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dePraroman

Praroman (deutsch Perroman), freiburgische Patrizierfamilie, aus dem gleichnamigen Ort stammend. Dem Geschlecht gehörten mehrere Junker und Ritter an. Einzelpersonen werden bereits im 12. Jahrhundert erwähnt, die Familie ab Mitte des 13. Jahrhunderts. Die zwei Freiburger Äste sind auf Pierre (vor 1365) und Jacques (vor 1356), vermutlich Brüder, zurückzuführen. Der erste Ast starb 1862 mit Philipp, einem reichen und wohltätigen Gutsbesitzer, im Mannesstamm aus. Der zweite teilte sich 1408 mit Nicolas' Niederlassung in Lausanne in zwei Zweige. Der in Freiburg verbliebene Zweig verschwand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der später reformierte Lausanner Zweig erlosch mit Rodolphe Samuel (->) bzw. mit Louis Samuel (1750), Oberstleutnant in holländischen Diensten. Ab dem 14. Jahrhundert im Handel sehr erfolgreich (Perroman-Gesellschaft), spielten die Praroman vom 15. bis ins 18. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in der Freiburger Politik. Die Familie stellte 1448-1607 sieben Schultheissen und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen. Aus dem Geschlecht gingen auch 14 Kleinräte, 19 Sechziger, vier Venner, vier Säckelmeister und sieben Bürgermeister hervor. Nur selten hatte ein Familienmitglied ein kirchliches Amt inne. Wahrscheinlich wurde das ganze Geschlecht 1436 von Kaiser Sigismund geadelt, einige Vertreter wie Johann (->) und Henri (->) traten als Lehensleute in den Dienst von Fürsten, besonders der Savoyer.

Im 16. Jahrhundert gaben die Praroman den Handel auf und traten wie die beiden Familienmitglieder mit Namen Niklaus (->, ->) in den Kriegsdienst, besonders für Frankreich. Sie stellten jedoch nie höchste Ränge. Hubert (1547), Schultheiss 1528-1530, gehörte zum Humanistenkreis um Peter Falck, den er 1516 nach Jerusalem begleitete, wo er zum Ritter geschlagen wurde. Auch Petermann (->) stand in der Humanistentradition. 1649 errichtete der Geistliche Beat-Ludwig eine Substitution (Fideikommiss) zugunsten des jeweils ältesten Praroman, der seinen Vornamen trug, weshalb dieser Vorname in der Familie fortan sehr häufig vorkam. Eine weitere Substitution errichtete Hans Anton 1708 mit seinen Gütern Balterswil (Gemeinde St. Ursen) und Frieseneit (Gemeinde Bösingen) für die männlichen Nachkommen seiner Brüder. Aufgrund der gesetzlichen Auflösung der Substitutionen trat der letzte Nutzniesser 1850 das Gut Frieseneit dem Almosenamt ab und behielt dafür Balterswil als Eigentum. Zwei Onkel des letzten Praroman, der Staatsrat Philippe (1745-1815) und der Grossrat Joseph (1754-1822), widersetzten sich 1814 der Restauration des Patriziats. Joseph intervenierte bei den Gesandten der Alliierten, wurde aber mit seinen Anhängern trotz Geleitbrief von der Berner Polizei verhaftet, in Freiburg eingekerkert und schliesslich als Hochverräter zu sechs Monaten Hausarrest und 20 Jahren polizeilicher Überwachung verurteilt. Ausserdem verlor er seine politischen Rechte und den Grossratssitz.

Quellen und Literatur

  • Teilnachlässe in: ACV, StAFR
  • P. de Zurich, «Généalogie de la famille de Praroman», in Ann. frib. 45, 1962, 23-94

Zitiervorschlag

Peter F. Kopp: "Praroman, de", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 29.09.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/020632/2010-09-29/, konsultiert am 04.02.2023.