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Mülner

Ritterliches Ratsgeschlecht der Stadt Zürich, Dienstleute der Fraumünsterabtei. Als ältester Besitz sind Fraumünster Lehensgüter und Rechte in Stadelhofen und Fällanden sowie verschiedene Reichslehen im stadtnahen Gebiet überliefert. Im 13. Jahrhundert bestanden Lehens- und Gefolgschaftsbeziehungen zu den Grafen von Kyburg, den Freiherren von Eschenbach, Schnabelburg, Regensberg, Klingen, Wädenswil sowie den Grafen von Habsburg-Laufenburg und Habsburg-Österreich. Eine Intensivierung auswärtiger Heiratsbeziehungen lässt sich bereits nach 1250 erkennen, so unter anderem mit den Rittern von Hünenberg, später mit den Herren von Hallwyl; Konnubien bestanden auch mit den Stadtrittern von Schönenwerd, Brun, von Hottingen und Maness-Manegg. Die Konstruktion einer durchgehenden Genealogie ist bis ins 14. Jahrhundert wegen gleich lautender Vornamen unsicher.

Erstmals bezeugt ist die Familie 1159 mit zwei Brüdern gleichen Namens (Rudolf). Jakob, erwähnt 1242 (nach 1287), Ratsmitglied und 1271 Reichsvogt in Zürich, war eine führende Figur in der Zürcher Politik. Unter seinen Söhnen Rudolf dem Älteren (erwähnt 1259-1317) und Rudolf dem Jüngeren (erwähnt 1270-1323) kam es zu einer Aufspaltung in zwei Linien, die sich sowohl hinsichtlich ihrer ökonomischen Basis als auch aufgrund ihrer politischen Ausrichtung unterschieden. Rudolf der Jüngere und seine Nachkommen konzentrierten sich auf die innerstädtische Politik und waren über vier Generationen fast ausnahmslos im Rat vertreten. Die Brüder Johannes I. und Eberhard I., Söhne Rudolfs des Jüngeren, hatten zwischen 1330 und 1382 mehrmals das Schultheissenamt inne. Das Erbe dieses Zweigs fiel nach dem Tod von Johannes' I. Enkel Eberhard II. an den von Rudolf dem Älteren gegründeten Zweig.

Erste Seite der Familiengeschichte mit den aquarellierten Wappen im Zürcher Geschlechterbuch (Stemmatologia Tigurina) von Erhard Dürsteler, begonnen vor 1723 (Zentralbibliothek Zürich, Ms. E 20, Fol. 383r).
Erste Seite der Familiengeschichte mit den aquarellierten Wappen im Zürcher Geschlechterbuch (Stemmatologia Tigurina) von Erhard Dürsteler, begonnen vor 1723 (Zentralbibliothek Zürich, Ms. E 20, Fol. 383r).

In den Jahren vor der Brun'schen Revolution kam es zu Interessenkonflikten zwischen Gottfried I., Sohn Rudolfs des Älteren, und der Stadt Zürich, die ihre Gerichtsbarkeit auf das Territorium auszudehnen suchte. Gottfried I. wurde wegen diesen Auseinandersetzungen 1321 aus dem Bürgerrecht ausgeschlossen, kehrte aber in die Stadt zurück und ist ab 1325 im Rat bezeugt. Er wird in der Historiografie zu den Anstiftern und Geldgebern des Umsturzes von 1336 gerechnet. Sein Sohn Gottfried II. (erwähnt 1343-1383) verfolgte zunächst ebenfalls eine politische Karriere in der Stadt, wandte sich aber gegen 1360 vermehrt der habsburgisch-österreichischen Landesherrschaft zu, in deren Diensten ihm ein steiler politischer Aufstieg gelang; unter anderem war er zeitweilig Inhaber der Herrschaft Rapperswil, österreichischer Vogt in Glarus, Landvogt im Aargau, Thurgau und Schwarzwald. Mit seinem Sohn Gottfried III., Burggraf im Tirol (1386), und dem bis 1406 erwähnten Johanniter Rudolf starb die Familie aus. Ein in der älteren Historiografie behauptetes Weiterbestehen des Geschlechts in Österreich beruht auf Fehlinterpretationen.

Quellen und Literatur

  • Sablonier, Adel
  • M. Lassner-Held, Der Zürcher Stadtadel 1330-1400, Liz. Zürich, 1989
Weblinks
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GND
VIAF

Zitiervorschlag

Franziska Hälg-Steffen: "Mülner", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.10.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/020298/2009-10-13/, konsultiert am 28.09.2022.