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vonWeissenburg

Bedeutendes Hochfreiengeschlecht im Berner Oberland des 12.-14. Jahrhunderts. Ob die Weissenburg von den Freiherren von Erlenbach abstammen und zum einheimischen Rodungsadel zählen, ist umstritten. Belege für Besitz an Eigengut und Lehen in der Region Niedersimmental (Erlenbach, Oberwil im Simmental, Därstetten, Diemtigen und Wimmis) mit der Burg Weissenburg sind ab 1270 überliefert und setzen damit relativ spät ein. Verwandtschaftliche Verbindungen bestanden zu den Freiherren von Wädenswil, den vom Turn und von Brandis sowie den Grafen von Greyerz, von Nellenburg und von Thierstein. Die einzige Erwähnung von Wilhelm, Ulrich und Rudolf de Albocastro in einer Zähringerurkunde von 1175 ist kein Beweis für eine frühe herrschaftliche Präsenz im Simmental. Die gesicherte genealogische Abfolge beginnt erst ab Mitte des 13. Jahrhunderts mit Rudolf (erwähnt 1258 bis ca. 1307). Durch seine Heirat mit einer Tochter Konrads von Wädenswil kam er in den Besitz des Reichslehens Rothenfluh, welches durch die Burg Weissenau befestigt wurde.

Die Weissenburg erwarben Mitte des 13. Jahrhunderts auch die Burg und Herrschaft Wimmis sowie zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Reichskastlanei Simmenegg. Sie ergriffen in den Auseinandersetzungen zwischen Bern und den Herzog von Habsburg-Österreich sowie in anderen Konflikten wie dem Gümmenenkrieg 1331-1333 meist Partei gegen Bern. Rudolfs Sohn Peter stand im Gefolge König Heinrichs VII. und starb in Italien. Sein anderer Sohn, der zwischen 1304 und ca. 1341 erwähnt Johann, erwarb 1311 die reichsfreie Landschaft Hasli als Dienstpfand. Er trat 1318 in habsburgische Dienste und empfing diese nun als österreichisches Pfand. Im gleichen Jahr gelangte er mit seinen Neffen Rudolf und Johann – als Mitherren in ungeteiltem Erbe – in den pfandweisen Besitz der österreichischen Burgen und Herrschaften Oberhofen, Balm und Unspunnen sowie des Städtchens Unterseen. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts waren die Weissenburg zudem Inhaber der Talschaft Frutigen und der Tellenburg.

Der wirtschaftliche Niedergang manifestierte sich in Güterveräusserungen bereits nach 1318, da die österreichischen Pfandschaften zum Teil nur Rechtstitel waren. In politischer Hinsicht führte die österreichische Gefolgschaft zu ungünstigen Konsequenzen: Die Stadt Bern unterstützte die Aufstände im Haslital um 1327 und erreichte, dass ihr die Weissenburg 1334 die Pfandschaft abtreten mussten. Gleichzeitig ist ein allmählicher Rückzug aus dem Gebiet Interlaken erkennbar, ebenfalls auf Betreiben Berns. Diese Entwicklung mündete 1337 in die Verburgrechtung mit Bern und die Verpfändung fast des gesamten Besitzes an die Stadt. 1352 gelang Johann die Ablösung der bernischen Pfänder durch Tausch der Herrschaft Frutigen gegen den Simmentaler Herrschaftsbesitz. 1368 starb Johann als letzter legitimer männlicher Vertreter seines Geschlechts.

Quellen und Literatur

  • FRB 1-8
  • B. Frei, Beitr. zur Gesch. des Adels im Berner Oberland (12./13. Jh.), Liz. Zürich, 1988, 24 f., 33, 36
  • GHS 4, 125-174 (mit Stammtaf.)
  • Berns mutige Zeit, hg. von R.C. Schwinges, 2003, 167, 194-201, 480-484, 520-522

Zitiervorschlag

Franziska Hälg-Steffen: "Weissenburg, von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10.10.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/019799/2013-10-10/, konsultiert am 01.12.2022.