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Antoine HenriJomini

Bildnis Antoine Henri Jomini. Öl auf Leinwand von Charles Gleyre, um 1858 (Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne; Fotografie Jean-Claude Ducret).
Bildnis Antoine Henri Jomini. Öl auf Leinwand von Charles Gleyre, um 1858 (Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne; Fotografie Jean-Claude Ducret). […]

6.3.1779 Payerne, 22.3.1869 Passy (Paris), reformiert, von Payerne. Sohn des Benjamin (->). Adélaïde Charlotte Rose Roselle, aus Paris. Obwohl Antoine Henri Jomini gern eine militärische Karriere eingeschlagen hätte, liessen ihn seine Eltern eine Handelsausbildung in Aarau und dann in Basel absolvieren. 1796 arbeitete er für die Bank Mosselmann in Paris. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz trat er 1798 als Chefsekretär ins Kriegsministerium der Helvetischen Republik ein. Er wurde zum Hauptmann, dann zum Bataillonskommandanten befördert und erarbeitete 1799 einen Plan zur Reorganisation der Armee.

Nach dem Vertrag von Lunéville 1801 gab er seine Stelle auf und kehrte nach Paris zurück, wo er eine Abhandlung über Kriegstaktik verfasste. Diese veröffentlichte er 1805 mit der Unterstützung des Marschalls Michel Ney, dessen Adjutant er wurde, unter dem Titel «Traité de grande tactique». 1805-1813 kämpfte Jomini in den Napoleonischen Kriegen. Napoleon wurde auf ihn aufmerksam und ernannte ihn 1805 zum Adjudant commandant (Adjutantmajor); 1807 nahm Jomini an seiner Seite an der Schlacht bei Eylau teil. 1807 gab Jomini seinen «Traité des grandes opérations militaires», der vor allem die Kriegsoperationen des preussischen Königs Friedrich des Grossen behandelt, heraus. 1807 Ritter der Ehrenlegion, 1808 Baron d'Empire. Nachdem Jomini von Zar Alexander I. Dienstangebote erhalten hatte, demissionierte er 1810, umso mehr, als der ihm vorgesetzte Generalmajor Louis-Alexandre Berthier sich seinem Aufstieg entgegenstellte. Napoleon machte ihn daraufhin zum Brigadegeneral und beauftragte ihn, die Geschichte der italienischen Feldzüge zu schreiben; diese erschien ab 1811 unter dem Titel «Histoire critique et militaire des guerres de la Révolution». Während des Russlandfeldzugs 1812 wurde Jomini zum Gouverneur von Wilna (heute Vilnius), dann von Smolensk ernannt. Er gab Napoleon den besten Ort bekannt, um die Beresina zu überqueren.

Nachdem er von Berthier aus der Beförderungsliste gestrichen und unter Arrest gestellt worden war, beschloss Jomini 1813, sich dem Generalstab von Alexander I. anzuschliessen. Als Adjutant des Zaren im Rang eines Generalleutnants war Jomini 1813 an den Schlachten von Dresden und Leipzig beteiligt und intervenierte bei Fürst Metternich, um die schweizerische Neutralität zu wahren. An den Kongressen in Wien 1815, Aix-la-Chapelle 1818 und Verona 1822 beriet er den Zaren. Als Oberbefehlshaber von Nikolaus I. (1826) nahm er 1828 am Krieg gegen die Türkei teil und trug 1832 zur Schaffung der Militärakademie in St. Petersburg bei. 1827 veröffentlichte er mit «Vie politique et militaire de Napoléon» eine Biografie Napoleons. 1837 wurde er mit der Ausbildung des Zarewitsch (später Alexander II.) betraut und schrieb zu diesem Zweck 1838 das Handbuch der Kriegskunst «Précis de l'art de la guerre». Im Krimkrieg 1854 beriet er zum letzten Mal den Zaren und zog sich dann nach Passy zurück. Als Historiker und Theoretiker wird Jomini noch heute an Militärschulen, insbesondere in den USA, studiert, und er bietet nach wie vor Stoff für zahlreiche Studien. 1906 errichtete Payerne eine Statue zu Ehren Jominis. Als «Hellseher Napoleons» bezeichnet, wurde er auf die gleiche Stufe wie sein Zeitgenosse Carl von Clausewitz gestellt.

Quellen und Literatur

  • Teilnachlässe in: ACV, BCUL, Museum Payerne
  • A.-J. RapinJomini et la stratégie, 2002
  • J.-J. Langendorf, Faire la guerre: Antoine-Henri Jomini, 2 Bde., 2002-04
Weblinks
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GND
VIAF
Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 6.3.1779 ✝︎ 22.3.1869
Systematik
Politik (1790-1848)

Zitiervorschlag

Jean-Jacques Eggler: "Jomini, Antoine Henri", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 17.02.2009, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/020402/2009-02-17/, konsultiert am 27.01.2023.