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vonCastelmur

Bündner Ministerialen- und Aristokratengeschlecht aus dem Bergell. Die Anfänge dürften in der Familie de Vicosoprano zu suchen sein, die 1096-1304 bezeugt ist. 1190 ist Albertus de Castello Muro erstmals als Lehensinhaber der churbischöflichen Feste Castelmur fassbar. Der um dieselbe Zeit genannte Gaudenz de Castromuro gilt als Ahnherr des Geschlechts. Als bischöfliche Ministerialen traten die von Castelmur immer wieder als Vermittler und Siegler auf; sie verfügten im Bergell über zahlreiche Lehen und hatten vom 13. Jahrhundert an eine Grablege in der Churer Kathedrale. Gleichzeitig waren sie auch Ministerialen der Benediktinerabtei Pfäfers. Schon im 13. Jahrhundert ist die Aufteilung in die Hauptlinien der Scolaren und der Manus erkennbar; die Zuteilung einzelner Glieder ist jedoch nicht immer klar. 1319 beginnt mit Jacobus, Sohn des Tobias, die lange Reihe der Bergeller Notare aus dem Geschlecht von Castelmur. Diese Tätigkeit half, die Autonomiebestrebungen des Tals in hohen Positionen zu überstehen und häufig das Podestatenamt zu übernehmen. Sie ermöglichte auch die Entwicklung von einer bischöflichen Vasallenfamilie zu einem führenden Aristokratengeschlecht im Gotteshausbund, wozu auch gezielte Eheschliessungen beitrugen. Durch die Heirat Alberts mit Elisabeth Baff von Fürstenau wurde die Domleschger Linie begründet. Alberts Sohn Rudolf war 1413-1428 bischöflicher Vogt auf Fürstenau; ihm folgten Schwiggli 1429, Rudolf 1470-1471, Joachim 1473-1491, Jacob 1524-1526 sowie Gaudenz 1528-1537 und 1540-1542. Joachim war während des Schwabenkriegs 1499 einer der drei Regenten des Churer Hochstifts. Sein Sohn Gaudenz besass 1525-1533 das zürcherische Schloss Girsberg und war Siegler im Ersten Kappeler Landfrieden. Joachim wie Gaudenz waren mit Frauen aus der Ravensburger Handelsfamilie Humpis vermählt. Gaudenz' Schwester war 1510-1534 Äbtissin des Klosters Müstair. Der oben genannte Schwiggli sass 1437-1448 als Vogt auf Strassberg, Jacob (->) war Pfandinhaber der Burg Rietberg. Die von Castelmur stellten mehrere Domherren, darunter Bartholomäus (->). Im 15. Jahrhundert trat eine Linie Stecker-Corn-Menusi auf, die einige Bündner Gesandte, Richter und Veltliner Amtsträger stellte. Als einzige wandte sich diese Linie der Reformation zu. Im späteren 16. Jahrhundert liess der Einfluss der von Castelmur im Gotteshausbund rasch nach. Nach einem Streit mit den Salis in den 1560er Jahren schwand auch ihre politische Stellung im Bergell. Einige Zweige starben aus, andere wanderten weg. So begründete Jacob Corn von Castelmur zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Wiener Linie; eine weitere kam mit Giovanni (->) in Marseille zu Vermögen. In der Schweiz leben die Zweige von Stampa und Tumegl/Tomils (Anton ->) weiter.

Quellen und Literatur

  • StAGR, FamA
  • P.N. von Salis, Die Bergeller Vasallengeschlechter, 1921
  • Schweiz. Geschlechterbuch 5, 116-123
  • P.E. Grimm, Die Anfänge der Bündner Aristokratie im 15. und 16. Jh., 1981
  • G. Pool, «Bergeller Notare», in JHGG 113, 1983, 63-154
Weblinks
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Zitiervorschlag

Eugen Grimm, Paul: "Castelmur, von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 01.02.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/020131/2005-02-01/, konsultiert am 24.01.2021.