux und Prior von Romainmôtier. Wilhelm II. von S. (erw. 1226-76) begründete die Linie der Herren von S.-Chenaux. Ihr entstammten Peter II. (1321) und Wilhelm (1326). Letzterer war Archidiakon von Lincoln und Gründer des Dominikanerinnenklosters in Estavayer. Beide machten als savoy. Gefolgsleute in England Karriere. Jakob V. (1460) verkaufte seine Anteile an den Herrschaften Estavayer und Chenaux 1432 an Humbert von Savoyen und die Herrschaft Gorgier 1433 an Johann von Neuenburg.

Mit Jakob I. (erw. 1230-80) begann die Linie der Herren von S.-Cugy. Gerhard III. fiel 1339 in der Schlacht bei Laupen. Wilhelm IV. verkaufte seine Hälfte der Herrschaft Estavayer 1349 an Isabella von Chalon, Gerhard (->) tötete 1397 in Bourg-en-Bresse im Duell Otto III. von Grandson.

Philipp II. (1579) begründete die Linie von S.-Molondin, von der sich die Nebenzweige von Montet und von Lully ableiten. Sein Sohn Philipp III. (1618) liess sich 1607 in Solothurn einbürgern. Die Angehörigen dieser Linie waren v.a. auf die eidg. Orte Solothurn und Freiburg sowie auf Neuenburg ausgerichtet. Sie hatten in Solothurn und Neuenburg polit. Ämter inne und machten verschiedentlich Karriere in franz. Diensten. Zu nennen sind Jakob (->) von Molondin, Lorenz (->) und Franz Jakob (->) von Montet sowie Lorenz (->) von Lully, die alle den Rang eines Maréchal de camp im franz. Heer erreichten. Franz Ludwig Blasius (->) und Franz Heinrich (->) - beide aus der Linie von Molondin - sowie Urs (->) von Lully und Franz Jakob (->) von Montet waren Gouverneure von Neuenburg.

Der Zweig der Herren von S.-Bussy, ausgehend von Johann Baptist I. (zwischen 1597 und 1603), liess sich in Moudon nieder und wurde reformiert. Franz II. (1553), der Begründer der franz. Linie, war ab 1528 in franz. Diensten. Diese Linie besass die Herrschaften von Beauvilliers, Molinons und Tabarly. Hervorzuheben sind Antoine (1629), Maréchal de camp, und Jean Louis, der 1789 aus Frankreich emigrierte und als letztes männl. Familienmitglied 1823 in Bern starb. Das Geschlecht erlosch 1851 mit Françoise Vallier-d'Estavayer aus der Linie von Molondin. Das Familienarchiv wurde 1919 vom Staatsarchiv Neuenburg erworben.

Quellen und Literatur

  • Nachlässe in: AEN, StAFR, StASO
  • La Bourgogne au Moyen Age, hg. von D. Schwennicke, 1993