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GustavGull

Die vom Zürcher Architekten 1925 erbaute Frontseite der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich an der Rämistrasse. Fotografie von H. Wolf-Bender, Zürich, aufgenommen kurz nach Beendigung der Bauarbeiten (gta Archiv/ETH Zürich, Nachlass Gustav Gull).
Die vom Zürcher Architekten 1925 erbaute Frontseite der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich an der Rämistrasse. Fotografie von H. Wolf-Bender, Zürich, aufgenommen kurz nach Beendigung der Bauarbeiten (gta Archiv/ETH Zürich, Nachlass Gustav Gull). […]

7.12.1858 Altstetten (heute Gemeinde Zürich), 10.6.1942 Zürich, reformiert, von Zürich. Sohn des Rudolf Gottlieb, Baumeisters, und der Anna geborene Fügli. 1885 Lydia Anna Limbacher. 1876-1879 Studium am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich und an der Ecole des Arts Décoratifs in Genf. 1895-1900 Stadtbaumeister in Zürich, 1900-1929 Architekturprofessor am Polytechnikum bzw. an der ETH Zürich. Waren seine ersten öffentlichen Bauten wie das Eidgenössische Postgebäude in Luzern (1886-1888) und das Lavaterschulhaus in Zürich (1896-1897) noch der Neurenaissance verpflichtet, ist Gustav Gulls Hauptwerk nach der Jahrhundertwende vor allem durch Heimatstil und Neubarock geprägt, wobei die Bauplastik und die Wandmalerei in Gulls Schaffen einen wichtigen Platz einnehmen. Zu seinen wichtigsten Bauten, die sich alle in Zürich befinden, gehören das Schweizerische Landesmuseum (1892-1898), eine programmatische Museumsburg mit atmosphärischer Stilvielfalt und Zitaten «heimischer Bauweise», die städtischen Amtshäuser mit der Sternwarte Urania (1903-1919) auf dem alten Klosterareal Oetenbach zwischen der Bahnhofstrasse und dem Limmatquai sowie der Uraniabrücke (heute Rudolf-Brun-Brücke), ausserdem die schlossartigen Erweiterungsbauten der Semper'schen ETH (1914-1925) auf Seiten der Rämistrasse. Gulls Vorliebe für malerische Silhouetten zeigte sich in seinen frühen Privathäusern (Eigenheim Doppelvilla Rosenegg, Moussonstrasse 15/17, 1901) und in Sakralbauten aus den Jahren 1900-1905, zum Beispiel den Türmen der Predigerkirche und der Theodosianumkapelle in Zürich oder der Kirche Turbenthal. Gull gehörte mit seinen öffentlichen Verwaltungs- und Hochschulbauten, die das Zürcher Stadtbild bis heute prägen, aber auch mit seinen denkmalpflegerischen Bemühungen zu den bedeutendsten Architekten und Lehrern des auf heimischer Bautradition beruhenden repräsentativen Späthistorismus und war einer der frühen Promotoren des Heimatstils in der Schweiz. Er war unter anderem 1903-1906 Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission (1905-1906 Präsident), der Zürcher Kunstgesellschaft, des Schweizer Heimatschutzes und von Jurys bei Architekturwettbewerben.

Quellen und Literatur

  • ETH-GTA, Nachlass
  • Gustav Gull: Bauten und Projekte in Zürich, Ausstellungskat. Zürich, 1991
  • Architektenlex., 237-239
Von der Redaktion ergänzt
  • Gutbrod, Cristina: «Gustav Gull und der Westflügel des Landesmuseums. Zürichs mittelalterliche Klosterarchitektur im Stadt- und Museumsraum um 1900», in: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 78, 2021/2+3, S. 115-124.
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF
Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 7.12.1858 ✝︎ 10.6.1942

Zitiervorschlag

Elisabeth Crettaz-Stürzel: "Gull, Gustav", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.12.2006. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/019879/2006-12-04/, konsultiert am 29.01.2023.