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vonLiechtenstein

Niederösterr. Herrengeschlecht, ab Anfang des 17. Jh. Fürstengeschlecht, ab 1719 liechtenstein. Landesherren. Der Name stammt von der Burg L. bei Maria Enzersdorf in Niederösterreich und ist 1130-43 im Klosterneuburger Traditionskodex erstmals belegt. Als frühester Vertreter gilt Hugo. Der Bruder und die Söhne Dietrichs I. (1178-1209 erw.) bildeten drei Linien, jene von Petronell und Rohrau, die beide Ende des 13. Jh. ausgestorben sind, sowie die Linie von L. Vom 12. bis ins 15. Jh. heirateten die L. vorwiegend innerhalb des niederösterr. Landherrenkreises. Angefangen bei Heinrich I. (erstmals erw. 1233), Landrichter in Österreich, Landeshauptmann und Oberster Landrichter in der Steiermark, waren viele Familienmitglieder bis ins 19. Jh. in hohen militär. und zivilen Positionen für die Landesherren und auswärtige Fürsten tätig. Ausgehend von der Burg und Herrschaft L., welche die Fam. Ende des 13. Jh. verlor, sowie kleineren Gütern im nordöstl. Niederösterreich, erfolgte teilweise auf der Grundlage von Pfandschaften bis Ende des 14. Jh. ein erster Aufstieg der L. Dieser scheiterte 1395 an machtpolit. Konflikten mit dem Landesfürsten, Hzg. Albrecht III., und führte zur Enteignung der meisten Besitzungen, v.a. südlich der Donau. Um 1500 teilte sich die Fam. in die Feldsberger, die Steyregger (1548) und die Nikolsburger (1691) Linie. Nur Erstere überdauerte und besass vorerst u.a. Güter im nördlichen niederösterr. Weinviertel und in Südmähren. Dank Heirat mit Erbtöchtern des mähr. Geschlechts der Boskowitz und ihrer Vasallentreue gelangten die L. um 1600 zu beträchtl. Herrschaftsbesitz in den Ländern der böhm. Krone, den sie bis Ende des 18. Jh. durch Zukäufe erweiterten. 1654 galten die L. mit rund 16'800 Steuereinheiten (18,2 Prozent des Landes) als bedeutendste Fam. Mährens. 1606 errichteten sie ein Fideikommiss. Zwei Jahre später wurde Karl I. (1569-1627) in den erbl. Fürstenstand erhoben, 1623 folgten seine jüngeren Brüder Maximilian (1578-1643) und Gundaker (1580-1658). Um 1600 traten die drei L. zum kath. Glauben über. Spätestens ab der Zeit des Karl Eusebius (1611-84), der als Gründer der fürstl. Gemäldegalerie gilt, waren die L. bedeutende Kunstsammler und Mäzene, die u.a. Schlösser, Paläste, Kirchen und Gärten bauen liessen. Nach dem Aussterben der karolin. Linie 1712 übernahmen Gundakers Nachkommen die Regierung des Hauses L. Von ihnen stammt die bis heute existierende Hauptlinie der L. ab.

Dank der Beziehungen Anton Florians zu Ks. Karl VI. wurden die Herrschaften Schellenberg und Vaduz, die die L. 1699 bzw. 1712 erworben hatten, 1719 zum Reichsfürstentum erhoben und die Fam. erhielt Sitz und Stimme im Reichsfürstenkollegium. Johann I. (1760-1836) führte das aus den Herrschaften Schellenberg und Vaduz bestehende Fürstentum L. 1806 in die Souveränität und kaufte 1807 die Stammburg L. zurück. Zur Versorgung seiner jüngeren Söhne bestimmte er 1832 Besitzungen in der Untersteiermark, Niederösterreich und Kärnten zu Fideikommissen. Daraus gingen drei Nebenlinien hervor, deren niederösterreichische 1893 ausstarb. 1842 legten die L. die fürstl. Thronfolge in einem Familienvertrag, den sog. Hausgesetzen des Fürstenhauses, fest. Die rund 160'000 ha umfassenden Güter in der ehem. Tschechoslowakei gingen bei der Bodenreform nach 1919 und der Enteignung nach 1945 verloren. Franz Josef II. (->) nahm 1938 als erster Fürst ständigen Wohnsitz in L. Nach Aufhebung der Fideikommisse wurde das Vermögen der regierenden L. durch Hans-Adam II. (->) in der Fürst-von-Liechtenstein-Stiftung zusammengefasst.

Quellen und Literatur

  • FamA in: Palais L., Wien, und Schloss Vaduz
  • J. von Falke, Gesch. des fürstl. Hauses L., 3 Bde., 1868-82 (21984)
  • GHS 2, 143 f., (mit Stammtaf.)
  • G. Wilhelm, Stammtaf. des fürstl. Hauses von L., [1965]
  • H. Stekl, Österreichs Aristokratie im Vormärz, 1973
  • G. Wilhelm, «Die Fürsten L. und ihre Beziehungen zu Kunst und Wissenschaft», in Jb. der liechtenstein. Kunstges., 1976, 9-179
  • E. Oberhammer, «Das Hausarchiv der regierenden Fürsten L.», in Scrinium 24, 1981, 165-184
  • Der ganzen Welt ein Lob und Spiegel, hg. von E. Oberhammer, 1990
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