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KarlIndermühle

Ansicht des «Dörfli», konzipiert von Karl Indermühle für die Landesausstellung in Bern 1914. Kunstpostkarte von Adolf Tièche (Expoarchiv.ch).
Ansicht des «Dörfli», konzipiert von Karl Indermühle für die Landesausstellung in Bern 1914. Kunstpostkarte von Adolf Tièche (Expoarchiv.ch). […]

28.4.1877 Vendlincourt, 23.1.1933 Bern, reformiert, von Amsoldingen. Sohn des Karl Eduard, Landjägers und Gefangenenwärters in Thun, und der Maria geborene Schneiter. 1906 Rosa Bartlome. Indermühle besuchte das Progymnasium und später die Kunstschule in Bern. Beim Berner Münsterbaumeister und Architekten August Müller machte er ab 1892 eine Steinmetzlehre und arbeitete dort später als Zeichner. Studienreisen führten ihn nach Deutschland und Italien; kurze Zeit war er Schüler von Carl Schäfer an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Bereits 1900 übernahm Indermühle als Nachfolger von Müller die Leitung der Münsterbauhütte und eröffnete gleichzeitig ein Baubüro in Bern. Als Kenner der spätgotischen Baukunst renovierte und ergänzte er Bauten wie die Französische Kirche und das sogenannte Brunnerhaus in Bern. Zahlreich sind auch seine Neubauten, vor allem Kirchen (Röthenbach im Emmental, Hindelbank, Niederscherli, Friedenskirche in Bern) und Schulhäuser in Bern und Umgebung. Daneben wirkte er bis zu seinem Tod als Münsterbaumeister – ein Amt, das in der Folge sein Sohn und seine Enkel übernahmen. Als Freisinniger politisierte er ab 1920 im Berner Stadtrat und ab 1922 im Grossrat. Zudem war er in verschiedenen Berufsverbänden aktiv, insbesondere als Mitbegründer des Bunds Schweizer Architekten und des Berner Heimatschutzes. Indermühle trat als Mitstreiter des Heimatschutzes für die Überwindung des Historismus und für die regionale Bautradition ein; an der Landesausstellung in Bern 1914 realisierte er das viel beachtete «Dörfli». Um 1930 öffnete er sich der modernen Architektursprache und schuf 1932 das Stapfenackerschulhaus in Bümpliz, einen bemerkenswerten Vertreter des Neuen Bauens. Als Architekturhistoriker und engagierter Zeitgenosse schaffte es Indermühle, zuerst den Idealen des frühen Heimatschutzes entsprechend guten Heimatstil zu realisieren, und später ebenso erfolgreich den Strömungen der klassischen Moderne zu folgen – immer darauf bedacht, die Bauten optimal in die Umgebung einzubetten.

Quellen und Literatur

  • Firmenarchiv Indermühle Architekten AG, Bern
  • Architektenlexikon der Schweiz 19./20. Jahrhundert, hg. von I. Rucki, D. Huber, 1998, 287-288
  • I. Meili-Rigert, Karl Indermühle (1877-1933) und seine Reihen-Wohnhäuser, Lizentiatsarbeit Bern, 2000
Weblinks
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 28.4.1877 ✝︎ 23.1.1933

Zitiervorschlag

Anne-Marie Biland: "Indermühle, Karl", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.01.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/019881/2020-01-16/, konsultiert am 29.05.2022.